Sektion Braunschweig
zweispaltig
Aus dem Mitteilungsblatt 4/2010
Skigruppe

Skigruppe unterwegs mit "Fischer-Tours"

Auf dem Spree-Radweg von der Quelle nach Berlin

Astrid Oberthür und Wilhelm Meister

Der Spree-Radweg ist ein großes Vergnügen für Pedalisten. Landschaftlich und kulturell gibt es am Ufer der Spree viel zu entdecken und zu erleben. Darin sind sich die 17 Teilnehmer der Skigruppe nach ihrer Fahrradreise einig, die Hermann Fischer und Ingrid Eggers unter dem Markenzeichen „Fischer-Tours“ in diesem Sommer organisierten – wie immer als Rundum-Sorglos-Paket mit schönen Überraschungen! Am 28. August geht’s los. Acht Tage werden wir auf der 420 Kilometer langen Strecke unterwegs sein: Von den Quellen der Spree in Ebersbach bis nach Berlin. Auf herrlichen Radwegen, meistens abseits der Straßen und oft direkt am Fluss entlang. Angenehme Tagesetappen von 50 bis 75 Kilometern liegen vor uns mit Übernachtungen in Bautzen, Spremberg, Burg, Werder, Fürstenwalde und Berlin-Köpenick (Ziel).

1. Tag: Anreise nach Ebersbach und kleiner „Ausritt“ zu zwei der drei Spreequellen

Sehr komfortabel bringt uns der SAUSEWIND- Reisebus mit Fahrradanhänger in sechs Stunden nach Ebersbach. Die Sonne scheint, und unterwegs von Hermann Fischer die frohe Botschaft: „Der Spree-Radweg ist trotz des Hochwassers schon wieder durchgängig ohne Umwege passierbar“. Unser Hotel „Felsenmühle“ im lieblichen Oberlausitzer Bergland ist ein ehemaliges Ferienheim mit DDR-Charme. Die erste Bergprüfung im Sattel, um es zu erreichen, wird mit einem herrlichen Blick nach Tschechien belohnt. Abstecher zu zwei von drei Spreequellen und zu weiteren Sehenswürdigkeiten von Ebersbach per Velo müssen noch sein. Heftige Regenschauer treiben uns jedoch wieder zurück ins Hotel.

2. Tag : Ebersbach – Bautzen 50 km

Folgen des Hochwassers
Folgen des Hochwassers
Foto: E. Fay

Das Auf und Ab der traumhaft schönen Landschaft fordert unsere fahrtechnische Aufmerksamkeit: Rechtzeitig vor jeder Steigung in den richtigen Gang zu schalten, ist manchmal schwierig. Außerdem plätschert nicht nur die Spree: Petrus inszeniert mehrfach einen Regenzeug-Wechsel-Wettbewerb. Was die Stimmung aber keinesfalls trübt, denn die Gruppe ist perfekt ausgerüstet. Die Spuren des Hochwassers, das noch vor kurzer Zeit das Befahren unserer Wege völlig unmöglich gemacht hätte, sind deutlich zu sehen. Plötzlich eine völlig zerstörte Straße. Starke Arme sind gefragt. Räder und Gepäck müssen einige Meter über den Schutt getragen werden. Kein Problem für die routinierte Gruppe. Unzähliges Treibgut bis in die Wipfel der Bäume zeigen uns, welche Wassergewalt hier noch vor kurzer Zeit gewütet hat. Dankbar radeln wir weiter.

In Neusalza-Spremberg besichtigen wir das älteste Umgebindehaus der Oberlausitz, 1660 erbaut. „Schiene wilkumm“ werden wir auf Sorbisch in dem Baudenkmal und Heimatmuseum begrüßt. Die sorbische Sprache begleitet uns seit unserer Ankunft in der Lausitz auch auf allen Ortsschildern. Aber was ist nun eigentlich ein Umgebindehaus? Hauptkennzeichen ist ein hölzernes Stützensystem mit Rundbögen, dass auf zwei oder drei Seiten um eine Block- oder Bohlenstube des Hauses herumgeführt wird. Es hat die Aufgabe, die von den Webstühlen in der Blockstube ausgehenden Schwingungen von der Dachkonstruktion fernzuhalten. Diese charakteristischen Häuser begleiten uns auf unserer Reise.

