Sektion Braunschweig
zweispaltig
Aus dem Mitteilungsblatt 2/2017
Hochtourengruppe

Frauenpower im Rofangebirge

(nur für Frauen, aber nicht gegen Männer)

Bruni Watteroth, Sylvia Reichard, Regina Wollgramm und Ute Rabenstein

Eines Tages hatte Karin die Idee, eine Frauenfahrt ins Gebirge zu machen. Am 10.07.2016 starteten wir, Karin Fricke, Ute Rabenstein, Gerhild Jüttner, Birgit Lehmann, Regina Wollgramm, Sylvia Reichard und ich, Bruni Watteroth, ins Rofangebirge, und zwar auf die Erfurter Hütte (1.831m). Unsere Gruppe bestand aus gestandenen Bergziegen und solchen, die es noch werden wollen. Deshalb war nicht geplant, dass wir immer alles zusammen machen, sondern dass jede nach ihren Neigungen und Fähigkeiten etwas in Kleingruppen unternimmt. So hatte jede Teilnehmerin ihre Erfolgserlebnisse oder ihren Spaß.

Bruni Watteroth

Die Erfurter Hütte
Foto: Regina Wollgramm

Die Idee von Karin, eine Frauenfahrt ins Rofangebirge zu machen, gefiel mir gut. Ich kannte die Gegend mit dem Achensee noch nicht, so freute ich mich auf den 10. Juli 2016.

Da Regina und ich an diesem Tag die Seilbahn zur Hütte wegen der vielen Staus verpasst hatten, konnten wir diese schöne Landschaft erst am nächsten Tag genießen. Ich war positiv überrascht über die Erfurter Hütte, 1831 m hoch. Die Lager waren wohl vor einiger Zeit umgebaut worden, alles mit Holz getäfelt und sehr sauber. Vom Zweierlager bis zu unserem Achterlager konnte man bequem liegen und hatte ausreichend Decken zur Verfügung. Diese Hütte kann ich gut weiter empfehlen. Auch das Frühstücksbuffet am nächsten Morgen war super.

Der Flug mit Airrofan-Skyglider
Foto: Bruni Watteroth/Airrofan

Ausreichend Brötchen und Brot, Müsli, Saft und vieles mehr standen zur Verfügung. Die Landschaft ist wunderschön. Von der Terrasse aus sah man unten den Achensee und dahinter das Karwendelgebirge, hinter unserer Hütte das Rofangebirge mit dem Gschöllkopf, 2039 m, den Hochiss, 2299 m, und die Haidach-Stellwand, 2192 m, um nur einige zu nennen. Leider kam ein Wintereinbruch, so dass wir keine großen Touren machen konnten. Aber eines haben Regina und ich uns noch gegönnt: Am letzten Tag flogen wir mit dem AIRROFAN- Skyglider erst rückwärts Richtung Gschöllkopf, um dann nach vorne zur Basisstation mit 80 km/h 200 m tiefer zu rasen! Es war ein irres Gefühl. Unterwegs dachte ich nur: „Gut, dass du kein loses Gebiss hast, es wäre jetzt weg!“ Aber ich hatte mir einen Wunsch erfüllt, sah ich doch täglich dieses Ding dort fliegen. Leider war die eine Woche zu schnell vorbei, aber sie wird mir noch lange in schöner Erinnerung bleiben.

Bruni

Eine besondere Herausforderung war das Wetter. Von Sommer bis Winter waren fast alle Jahreszeiten in dieser Woche vertreten
Foto: Regina Wollgramm

