Sektion Braunschweig
zweispaltig
Aus dem Mitteilungsblatt 4/2014
Skigruppe

Die Skigruppe als Höhen-Wandergruppe in der Schweiz

– Das Wallis, umgeben von 40 Viertausendern –

Rolf Bokel

Schon lange angedacht, dann war sie da: Die Lücke im Zeitplan der Skigruppe. Jürgen Reinefeld - Planer, Ausrichter und erfahrener Kenner des Wallis - hatte die Zeit vom 14.21.09.2014 gewählt. Gut so, denn Anreise und Rückreise fallen auf einen Sonntag, so dass es 6 Wandertage gibt. Die Teilnehmer kamen aus der Skigruppe sowie jeweils 2 Gäste aus Berlin und München und Gesine Fernau, die Leiterin der Wandergruppe des DAV BS. Die Reisenden kamen per PKW in Fahrgemeinschaften, mit Bahn und Postbus oder Flugzeug über Zürich. Pünktlich um 19:00 Uhr waren alle 26 Wanderer angekommen und im Quartier Hotel Alpenhof in Saas Almagell (1.673m) untergebracht.

Nach dem vorzüglichen 4-Gänge-Menü kommt dann die Neugierde auf: Wann und wie geht es am nächsten Tag los? Jürgen erläutert ausführlich den kommenden Tag.

Blick auf die Mischabelgruppe
Blick auf die Mischabelgruppe
Foto: Jürgen Reinefeld

Montag, 15.09.14

Von nun an treffen wir uns täglich um 9:00 Uhr vor dem Hotel und pünktlich geht es zur Ortsmitte, wo noch ein kleiner Einkauf im Supermarkt oder der Einkauf einer Wanderkarte im Tourist-Büro erledigt werden. Jürgen schreitet voran; zielsicher geht es gleich bergan Richtung Almagelleralp, insgesamt sind es 22 Wanderer. Das Wetter ist hervorragend, immer mehr setzt sich die Sonne durch, Zick-Zack- Wege erleichtern den steilen Anstieg. Fotografieren ist fast ein Muss. Dadurch ergibt sich ein guter Nebeneffekt: Die unendliche Schlange der Wanderer teilt sich auf in Einzelgruppen.

Wir genießen die Arven- und Lärchenwälder und den Höhengewinn. Zwischendurch Trinkpause mit Eichhörnchen im schwarzen Fellkleid zum Greifen nahe. Dann ein Blick gen Westen, die Mischabelgruppe, von der Sonne großartig angestrahlt: Allalinhorn, Alphubel, Täschhorn und der - „König“ des Saas-Tales - Dom (4.545m). Bald ist die Hütte erreicht; ein langer Weg oberhalb der Baumgruppe liegt vor uns. Nun steigen wir stetig bergan und umrunden einen, dem Weissmies vorgelagerten riesigen Bergpfeiler, bis wir schließlich den Kreuzboden (2405 m) erreichen. Was für eine Freude: Die Abfahrt mit der Gondelbahn ist gesichert. Kurze KaffeePause und dann geht es abwärts ins Tal, wo uns der Bus dann nach Saas Almagell bringt, so dass wir das Hotel um 17:00 erreichen. Was für ein eindrucksvoller Wandertag liegt hinter uns.

Dienstag, 16.09.14

Der Tag beginnt wie zuvor, jedoch leichter Anstieg auf dem Promenadenweg nach Saas Fee, das sich als schön gegliedertes Dorf auf einem Sonnen-Plateau darstellt. Wir queren in der Ortsmitte und erreichen am Ortsrand die Gondelbahn zum Hannig auf 2350 m. Nun beginnt der Anstieg: Steinböcke und Gämsen zeigen sich auf Distanz und werden einfach per Tele-Objektiv herangeholt. Es wird steiler und anstrengender, der Mällig mit 2700m ist bald erreicht, noch ein kleiner Hügel von 60 m, dann geht es bergab. Danach - wie angekündigt - folgt ein heftig steiler Abstieg. Er nimmt gefühlt kein Ende, da die Felsbrockentreppenstufen immer riesiger werden. Nach mehr als einer Stunde ist es geschafb , schachmatt. Pause, Trinken, Pause und bald münden wir in den Höhenweg Grächen-Saas Fee über den sagenumwobenen Sengboden und die Bärenfalle. Danach folgt ein flacher Abstieg über Wald- und Wiesenhänge. Bald ist Saas Fee erreicht und von dort geht es über den Promenadenweg nach Saas Almagell. Endlich: Sauna, Ruhe, Abendmenü. Ganz ehrlich: Das war eine riesige Anstrengung; immerhin 658 m Aufstieg, 1100 m Abstieg und 17 km Wandern.
Die alternative kleine Gruppe besuchte per PKW und Bahn das Nachbardorf Zermatt mit seinen Besonderheiten wie Gornergratbahn, das Matterhorn fast zum Anfassen, aber auch Kuchen und Kaffee.