„Witajce knam!“ (Herzlich Willkommen). Sorbische Wirtin empfängt uns mit Brot und Salz
„Witajce knam!“ (Herzlich Willkommen). Sorbische Wirtin empfängt uns mit Brot und Salz
Foto: W. Sprenger

In Bautzen angekommen, beeindruckt uns die restaurierte historische Innenstadt mit ihren mittelalterlichen Türmen und Toren. Die Pflege der sorbischen Sprache, Kultur und Kochkunst vermittelt uns am Abend mit großem Charme die Wirtin des „Wjelbik“. Das typisch sorbische Restaurant führt sie gemeinsam mit Mann, Tochter und Schwiegersohn, wie auch das Hotel, in dem wir übernachten. Ein toller Abend mit herzlicher Gastfreundschaft!

3. Tag: Bautzen – Spremberg 60 km

Die Spree ist inzwischen so breit wie die Oker in Braunschweig und fließt schnell. Bergab und in der Ebene angekommen werden auch wir schneller. Auf fünf Kilometern zählen wir mal eben 20 große Teiche zusammen. Fischwirtschaft ist hier angesagt. Reiche Beute für einen Fischadler, der über dem Wasser kreist. Wir radeln am westlichen Ufer des Bärwalder Sees, in großem Abstand das unübersehbare Großkraftwerk Boxberg. Langsam mehren sich die Zeitzeugen der ehemaligen Braunkohle-Abbaugebiete. Auf einem eigens ausgeschilderten Radweg, Niederlausitzer Bergbautour, rund um das „Kraftwerk Schwarze Pumpe“ kann die Renaturierung der Industrielandschaft und Umwandlung in ein seenreiches Naherholungsgebiet verfolgt werden. Unser Tagesziel Spremberg erreichen wir heute ohne Regen. Ein hübsches Städtchen mit restaurierter Altstadt, die auf einer Schwemmsandinsel zwischen zwei Spreearmen liegt.

4. Tag: Spremberg – Burg 70 km

Gute Stimmung kurz vor dem Start

Wunderschön ist die Wegstrecke direkt an der Spree bis zur Talsperre Spremberg. Entlang des großen Stausees denken wir daran, dass diese Talsperre bei dem Hochwasser Anfang August Schlimmeres verhindert hat. Nach rund 30 Kilometern erreichen wir Cottbus, die zweitgrößte Stadt Brandenburgs. Sie wurde nach dem zweiten Weltkrieg Mittelpunkt der Braunkohlereviere der Niederlausitz. Eigentlich soll uns der Spree- Radweg nun zu dem riesigen Teichgebiet bei Peitz führen. Da aber immer wieder schwarze Wolken am Himmel drohen, kürzen wir ab, fahren durch den Stadtteil „Brunschwig“ westwärts und folgen der Ausschilderung „Gurkenradweg“. Ein heftiger Regenschauer während einer Kaffeepause in Sielow zeigt uns, wie klug wir gehandelt haben. Statt Flusslauf begleiten uns nun große Gurkenfelder. Am Abend genießen wir die Spreewälder Spezialität als köstliche Gurkensuppe, leckeres Gemüse oder „Schnellgurke“. Unser Hotel und Restaurant „Kräutermühle“ in Burg hat eine gute Küche und ist gemütlich. Prima, dass Fischer-Tours hier zwei Nächte gebucht hat!