Als Hochtourenanfängerin wurde die Rofanfahrt zu meiner ersten „Alpen-Alpin-Erfah- rung“ über 2000 Meter. Ich konnte von meinen Bergfreundinnen eine Vielzahl von grundlegenden Regeln in der Bergwelt kennenlernen. Prägend wurde vor allem das Erlebnis nach dem Aufstieg der Haidachstellwand, 2192 m. Wir befanden uns bereits auf gut 1800 Meter Höhe und hatten auf dem Weg nach oben nur noch rund 400 Meter vor uns. Als wir am Gipfelkreuz unser Ziel erreichten, kam Nebel auf, und als es Zeit für den Abstieg war, gesellte sich zum Nebel noch ein Donnergrollen. “Oh je“, dachte ich, zum ersten Mal in meinem Leben musste ich nun einen Klettersteig mit Trittbügeln den Berg hinab, zum Teil nur über Einkerbungen, es gab keine andere Möglichkeit und wegen des zunehmenden Donners auch keine Zeit mehr, einen anderen Weg einzuschlagen. Nun galt es, die Nerven zu bewahren und konzentriert zu bleiben. Dank Karin, die mir mit einer bewundernswerten Ruhe und Geduld die Tritte vorgab, schaffte ich es. Ich war hinterher überglücklich und spürte auch Stolz auf das, was ich geleistet hatte. Wir hatten am Abend noch viel Spaß und mussten noch viel über das Erlebte lachen! Und nie zuvor hatte mir ein doppelter Obstler so sehr geschmeckt und gut getan wie an diesem denkwürdigen Tag.
Berg heil!

Gerhild und Birgit am Gipfelkreuz der Rotspitze
Foto: Ute Rabenstein

Sylvia

Als Alpen - Neuling hatte ich genauso wie Sylvia den ersten „Kraftproben“- Klettersteig erfolgreich hinter mich gebracht und war bereit zu neuen Taten. Es sollte zum Sagzahn gehen, 2228 m hoch, Klettersteig inbegriffen. Das Wetter hatte umgeschlagen, Nebel hingen in der Luft, und es war kalt geworden, von sommerlichen ca. 20° C auf 4° C, was uns nicht von der Wanderung abgehalten hat. Mit dem Anstieg veränderte sich die Landschaft immer mehr von grün auf weiss. Schon auf der Höhe der Grubascharte mit Blick auf den kleinen See wanderten wir im Schnee. Bei der nächsten Wegkreuzung musste entschieden werden: „Weitergehen oder wieder zurück. “Inzwischen konnte man aufgrund des Nebels nur noch ca. 50 m weit sehen. Nach einem kleinen Versuch auf dem Weg in Richtung Sagzahn war dann aber klar, für den Klettersteig ist die Sicht einfach zu schlecht, und wir haben enttäuscht den Rückweg angetreten. Wieder im „grünen“ Bereich, sind Karin, Ute und ich kurz vor der Erfurter Hütte abgebogen und sind noch weiter Richtung Tal gewandert, vom Enzianweg, ca 1420 m, auf den Schützensteig. Unter der Seilbahn entlang ging es über grüne Wiesen, um dann den doch überraschend anstrengenden Aufstieg auf die 1834 m hoch liegende Erfurter Hütte anzutreten. Ein langer Wandertag, den wir erschöpft, aber sehr zufrieden mit dem abendlichen gemeinsamen fröhlichen Austausch ausklingen lassen konnten!

Herzliche Grüsse Regina

Mittwoch, 13.07.2016

Die Gruppe
Foto: Bruni Watteroth

Birgit, Gerhild und ich hatten uns für diesen Tag die Begehung des Dalfazer Kammes vorgenommen. Durch das gute Frühstück auf der Hütte gestärkt, starteten wir bei wolkenverhangenem Himmel unsere Tour. Als Aufstiegsweg wählten wir einen Steig, der uns vorbei an einem kleinen Speichersee bis zu einer kurzen seilgesicherten Kletterpassage führte. Trotz nasser Felsen erreichten wir ohne Probleme die Westseite der Rotspitze. Einem kleinen Vorgipfel folgte der Abstieg in eine Scharte. Die letzten Meter zum Gipfel der 2067 m hohen Rotspitze, dem südlichen Endpunkt des Kammes, ging es dann noch mal steil bergauf. Der Blick auf den Achensee blieb uns durch viele tiefhängende Wolken leider verwehrt. Wir entschieden uns aufgrund der unsicheren Wetterlage, auf die Überschreitung des Kammes zu verzichten. Der Abstieg führte uns durch Latschenfelder steil bergab zum Aussichtspunkt Durrakreuz. Von dort war es nicht mehr weit bis zur Dalfazer Alm, wo wir kurz einkehrten. Auf dem Rückweg zur Erfurter Hütte wurden wir dann vom einsetzenden Dauerregen erwischt.

Herzliche Grüße! Ute

Vielen Dank an Karin, die alles organisiert hatte und den Unerfahrenen mit viel Geduld das Gehen am Berg beigebracht hat.

Bruni Watteroth

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V., 13. Juni 2017