Vor Viertausendern
Vor Viertausendern
Foto: Helmut Hielscher

Mittwoch, 17.09.14

Heute sind Bus, Luftseilbahn, Wandern, Gondelbahn und wieder Bus angesagt. Das Wetter ist o.k., mit dem Bus geht es talabwärts nach Stalden und weiter mit der Luftseilbahn, über Staldenried. Dort überqueren wir die Sonnenstube des Wallis, das niederschlagärmste Gebiet der Schweiz. Bei 1893 m ist das autofreie Bergdorf Gspon erreicht. Es bietet sich ein imposanter Blick auf Bietschhorn, Balfringruppe und Gletscher ringsum. Los geht es auf dem spektakulären Gsponer Höhenweg Richtung Kreuzboden auf 2405 m. Aber halt, die Ottmar Hitzfeld Arena, Europas höchster Fußballplatz liegt gleich hier! Namensgeber ist der erfolgreiche Coach der Schweizer Nationalmannschaft. Bald erreichen wir grüne Hänge mit kleinen Holzhäusern und dann die höchsten Arvenwälder der Alpen mit Füchsen, Eichhörnchen, Hirschen, Rehen, Gämsen, Adlern, Steinböcken, Murmeltieren und mehr, mal sehen.... Grandiose Landschaft mit Mischabelgruppe, Dom und Gletscher, in der Ferne Mattmarksee mit Staudamm ohne Mauerwerk und Beton. Wandern, wandern leicht bergan. Nach einer Trinkpause folgt das Studium der Wanderkarte zur Kontrolle, und wir erreichen eine Lichtung mit Schilderwald. Die Uhr zeigt, dass die letzte Gondelbahn nicht zu erreichen ist. Neue Richtung: Ab nun leicht aber zügig bergab bei sonnig warmem Wetter. Irgendwann ist Saas Grund in Sicht, aber etliche Höhendifferenzen liegen noch vor uns. Ein herrlicher Tag, aber nicht ohne Anstrengung geht es mehr als 700 m bergab und nach 15 km Strecke steht der Bus vor uns.

Donnerstag, 18.09.14

Wir starten auf dem nun schon bekannten Promenadenweg nach Saas Fee, Einbiegung auf den Dorfrundweg mit Blick auf Gletscher mit Mischabel-Gruppe vor uns. Der Dom blickt auf der anderen Seite majestätisch auf das Matterhorn herab, immerhin mit 77 m Höhendifferenz. Die Britaniahütte thront links über uns, riesige Felspfeiler versperren die Sicht. Eine Kneipp-Hydrotherapie-Anlage liegt vor uns, vielleicht nutzen wir die später! Der kleine Gletschersee am Wegesrand strahlt Frische aus. Der Anstieg zwischen ehemaligem Gletscher und Lärchenwald beginnt, weiter auf Zick-Zack-Weg Richtung Gondelbahn-Bergstati- on Hannig. Gämsen und vereinzelt Steinböcke begleiten uns. Die Mittagspause am windgeschützten Steilhang kann beginnen. Ein Steinbock erklimmt einen riesigen Felsbrocken und bringt sich in Position, das Fotografieren ein Muss. Eine Schafherde mit mehr als 40 Tieren kommt klingelnd angestapft, vom Hirten keine Spur. Der Leithammel findet allein grüne Futterhänge und Wege. Bald ist die Seilbahnstation erreicht. Kaffee und Kuchen in großer Auswahl kann genossen werden. Überfütterte Murmeltiere im nahen Camp warten auf Bewunderer und Fotografen. Abwärts geht es nach Saas Fee. Es folgt die Aufteilung in Grüppchen, entweder Dorfhummel, Promenadenweg oder Kapellenweg. Letzterer abwärts aber in Kultur: 14 Kapellchen am steilen Wegesrand. Heute gibt es mal eine frühe Ruhepause im Hotel, aber wir haben ja auch Urlaub.

