Sektion Braunschweig
zweispaltig
Aus dem Mitteilungsblatt 2/2011
Skigruppe

Grenzenlose Freiheit

die Skigruppe im winterlichen Osterzgebirge

Gisela Rieger, DAV Sektion Hannover

Dieses Jahr ging unsere Fahrt ins Osterzgebirge, in die weiträumige, unverbaute Bergwelt, die zwischen 600 und 900m hoch liegt. Dort findet sich ein ideales Skilanglaufgebiet beiderseits der deutsch-tschechischen Grenze.

Am Sonntag dem 6. Februar gingen 13 Braunschweiger und 2 Hannoveranerinnen auf Tour. Alle trafen pünktlich in Neuhermsdorf ein. Dieser Ort befindet sich ca. 40 km von Dresden entfernt. Unsere Bleibe für eine Woche war das Landhotel Altes Zollhaus – unmittelbar am Skiloipennetz gelegen.

Das Hotel ist ein Haus mit einer über 650-jährigen Geschichte. Schon 1343 ist in Hermsdorf eine Zolleinnahmestelle nachweisbar. Doch 1885 wurde mit der Grenze die Zolleinnahmestelle nach Moldava verlegt und das Zollhaus wurde zum Gasthaus. Unter dem ehemaligen Zoll-Lager befindet sich noch heute die Gaststube mit einem eindrucksvollen Kreuzgewölbe aus Ziegelmauerwerk. Hier erwartete uns abends zum gemeinsamen Essen immer ein festlich gedeckter Tisch. Serviert wurde in mittelalterlicher Tracht.

Der erste Morgen begann – wie alsdann jeder Morgen – am Skisportzentrum des ehemaligen Bahnhofs Hermsdorf-Rehefeld mit Skigymnastik. Perfekt schaffte es unsere Vorturnerin Ingrid, unsere steifen Knochen in Bewegung zu bringen. Danach freuten wir uns – meistens bei Sonnenschein –auf das Skilaufen.

Wo ist denn der Schnee?
Wo ist denn der Schnee?
Foto: Walter Sprenger

Die erste Tour führte uns am Montag den 7. Februar . zum Nachbarort Holzhau – zur Freude aller Langläufer ging es zunächst bergab. Für den Rückweg wechselten wir über die Grenze nach Tschechien. Die Loipenspur führte nun an einem idyllisch gelegenen Bach entlang. Was so fantastisch anfing, endete im Schneemangel: Die ohnehin schon dünne Schneedecke schmolz in der Mittagssonne einfach dahin! Das hieß für die meisten von uns: Skibretter abschnallen - aus Skilaufen wurde Wandern. Einige Unentwegte ließen allerdings ihre Skier an und nutzten jeden Schneeflecken am Wegesrand, um noch voranzugleiten. Unser Ausflug wurde zu einer Entdeckertour, die Kondition und Kraft erforderte. An verlassenen trostlosen Gebäuden vorbei erreichten wir die Höhe von der Ortschaft Moldava. Ein riesiges, verschneites Hochplateau empfing uns mit großartigen Panoramablicken auf die tschechische Bergwelt. Allerdings ließ die Schneehöhe auch hier zu wünschen übrig; nur auf einzelnen Schneeflecken war freies Fahren möglich. Etwas orientierungslos suchten wir, mal bergauf und mal bergab, den Grenzübergang zurück. Zum Glück hatten wir Hermann bei uns! Sein GPS führte uns schließlich über einen Bach sicher zum Bahnhofsrestaurant zurück. Mit Kaffee und Rechenberger Bier endete dieser erlebnisreiche Ausflug.

Eine – etwas mühsamere – Skitour ging in das landschaftlich reizvolle Gimmlitztal. Teils auf dem Schlüsselweg, teils über die verschneiten Wiesen erreichten wir die Weicheltmühle, ein historisches technisches Denkmal, das jetzt als Restaurant genutzt wird.

An den nächsten Tagen eroberten wir das schneesichere Loipengebiet rund um den Kahleberg (900 m). Unsere Anstrengungen wurden mit traumhaften Ausblicken auf die märchenhafte, weiße Winterwelt belohnt.

Problemloser Grenzübergang
Problemloser Grenzübergang
Foto: Helmut Hielscher

Es folgte am Freitag dem 11.Februar . ein Tag ohne Ski. Unser Kulturchef Walter machte den Vorschlag, mit den Autos nach Teplice und zum Kloster Osek zu fahren. Die Bäderstadt Teplice liegt zwischen dem Böhmischen Mittelgebirge und dem Erzgebirge. Die Geschichte der Stadt reicht zurück bis in das Jahr 762. Sehenswert ist die Pestsäule aus dem Jahr 1717. Sie war eine Danksagung für die Abwendung der Pestepidemie im Jahre 1713. Über den Schlossplatz bummelten wir zum Hotel Prince de Ligne, wo wir gemeinsam zu Mittag köstlich tafelten. Bestens in Erinnerung bleiben dabei insbesondere die böhmischen Knödel und das tschechische Bier.

Nächstes Ziel war das Kloster Osek. Den Grundstein legten die Herren von Riesenburg, die im Jahre 1196 den Zisterzienserorden nach Osek riefen. Die Anlage zeigt Reste von romanisch-gotischen Stilelementen, die Kirche ist aber im barocken Stil. Seit 1995 ist das Kloster von der UNESCO zum Kulturdenkmal ernannt worden. Die große Klosterkirche, der Kapitelsaal und der Kreuzgang sind heute der Öffentlichkeit zugänglich. Seitdem ist das Interesse, dieses Juwel zu besichtigen, sehr groß und zwar sowohl für Wallfahrer als auch für kunsthistorisch Interessierte.

Am letzten Urlaubstag am Samstag dem12.Februar . führte uns unsere Strecke bei strahlendem Sonnenschein zum Ausflugsziel Torfhaus (nein, kein Abstecher in den Harz!). In den gut gespurten Loipen war das Skilaufen in der frischen Bergluft noch einmal ein Genuss. Danach lockte uns die Gaststube in Torfhaus mit einem Ofen aus Meissner Zierkacheln zum Aufwärmen. Wir traten nachmittags unseren Rückweg Richtung Bahnhof Rehefeld an. Etwas erschöpft vom anstrengenden Weg erreichten wir wieder zufrieden unser Altes Zollhaus.

Wieder zu Hause bleiben uns die Erinnerungen an eine harmonische, erlebnisreiche Skiwoche. Ein besonderes Dankeschön gilt Helmut für die perfekte Organisation und allen, die mit ihrer Hilfe zur Verfügung standen, wann immer sie benötigt wurde.

Glück auf!

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V., 21. Mai 2011