Sektion Braunschweig
zweispaltig
Aus dem Mitteilungsblatt 1/2017
Ausbildungsreferat

Gelungener Einstieg ins Hochtouren-Bergsteigen

Eine lehrreiche Woche auf und abseits der Braunschweiger Hütte 2016

Till Baumann, Sektion Kiel

In der zweiten Augustwoche starteten vier angehende Bergsteiger und ihr Kursleiter Christian Junglewitz zu ihren ersten Erfahrungen im Hochtouren- und Gletscherbergsteigen.

Rechtzeitig zum Abendessen war die Gruppe am Samstag, dem 06. August, auf der Braunschweiger Hütte zusammengekommen. Die Hütte war somit vollständig belegt, fast ausschließlich von Wandergruppen, die sich den Fernwanderweg E5, welcher über die Braunschweiger Hütte führt, zum Ziel gesetzt hatten. Bei einem deftigen Abendbrot lernten wir uns näher kennen und besprachen die ersten Schritte für die kommenden Tage. Unsere Gruppe bestand neben Christian und Alexander aus Braunschweig aus Daniela vom Staffelsee, Albert aus Nürnberg und dem Till aus Kiel.

Das selbständige Planen und Durchführen von Hochtouren war das erklärte Ziel des Kurses. Jeder von uns sollte im Laufe der Woche eine Tour eigenständig führen, darauf legte "Bergführer" Christian besonderen Wert.

Die Kursteilnehmer auf dem Linken Fernerkogel
Foto:Till Baumann

Am ersten Tag starteten wir unsere Einstiegstour zum Linken Fernerkogel. Für einige von uns waren dies die ersten Schritte mit Steigeisen in einem Gletschergebiet. Bei Sonnenschein und blauem Himmel konnten wir so unseren ersten Gipfel "machen".

Für den zweiten Tag hatten wir uns den Rechten Fernerkogel ausgeguckt, welcher schon mit einem etwas längeren Zustieg verbunden war. Unsere Route sollte uns über den Nord-Ost-Grat zum Gipfel führen. Doch für den zweiten Tag eines Einsteigerkurses fühlten wir uns für das unerwartet brüchige Gestein noch zu unsicher und so entschlossen wir uns, einige hundert Meter vor dem Gipfel umzukehren und abzusteigen. An den folgenden zwei Schlechtwettertagen ging es an die Theorie: wichtige Seilmanöver, Verhalten im Gebirge und Wetterkunde gehörten zu den Themen, die Christian uns anschaulich erklärte. Die kurzen Regenpausen nutzten wir für kleinere Ausflüge ins Hüttenumland und verschiedene Abseilübungen.

Für den vierten Tag, an welchem sich das Wetter wieder gebessert hatte, stand eine Einheit Eisklettern auf der Nordwand des Vorderen Brunnenkogels auf dem Programm. So zuversichtlich und voller Vorfreude wir noch auf dem Zustieg waren, stellte sich leider heraus, dass der Schnee durch die beiden vergangenen Regentage ein gewisses Lawinen- und Schneebrettrisiko barg. Daher brachen wir gezwungener Maßen unseren Aufstieg, nachdem wir bereits die Hälfte der Wand bewältigt hatten, ab. Als Alternative wurden daraufhin auf dem Weg zurück zur Hütte erfolgreich die Besteigungen des Mittags- und des Grabkogels in Angriff genommen.

Nachdem wir uns gemeinschaftlich am Vorabend auf das Besteigen der Wildspitze als krönenden Abschluss für den letzten Kurstag festgelegt hatten, stand der vorletzte Tag voll und ganz im Zeichen der Spaltenbergung. Hierzu machten wir uns auf die Suche nach einer geeigneten Gletscherpalte und als wir diese gefunden hatten, wurde jeder von uns nacheinander mit zunächst noch etwas mulmigem Gefühl in selbige hinabgelassen. Es galt nun, dieser zunächst mit fremder und in einem weiteren Durchgang aus eigener Kraft wieder zu entkommen, was unter Anleitung unseres Kursleiters auch allen gelang.

Am letzten Tag machten wir uns noch im Morgengrauen auf zu unserer Königsetappe - der Wildspitze. In freudiger Erwartung, aber auch mit aller gebührenden Vorsicht, bewältigten wir den von der Braunschweiger Hütte aus recht langen Zustieg schneller als erwartet. Nach einer kurzen Klettereinheit kurz unterhalb des Gipfels standen wir, wie erhofft, zur Mittagsstunde auf dem höchsten Punkt Nordtirols und der Ötztaler Alpen, was einen erhabenen Moment darstellte. Entsprechend beschwingt stellte uns auch der Abstieg, auf welchem wir zudem noch den Nordgipfel querten, vor keine größeren Probleme. Am Abend auf der Hütte genossen wir ein letztes Mal das wie immer vorzüglich von der Küche hergerichtete 3-Gänge-Menü und ließen den ereignisreichen Tag bei einigen Gläsern Bier sowie dem einen oder anderen Stamper Zirbenschnaps ausklingen.

Rückblickend muss man sagen, dass wir in dieser Woche vieles über das Hochgebirge, aber auch über uns selbst gelernt haben. Neben einmaligen Erfahrungen besitzen wir nun das Basiswissen, welches uns zur zukünftigen und selbständigen Bewältigung weiteren Hochtouren befähigt. Die Sicherheit und das Wissen um unsere körperlichen Fähigkeiten steigerten sich im Laufe der Woche zunehmend. Christian war uns hierbei ein ausgesprochen vertrauensvoller, geduldiger und engagierter Lehrer, der uns aber auch auf alle dabei möglicherweise eintretenden Gefahren und Unvorhersehbarkeiten hingewiesen hat. Nicht nur die auf unserem Niveau erreichten Erfolge während unserer Zeit im Pitztal, sondern auch der Zusammenhalt und Spaß innerhalb der Gruppe, ob in der Seilschaft oder auch beim gemütlichen Beisammensein auf der Hütte, werden uns für lange Zeit in Erinnerung bleiben. Die meisten wollen spätestens jetzt auf jeden Fall mehr…

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V., 1. März 2017