Sektion Braunschweig
zweispaltig
Aus dem Mitteilungsblatt 2/2017
Hochtourengruppe

Expedition im Kupferschieferbergbau zur Marienglasschlotte

Jens Köhler

Am 1. April 2017 fand eine für die Hochtourengruppe eher ungewöhnliche Bergtour statt. Anstatt auf einen Berg zu steigen, ging es in den Berg hinein, quasi eine „Tieftour“. Zu diesem Zweck trafen sich Marion Schmidt, Peter Männel, Clemens Pischel, Manfred Postler, Ronald Scheffler, Thomas Schmidt, Stefan Weinert und der Autor dieser Zeilen in Wettelrode um 07:30 Uhr am Museumsbergwerk Röhrig-Schacht. Dort wurden wir von zwei echten Bergleuten, Nico und Uwe, in Empfang genommen. Nachdem wir Helm und Geleucht erhalten hatten, fuhren wir auch schon per Förderkorb in eine Teufe von 283 Metern zur 1. Sohle.

Marienglas
Foto: Jens Köhler

Zunächst wurden uns die Erzlagerstätte, ein schräg einfallendes Kupferschieferflöz von nur 20 cm Mächtigkeit und das Abbauverfahren erklärt. Dem schloss sich eine abenteuerliche Fahrt mit der Grubenbahn an, die ca. 5 Minuten dauerte. Dann erhielten wir die Wathosen, die aber zunächst nur über den Schultern baumelnd durch die Gegend getragen wurden. Nach ca. 15 Minuten Fußweg erreichten wir den sogenannten Wetterflachen. Es folgte ein „Untertageberg“, denn nun mussten wir der Steigung des Flözes ca. 150 Höhenmeter bergauf folgen. Wir schauten uns kurz noch den Notrettungsschacht mit Namen „Junger Adolph“ von unten an. Der vor 1800 abgeteufte Schacht war sehr eng und es war beeindruckend, von unten nach oben zu schauen.

Dann war es endlich Zeit, die Wathosen anzuziehen, denn wir betraten nun den Segen-Gottes- Stollen, einen Wasserlösungsstollen, der die Grube auf das Niveau von Sangerhausen entwässerte.

Im Segen-Gottes-Stollen
Foto: Nico

Die Stollenbefahrung war schon ein Erlebnis für sich, unterwegs bestaunten wir noch eine historische Wasser-Balance, eine Art wasserbetriebene Standseilbahn, und nach zwei Kilometer Waten erreichten wir das Ziel der Expedition: Die Marienglasschlotte. Im Anhydrit hatte sich eine Wasserblase gebildet, die beim Auffahren des Stollens angestochen wurde. Als das Wasser abgeflossen war, fand man ein kleines Höhlensystem mit Gipsmineralien, eben das berühmte Marienglas. Wir durften uns in dieser Höhle eine Stunde lang umschauen, und so konnte jeder dieses Naturwunder angemessen genießen.

Der Rückweg erfolgte dann auf gleichem Wege, und nach sieben Stunden gab es noch eine kleine Stärkung mit Kaffee, Schmalzbroten und Essiggurken. Nico und Uwe schenkten dazu Schachtschnaps aus. Mit einem zünftigen Bergmannslied „Glückauf ihr Bergleut jung und alt“ bedankten wir uns für diese tolle Führung, ehe wir mit dem Förderkorb zurück ans Tageslicht gelangten.

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V., 13. Juni 2017