Freitag, 19.09.14

Nur ein Kurzeinkauf und los geht es. Schwach scheint die Sonne durch die Wolken, der Arven- und Lärchenwald ruft, mittelsteiler Weg, Schritt für Schritt geht es Richtung Osten in das Furgg-Hochtal. Der Baumbestand wird lichter, ab und zu Eichhörnchen in Sicht und hochstielige Blumen (roter bzw. ungarischer Enzian) blühen am Wegesrand. Wir stapfen weiter; nun kommt etwas Fremdes von oben, ja der Regen: Regenzeug anlegen, ausziehen, anlegen. Es wird heftiger. Die allgemeine Meinung zum Umkehren setzt sich durch. Talwärts erreichen wir eine Brücke zum Queren des Gebirgsbaches. Bald sind wir an zwei Alphütten angelangt. Nach der Pause im Schutz dieser Hütten ist der Regen passé. Furggstalden liegt vor uns und die Trennung in drei Gruppen. Gruppe 1 geht über den Erlebnisweg mit anschließendem Abstieg nach Saas Almagell. Gruppe 2 labt sich an Kaffee und Kuchen und folgt Gruppe 1. Gruppe 3 genießt Kaffee und Kuchen im Restaurantgarten, herrliche Aussichten auf viele Viertausender und die schließlich eine gemütliche Abfahrt mit der Sesselbahn nahezu bis vor das Hotel.

Samstag, 20.09.14

Letzter Urlaubstag, mehrere Gruppen bilden sich: Hauptgruppe am Bach bis Campingplatz Saas Grund, Aufstieg über den Kapellenweg nach Saas Fee. Anschließend Rundwanderweg mit Kneippbad, jetzt aber mit ausgiebiger Nutzung. Zweite Gruppe zum Mattmarksee und Monte Moro Pass, mit Sicht auf die Monte Rosa Ostwand, die gewaltig 1500 m fast senkrecht abfällt, ein grandioser Anblick. Die dritte Gruppe muss den Erlebnisweg noch erkunden. Mit der Sesselbahn nach Furggstalden, Anstieg zum Weg, gefolgt von einem extremen Anstieg auf Naturstein-, Moniereisen- und Riffelblechstufen (Schwindelfreiheit erforderlich), totale Seilsicherung über nahezu 20 m, dann der Einstieg für max. 3 Personen auf die Seilbrücke, leicht schwankend, in Ruhe ungefährlich passierbar, komplette Seilsicherung an den Flanken beruhigen. Wunderschöne Aussichten mit 170 Grad Blickwinkel, sowohl in der Waagerechten als auch in der Senkrechten. Unser Hotel liegt direkt unter uns. Der Speicherplatz in der Kamera nimmt rapide ab. Nach kurzer Strecke die Wiederholung: Die zweite Brücke, nur etwas kürzer. Nach solch einem Erlebnis ist der Abstieg eine Kleinigkeit. Im Sonnenschein erreichen wir unseren Hotelgarten und lassen beim Kaffee den Urlaub ausklingen.

Beim Treffen am Abend bedankt sich der Skigruppenleiter Helmut Hielscher auch im Namen der Gruppe bei den Inhabern des Alpenhofs für die sehr gute Unterbringung und Bewirtung. Ein besonderer Dank gilt dem Koch für die erstklassige Zubereitung und optische Darreichung des 4-Gänge-Abendmenüs. Gesine Fernau dankt der Skigruppe für die Einladung zu dieser Fahrt. Helmut weiter: Herzlichen Dank an Jürgen und Karin, die diesen Wallis-Urlaub mit so viel Liebe geplant, organisiert und geführt haben. Für alle unvergesslich! Diesem Dank schließe ich mich gerne an!

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V., 16. November 2014