Sektion Braunschweig
zweispaltig
Aus dem Mitteilungsblatt 2/2018
Hochtourengruppe

Sechs Tage auf dem nördlichen Rheinsteig

Jens Köhler

Am 14.April 2018 trafen sich acht Wanderer aus der Hochtourengruppe, Ronald „Ronny“ Bach, Holger Blume, Gerhild Jüttner, Jens Köhler, Kathrin Müller, Petra Peffermann, Ronald Scheffler und Anette Schoreit im rechtsrheinischen Koblenzer Stadtteil Ehrenbreitstein am Fuße der berühmten Festung. Ihr Vorhaben: Den nördlichen Teil des Rheinsteigs durch Siebengebirge und Westerwald in sechs Tagen bezwingen, insgesamt 155 km und über 5.000 Höhenmeter! Vier von ihnen, Ronny, Gerhild, Holger und Jens, waren sogar so tollkühn, vier von fünf Nächten im Biwak- bzw. Schlafsack zu verbringen. Die größte Hürde war das Lösen einer Fahrkarte für acht Personen, um nach Bonn zu kommen, aber es gelang. Ironischerweise wurden wir am Sonntag auf der Bahnfahrt überhaupt nicht kontrolliert.

Abendstimmung auf der Erpeley Ley
Foto: Jens Köhler

Es soll nun kurz die Strecke am Mittelrhein skizziert werden: Start in Bonn Hbf, durch das Siebengebirge bis Rhöndorf am Drachenfels, am Montag 30 km und 1000 Höhenmeter bis zur Erpeler Ley, Dienstag nach Rheinbrohl, dort auch für die Biwakierer ein festes Quartier. Mittwoch noch einmal eine sehr lange Etappe nach Altwied, auch hier kamen fast 30 km und 1000 Höhenmeter zusammen. Der Donnerstag war mit seinen 18 km fast ein Ruhetag, die Strecke führte uns nach Sayn. Der Freitag war die Schlussetappe bis zur Festung Ehrenbreitstein.

Es ist eigentlich unmöglich, alle Erlebnisse dieser anstrengenden, aber wunderschönen Wanderwoche hier zu beschreiben, deswegen sollen nur ein paar Streiflichter auf die spannendsten bzw. schönsten Abschnitte geworfen werden.

Drei Aspekte, die diese Wanderwoche unvergesslich machten, waren die immer wieder reizvollen Streckenführungen, dazu das perfekte Frühlingswetter und die harmonische Gruppe, in der sich alle gegenseitig unterstützten, wenn es erforderlich war.

Der Start verlief gleich einmal ganz anders, als geplant. Die komplette Bonner Innenstadt war wegen eines Marathons mit Menschenmassen überfüllt, überall Absperrungen und Tribünen und nur sehr schwieriges Vorankommen. Das eigentlich obligatorische Startfoto auf dem Marktplatz musste deswegen entfallen. Dafür war die Überquerung der Kennedy-Brücke ein Erlebnis, denn dort ging die Rennstrecke lang.

Drachenburg mit Kölner Skyline
Foto: Jens Köhler

Die vier Biwakierer schliefen von Sonntag auf Montag in einer Schutzhütte am Fuße des berühmten Berges Drachenfels. Ein ordentlicher Kehraus war aber nötig, damit nicht die Scherben die Isomatten perforierten. Und in allen Biwaknächten war das Rheintal Quell vielfältigen Lärms: Güterzüge, Frachtkähne und Straßenverkehr. Da ist es im Harz viel leiser!

Am Montag wurde mit der 455 m hohen Löwenburg der zweithöchste Gipfel des Siebengebirges erklommen. Perfekte Aussicht in alle Richtungen war der Lohn der Aufstiegsmühen. Genauso wie die Löwenburg liegt auch der 366 m hohe Himmerich nicht direkt am Rheinsteig, beide Gipfel trugen daher immens zu den über 1000 Hm dieses Tages bei. Der Himmerich besitzt eine nach SW abfallende Felswand, in der linken Wandseite haben sich Holger, Gerhild und Kathrin in einer dornigen Direttissima vergnügt. Oben konnten dann alle eine schöne Pause in der Sonne erleben.

Der Dienstag war der „Tag der verschollenen Gerhild“. In einer verwinkelten Ecke des Dörfchens Dattenberg ist sie uns abhanden gekommen. Während die anderen zwei alte Parkuhren bewunderten, die in einer kunstvoll ausgeschnittenen Gartenhecke standen, überholte uns Gerhild, ohne es zu wissen, weil sie sich in eine Abkürzung verlief. Dabei dachte sie aber, sie wäre hinter uns, und beeilte sich, um uns wieder einzuholen. Dummerweise war Gerhild die einzige ohne Handy, denn das lag in ihrem Auto, welches bei Jens vor der Haustür geparkt war. Als wir Gerhilds Verlust feststellten, entsandte die Gruppe Jens und Holger auf den bereits gelaufenen Streckenteil, während Kathrin vorweg lief. Große Erleichterung, als Kathrin Gerhild tatsächlich einholte, 2,5 km weiter entfernt, und sehr erschöpft!

Ronny, Kathrin, Ronald, Jens, Petra, Anette und Holger (v.l.n.r.) am Ziel auf der Festung Ehrenbreitstein
Foto: Jens Köhler

Zum Schluss noch eine Auflistung der von uns vorgefundenen Landschaftstypen. Dominierend waren die weitläufigen Buchenwälder, im Westerwald oft auch lange und tiefe Bachschluchten, die Ronny zu spannenden Alpträumen inspirierten, dann aber auch weitläufige Streuobstwiesen, alle paar Kilometer Burgen, Schlösser und Kirchen, und bei Leutesdorf gab es einen absolut schönen und verwinkelten Weg durch die Weinberge. Die wohl schönste Einkehr hatten wir in Feldkirchen, wo Ella und Peter (auch im Alpenverein) einen überdachten, schattigen Rastpunkt mit Verpflegung errichtet hatten, der seinesgleichen sucht!

Zwei Wermutstropfen gibt es aber auch zu berichten: Gerhild konnte die letzte Etappe wegen Knieschmerzen nicht mitlaufen und nahm den Bus, und Anette quälte sich mit dicken Blasen an den Füßen bis zur Festung Ehrenbreitstein. Kulinarischer Höhepunkt war das Knoblauchbrot der Laubachsmühle bei Altwied, aber auch die indische Küche des Hotels in Ehrenbreitstein war sehr schmackhaft.

Vor der Rückreise besuchten Holger, Gerhild, Ronald, Ronny, Kathrin und Jens noch die Ruppertsklamm im Lahntal, und damit endete eine wunderschöne Wanderwoche am Mittelrhein.

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V., 5. Juni 2018