Sektion Braunschweig
zweispaltig
Aus dem Mitteilungsblatt 4/2017
Ausbildungsreferat

Loutra: Klettern mit Meerblick

Ulrike Hochgesand

Die untergehende Sonne färbt das Meer rosa, schwarz ragen die Felsen von Loutra hinein. Postkartenkitsch – nur ohne Inszenierung, sondern echt. So erleben wir den Kiesstrand mit den Kletterfelsen an unserem ersten Abend in Loutra. Wir – das sind Christian, Christopher, Timo, Silvan und ich – alle Kletteranfänger, die von Gaby Lappe und Clemens Pischel das Klettern am Fels lernen wollen. An diesem ersten Abend sind uns die Kalkfelsen noch ziemlich schnuppe, der Weg führt zumindest die Männer direkt ins Meer. 25 Grad ist es warm. In Griechenland fühlt sich der Herbst noch wie Sommer an.

Die Prusik hä„lt. Christian und Christopher haben sichtlich Spaß beim Abseilen
Foto: Gaby Lappe

Am Montag klettern wir unsere ersten Routen an den Felsen, die den Kiesstrand nahe unserer Unterkunft einrahmen. Auch an „Malwina“ (IV+), der ersten Kletterroute, die Gaby mit Kai Maluck und Gerhild Jüttner in den Felsen von Loutra erschlossen hat, versuchen wir uns. Im Toprope geht es steil bergauf. Oben angekommen heißt es erstmal Aussicht genießen.

Nach ausgiebiger Kletterei – wir haben uns unter anderem an der Einstiegsvariante „Unterer Fangarm“ zum „Oktopus“ (VI-) abgearbeitet – geht es zum Baden. Danach suchen wir uns ein schattiges Plätzchen. Die Sonne scheint, das Meer ist spiegelglatt, es ist fast windstill und entsprechend heiß. Gaby und Clemens zeigen uns, wie man einen Standplatz baut. Am Abend haben wir eine Menge Knoten kennengelernt: den Achter zum Anseilen, den Halbmast zum Sichern, den Ankerstich für die Selbstsicherung, den Mastwurf und für die Standplatzschlinge den doppelten Bulin. In der Nacht träume ich davon, dass ich einen Standplatz abbauen soll. Wie ging das nochmal?

Silvan beim Vorsteigen am Möwenflügel
Foto: Clemens Pischel

Am Dienstagmorgen wandern wir zu einem anderen Strand, dem Ageletasfels. Dort sind die Kletterfelsen von oben zugänglich, so dass man die Seile bequem fürs Toprope-Klettern einhängen kann. Gaby und Clemens zeigen uns wieder, wie man einen Standplatz baut. Unsere nächste Übung lautet: Abseilen. Clemens demonstriert, wie wir das Seil ins Abseilgerät einlegen und die Prusik um das Seil knüpfen müssen, damit sie sich verklemmt. Der lockere Prusikknoten wird beim Abseilen von Hand mitgeführt und zieht sich zu, sobald man das Seil loslässt. Kaum zu glauben, dass diese kleine, kurze Schnur unser ganzes Gewicht halten kann. Bevor es nach unten geht, testet jeder von uns gründlich aus, dass der Klemmknoten hält.

Schnupperkurs fü„r Jungen und Mädchen beim 1. Kletterfestival in Loutra
Foto: Clemens Pischel

Zurück an „unserem“ Hausstrand weihen Gaby und Clemens uns am Mittwochmorgen in die Kunst des Vorsteigens ein. Ein bisschen kribbelt es in der Magengegend, als ich die ersten Meter der Felswand hochkraxele, ohne dass von oben ein Seil mitläuft. Ob es den anderen auch so geht?

Als wir Vorsteigen und Klippen, Spotten und Sichern eine Weile geübt haben, lassen Gaby und Clemens uns auch den Standplatzbau üben. Das gestaltet sich langwierig. Wie war nochmal die richtige Reihenfolge? Und welchen Befehl rufe ich meinem Kletterpartner wann zu? Wie gut, dass Gaby oben am Stand sitzt und aufpasst, dass wir alles richtig machen.

Gruppenfoto mit Blick auf Loutra: (v.l.) Silvan Seidelmann, Clemens Pischel, Christopher Trentlage, Timo Wolf, Christian Wagner, (vorne v.l.) Ulrike Hochgesand, Gaby Lappe
Foto: Gaby Lappe

Was sich am Mittwoch vielleicht noch nicht jedem ganz erschlossen hat, wird spätestens am Freitag klar: In drei Teams klettern wir unsere erste Route über mehrere Seillängen. Der Einstieg zum „Möwenflügel“ (IV+) ist ein Felsen direkt am Meer, der von den Wellen umspült wird. Als Silvan um die Kurve gebogen ist, muss ich blind abschätzen, wann ich Seil kurz und wann etwas länger lasse. Nachdem Silvan von oben „Stand“ ruft, brülle ich mir die Lunge aus dem Hals, damit mein Kommando „Seil ein“ bei ihm ankommt.

Auch diese Route wird zu einem Erfolgserlebnis für uns alle. Oben angekommen haben wir uns erstmal ein Eis verdient. Die „Villa Stasa“ bietet nicht nur das, sondern auch eine wunderschöne Aussicht auf „unsere“ Kletterfelsen und das Meer.

Die erlebnisreiche Woche klingt mit dem ersten Kletterfestival in Loutra aus, das neben Schnupperklettern für Kinder auch ein tolles Abendprogramm bietet. Nach einem Vortrag von Kai rund ums Klettern gibt’s ein leckeres Büfett und viel Tanz und Musik. Auch eine Führung, die uns die Geschichte und Tradition der Region näherbringen soll, haben die Griechen für uns organisiert. Wir sagen „Efharist¢“ für die tolle Gastfreundschaft!

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V., 17. November 2017