Sektion Braunschweig
zweispaltig
Aus dem Mitteilungsblatt 4/2016
Skigruppe

„Die kleine Blume“ zwischen den Felsen

Hermann Fischer

Der Pfälzer Wald ist mit einer Fläche von 1.790 qkm das größte zusammenhängende Waldgebiet in Deutschland. Für Geologen ist dieses Schichtstufenland ein Paradies, können sie doch hier besonders anschaulich erforschen, welch bizarre Felsgebilde seit der Kollision der Kontinente Ur-Europa und Ur-Afrika vor ca. 300 Millionen Jahren durch Hebungen, Senkungen und Erosion entstanden sind.

Gleichwohl erscheint dieses Bergland auch dem „normalen“ Wanderer als Paradies. Dieser Meinung war auf jeden Fall Jürgen Reinefeld, und die Schar, für die er „Eine Woche Wandern im Pfälzer Wald“ organisiert hatte, stimmt ihm dankbar und ohne Einschränkung zu.

Der Drachenfels ist erklommen
Foto: Jürgen Reinefeld/Helmut Hielscher

Vom 4. bis 11. September 2016 war „Die kleine Blume“ in Erfweiler das Domizil der Skigruppe und an jedem Tag pünktlich um 9:15 Uhr der Startpunkt für eine ausgedehnte, an Höhenmetern reiche Wanderung. Zwölf „Premiumwege“ empfiehlt das Dahner Felsenland seinen Besuchern; vier davon können wir abhaken: Die „Hahnfels-Tour“, den „Napoleon-Steig“, den „Dahner Felsenpfad“ und den „Bären-Steig“. Als „Reinefeld-Premiumwege“ wurden uns dann noch ein Besuch der wunderschönen Stadt Wissembourg mit anschließender Eroberung von 4 Burganlagen und schließlich eine Wanderung rund um den wohl bekanntesten Felsen des Dahner Felsenlandes, den „Teufelstisch“, angeboten. Wir waren begeistert!

Schillerfelsen
Foto: Jürgen Reinefeld/Helmut Hielscher

Wir? Das sind 26 Personen (Jürgen und Karin eingeschlossen!), nämlich 20 Mitglieder der Skigruppe, 4 Mitglieder der Wandergruppe und ein befreundetes Ehepaar aus Berlin. Der Steckbrief der Gruppe: Zwischen 57 und 81 Jahren alt, 155 bis 185 cm groß – Nein! Der Gewichtsbereich wird nicht genannt! – einige ausgerüstet mit Smartphones, GPS-Geräten, Wanderstöcken und künstlichen Hüften, alle gemeinsam aber mit der Lust für die Bewegung in der freien Natur, auch wenn Johannes*) es ihnen wirklich nicht leicht machte. Er bescherte ihnen jeden Morgen schon nach dem ersten Anstieg – und Anstiege gab es viele! – einen feuchten Rücken und das Bedürfnis, einen ersten Schluck aus dem mitgeführten Getränke-Reservoir zu nehmen. 12 bis 15 km Strecke, mindestens 400 Höhenmeter und viele Felsbesteigungen galt es jeden Tag zu bewältigen.

Teufelstisch
Foto: Jürgen Reinefeld/Helmut Hielscher

Aber es war herrlich! Die Wanderwege waren sehr gut ausgeschildert, der Wald schützte uns vor dem gleißenden Sonnenlicht und immer wieder neue Felsengebilde ließen keine Langeweile aufkommen, wurden für die Fotografen schon fast zu einer Behinderung beim Vorwärtskommen. Schade nur, dass bei den Felsen meist kein Hinweisschild den Namen des Felsens verriet. Den „Teufelstisch“ oder den „Ungeheuer-Fel- sen“, ja selbst den „Eisenbahn-Felsen“ konnte man ja auch so erkennen, aber bei einem „Schillerfelsen“ (er könnte auch „Goethe-Felsen“ heißen!) oder einem „Zimmerfels“ war das schon etwas schwieriger. Der Pfälzer Wald „ist voller Felsen“, und wir haben ganz sicher nicht viel weniger als 100 imponierende Exemplare erleben dürfen.

Wer nur all die phantasiereichen Namen erfunden hat? Ein „Hirsch-Felsen“, ein „Lämmer-Felsen“, ein „Schaf-Felsen“, ein „Drachen-Fels“ oder auch ein „Schlangen-Felsen“ klingen ja noch recht einfach, wer aber hat den „Elwetritsche Felsen“ erfunden? Nicht viel Phantasie war sicher bei der Namensgebung für zwei Felstürme, die ganz nahe beieinanderstehen, erforderlich; sie heißen „Braut und Bräutigam“.

Braut und Bräutigam
Foto: Jürgen Reinefeld/Helmut Hielscher

Zurück im Hotel, war meist genügend Zeit, noch vor dem Abendessen einen kleinen (Kaffee-) Schluck auf der Hotelterrasse einzunehmen, um schließlich dann am Abend das vielfältige Speisenangebot der Pfälzer zu studieren und zu genießen. Natürlich gab es auch Helmut Kohls Lieblingsspeise, den Saumagen, und der „Flammkuchen nach Elsässer Art“ fehlte selbstverständlich auch nicht! Der richtige Pfälzer Wein dazu? Ehrensache! Auch nach dem Essen sorgte dieser für die richtige Stimmung beim Plausch über das, was man heute erlebt hatte oder morgen laut Ankündigung von Jürgen erleben darf oder über das, was einem einfach so auf der Seele liegt.

Eine Woche „Wandern im Pfälzer Wald“: Das war großartig, und entsprechend fiel auch der Dank aus, mit dem die Gruppe am letzten Abend das Ehepaar Reinefeld ehrte.

Alle freuen sich schon auf den Reinefeld-Vor- schlag für das Jahr 2018 und melden sich hiermit verbindlich an!

*) Johannes ist der Name des Hochs, das uns ständig Temperaturen um die und sogar über 30°C bescherte.

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V., 7. November 2016