Sektion Braunschweig
zweispaltig
Aus dem Mitteilungsblatt 1/2017
Hochtourengruppe

Korsika 2016

Nachschlag *)

Holger Blume

*) s. auch Bericht im Mitteilungsblatt 4/2015 ab Seite 32

Wenige Tage vor Beginn der letztjährigen Hochtourengruppen-Fahrt im Juni 2015 nach Korsika gab es dort schwere Unwetter mit Bergstürzen, die den Tod von sieben Wanderern sowie die Sperrung des berühmten Cirque de la Solitude zur Folge hatten. Nicht alle Tourenziele konnten damals erreicht werden. Drei Teilnehmer dieser Gruppenfahrt beschlossen, die ausgefallenen Höhepunkte nun nachzuholen.

Im Cirque de la Solitud
Foto: Ronald Scheffler

Am Abend des 15.Oktober landen Kathrin Müller, Holger Blume und Ronald Scheffler in der nordkorsischen Stadt Bastia. Nach einer Hotelübernachtung starten wir mit unserem Mietwagen früh morgens zur Ski-Station Haut-Asco. Der dichte Nebel in den Bergtälern macht die Anfahrt anstrengend. Bei strahlender Morgensonne und blauem Himmel starten wir unsere Etappe durch den Cirque de la Solitude zum Refuge Tighiettu. Im letzten Jahr gesperrt, ist dies nun kein offizieller Abschnitt des GR 20 mehr. Je mehr wir uns dem Kessel nähern, desto schwieriger wird die Wegfindung. Fast alle Markierungen sind mit gesteinsgrauer Farbe übermalt, die Schilder entfernt. Etwa 200 Hm unterhalb der Bocca Tumasginesca, dem Einstieg in den Kessel, folgen wir einem gut mit Steinmännern markierten Weg, der zunehmend ausgesetzt ist.

Auf dem Gipfel des Monte Cinto
Foto: Ronald Scheffler

Nach dem Überklettern einer Scharte müssen wir feststellen: Hier geht es auf den Gipfel des Pic von Cube. Also alles wieder zurück, viel Schweiß und 200 Hm umsonst! Mit GPS-Unter- stützung finden wir jetzt den richtigen Aufstieg zum Sattel. Der Abstieg in den Kessel ist fordernd, nicht nur die Wegmarkierungen, sondern auch alle Kletterhilfen wie Ketten, Leitern und Stifte sind entfernt worden. Lediglich die nur im hellen Sonnenlicht erkennbaren Markierungsreste sowie wenige Steinmänner und der Blick auf das GPS lassen uns den Aufstieg aus dem Kessel zur Bocca Minuta finden. Hier wird für uns die Gewalt der Gerölllawine sichtbar, die die Wanderer 2015 in den Tod riss. Auch der Abstieg zum Refuge ist nicht mehr markiert. Bei super Wetter erwartet uns das schon von 2015 vertraute Lager sowie unsere leckeren Trekkingmahlzeiten.

Baustelle am Refuge Cittulu di i Mori
Foto: Ronald Scheffler

Der am nächsten Tag geplante Weiterweg zur Refuge Ciuttulu di i Mori muss entfallen, da die Hütte wegen Renovierungsarbeiten im Oktober gesperrt ist. Stattdessen erklimmen wir den höchsten Berg Korsikas, den Monte Cinto, dessen Besteigung wir letztes Jahr wegen eines Gewitters abbrechen mussten. Unser schweres Gepäck deponieren wir bei der Pointe des Eboulis. Ein polnisches Pärchen steigt mit uns zum Gipfel auf. Dort genießen wir die tolle Aussicht über Korsikas wilde Hochgebirgslandschaft. Während des steilen, langen und anstrengenden Abstiegs über teilweise vereiste Schotterpassagen, direkt nach Haut-Asco, ziehen Wolken auf. Nach Erreichen des Refuge Asco Stagnu beginnt es zu tröpfeln.

Aufstieg zur Paglia Orba
Foto: Ronald Scheffler

Am folgenden Morgen fahren wir im strömenden Regen zum Col de Verghio. Das Hotel und die private Hütte dort sind geschlossen. Wir finden 15 km entfernt im Ort Evisa ein preiswertes Hotel. Vor Sonnenaufgang fahren wir am nächsten Morgen zum Parkplatz unterhalb des Cols, um zum Refuge Cittulu di i Mori und von dort aus zur Paglia Orba aufzusteigen und am Abend wieder am Auto zu sein. Noch im Mondlicht verpassen wir im dichten Wald prompt einen Abzweig. Das beschert uns einen Umweg über die Wasserfälle Cascade du Radule (nett) sowie extra 100 Höhenmeter (nicht so nett).

Mond über den Felsen der Paglia Orba
Foto: Ronald Scheffler

Wunderbares Herbstwetter begleitet uns den ganzen Tag. Um 9:30 Uhr erreichen wir zusammen mit dem sechsten Hubschraubermaterialtransport die Hütte. Nach einem ausgiebigen Frühstück auf Baupaletten starten wir zur Paglia Orba. Der Normalweg führt über steile Rinnen, sowie durch ein Felsenloch, in dem man mit großem Rucksack leicht stecken bleiben kann, zum Vorgipfel. Noch einmal absteigen in einen Sattel und dann hinauf zum Hauptgipfel. Mittags um 12 Uhr genießen wir bei klarer Sicht den Ausblick vom Gipfel bis zum Meer. Ein unangenehmer, kalter Wind erinnert uns allerdings daran, dass wir bald November haben. Auf dem Rückweg versuchen wir vom Sattel aus den auch auf dem GPS angezeigten direkten Abstieg in der Südflanke. Dieser Weg führt nach etwa 60 Höhenmetern zu einer Abseilstelle. Nur, wir haben kein Seil dabei! Also zurück auf den Vorgipfel und den Aufstiegsweg wieder abklettern. Unsere vom letzten Jahr noch offenen Ziele Cirque de la Solitude, Monte Cinto und Paglia Orba sind erreicht. An der zugänglichen Kochstelle des ansonsten geschlossenen Refuge am Col de Verghio genießen wir unser wohlverdientes Abendessen. Die letzten zwei Tage auf Korsika verbringen wir im Süden der Insel. In der Bavella, den Dolomiten Korsikas, runden zwei schöne Wanderungen mit Klettereinlagen bei weiterhin sonnigem Herbstwetter unsere Korsikawoche ab.

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V., 1. März 2017