5. Tag: Burg – Ausflug zur Slawenburg Raddusch und Kahnfahrt

Ohne großes Gepäck – ganz ungewohnt – starten wir morgens mit den Fahrrädern zur Slawenburg Raddusch. In der imposanten frühmittelalterlich-slawischen Wehranlage, die am ausgegrabenen Originalstandort nachgebaut wurde, befindet sich eine der modernsten Archäologie-Ausstellungen Deutschlands. Hier tauchen wir ein in 12.000 Jahre Niederlausitzer Geschichte und besichtigen Funde und Ergebnisse, die in vielen Jahrzehnten von den Braunkohlebaggern ausgegraben wurden. Wir sind stark beeindruckt! Rund 40 Fahrradkilometer kommen an diesem Vormittag zusammen.

Am Nachmittag gönnen wir uns den traditionellen Höhepunkt: Im Spreewaldkahn werden wir nur mit Muskelkraft durch das einzigartige Wasserlabyrinth der Spree gestakt. Drei Stunden dauert die Fahrt durch einen kleinen Teil des über 1.000 Kilometer langen Wasserwegenetzes, das mit rund 100 Schleusen reguliert wird. Hermann Fischer stellt auch hier sein Allround-Talent unter Beweis – souverän übernimmt er für unseren Kahn den Job des Schleusenwärters.

6. Tag: Burg – Werder 75 km

Spreeradweg; rechts und links die Spree
Spreeradweg; rechts und links die Spree
Foto: W. Sprenger

Wir staunen über die vielen Nebenarme der Spree, die so genannten Fließe mit ihren unzähligen Brücken, die wir heute mit dem Rad auch mal schiebend überwinden. Hinter Lübben verändert sich das Landschaftsbild. Die vielen kleinen verzweigten Wasserläufe finden wieder zu einer großen Spree zusammen. Die Landschaft wird weiter, Neuendorfer See und dichte Auenwälder wechseln sich ab. Natur pur im Biosphärenreservat Spreewald, fast immer ohne Autoverkehr und gute Radwege! Im winzigen Werder machen wir Quartier und genießen wieder Spreewälder Spezialitäten.

7. Tag: Werder – Fürstenwalde 60 km

Wir starten in einen herrlichen Morgen: Altweibersommer wie man ihn selten erlebt. Mal radeln wir links mal rechts der Spree. Dann übernimmt der Schwielochsee den Fluss. Wegen einer Straßensperrung überqueren wir die Spree mit einer Handseilfähre. In zwei Etappen zieht uns der Fährmann an dem Seil ans andere Ufer. Wir genießen diese unfreiwillige Pause im Sonnenschein. Man spürt, hier gehen die Uhren anders. Am Abend feiern wir im schmalsten Restaurant von Fürstenwalde den Abschluss der Reise. „Zunfthaus 383“ heißt die historische Gaststätte wegen der exakten Breite des Hauses von 383 Zentimetern. Mit dem lustigen Wirt und seinem selbst konstruierten Lastenaufzug, der lecker Speis und Trank in unsere Dachstube befördert, haben wir unseren Spaß.

8. und letzter Tag: Fürstenwalde – Berlin Köpenick 60 km

Morgens um 9 Uhr großes Hallo für unsere Skigruppenfreunde Regina und Manfred aus Berlin. Wir freuen uns sehr, dass uns die beiden auf unserer letzten Etappe begleiten. Die Sonne meint es gut! So fahren wir durch die einsamen Kiefern- und Auenwälder entlang der mäandernden Spree. Mit Erkner, der S-Bahn-Endstation im Osten, beginnt Berlin. Die Hauptstadt empfängt uns mit viel Grün. Wir radeln durch den Köpenicker Forst, mit herrlichem Blick auf den großen Müggelsee, nach Köpenick, dem Ziel unserer Reise. Auf der Insel zwischen Spree und Dahme lädt die restaurierte Köpenicker Altstadt zum Bummeln ein. Der größte Teil der Gruppe übernachtet hier und fährt am nächsten Tag mit der Bundesbahn nach Haus.

Ohne große Pannen und Blessuren haben alle Teilnehmer diesen erlebnisreichen Radel-Urlaub genossen. Ein ganz herzliches Dankeschön an Hermann Fischer und Ingrid Eggers für ihre enorme Mühe und perfekte Organisation.

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V., 20. November 2010