Sektion Braunschweig
zweispaltig
Aus dem Mitteilungsblatt 4/2009
Skigruppe

Skigruppenwanderung in Telves di Sopra

Vom 6. bis 13. September 2009

Tag 1:

Das Hotel Tonnerhof, oberhalb von Sterzing (Süd-Tirol), mit Hanglage und fantastischem Fernblick über das schöne Ridnauntal, übertraf unsere Erwartungen. Nach individueller Anreise kam der Griff in den Zimmerschlüsselkasten - mit mehr oder weniger Zustimmung für Lage und Zimmergröße. Eine gute Wahl von Undine und Frank Roscher, die diese Wanderwoche organisierten. Beide wurden am Abend mit lautem "Hallo" begrüßt und stimmten uns auf die erste Wanderung für den nächsten Morgen ein.

Tag 2:

Blick auf Obertelfes
Blick auf Obertelfes
Foto: Jürgen Reinefeld

Nach einem sehr guten Frühstück starteten wir um 10 Uhr zur Talstation der Roßkopfbahn. Mit der Seilbahn ging es hinauf zur Bergstation, 1850m. Gemeinsam machten wir uns an den Aufstieg zum Rosskopf, 2589m. Das ganze Panorama vor Augen, nahm eine Bergfreundschaft seinen Anfang. Nach einer kleinen Pause, die zur Erholung und zu Erinnerungsfotos mit Gipfelkreuz genutzt wurde, trennte sich die Gruppe. Die Alpinisten begaben sich auf den beschwerlichen Weg über den Grat entlang, Richtung Telfer Weissen, bis zur Ochsenscharte mit Abstieg zur Ochsenalm, 1907m. Der Rest machte sich an den Abstieg zur Bergstation und auf den Ridnauner Höhenweg, ebenfalls zur Ochsenalm. Hier zeigten uns der Almwirt und seine Tochter mit Kraft und Geschicklichkeit das Peitschenknallen.

Nach einer längeren Pause, frisch gestärkt mit allem, was eine Almhütte zu bieten hat, ging es über die so genannten Atscherwiesen bis hin zum Anwesen Freud und weiter nach Obertelfes. Beim gemeinsamen Abendessen mit Wein aus der Region, Bier, aber auch Quellwasser, nahm dieser für einige doch anstrengende Tag - mit einem Dankeschön für die Führung und Betreuung an Undine und Frank Roscher - sein Ende.

Tag 3:

Heute soll es schon um 9 Uhr auf die nächste Tour gehen ("Einlauftour"). Also raus aus den Federn, frühstücken, Rucksack packen und Fahrgemeinschaften bilden. Gemeinsame Fahrt zum Jaufenpass. Nach den vielen Spitzkehren genossen alle die ersten Schritte auf sicheren Forstwegen unterhalb des Passes. Weiter geht es leicht bergauf über die Rinneralm zum Rinnersattel, 2031m. Die Einlauftour-Gruppe geht weiter bis zur Flecknerhütte, 2100m, wie versprochen. Der Rest hinauf zum Fleckner, 2331m, mit Sicht ins Passeiertal in Richtung Meran für das obligatorische Gipfelkreuzfoto. Anschließend Abstieg zur Flecknerhütte, zum Treffpunkt der Skigruppe. Hier das übliche Ritual: Trinken, essen und die Aussicht und Sonne genießen. Gemeinsam über Almwiesen an versumpften Wasserfallseen, störrischen Rindern und frei laufenden Schweinen zurück zum Parkplatz. Wieder all die Kehren, diesmal abwärts. Im Hotel wurden wir mit einem leckeren Menü belohnt. Anschließend in lockerer Runde klönen, Gedankenaustausch über Erlebtes und Aussichten auf Neues, beschließen wir den Tag.

Tag 4:

„Auf in die Gilfenklamm“ heißt es heute. Gleich am Eingang des Ratschingstals liegt die Gilfenklamm, ein großartiges Naturschauspiel. Wie angewurzelt bleibt man auf der Aussichtsbrücke stehen, die in schwindelnder Höhe den Abgrund überquert. Der Blick fällt in eine unheimlich tiefe, nur wenige Meter breite, mit überhängenden Felsen bedrohlich wirkende Schlucht, in der ein 15m hoher Wasserfall sprüht und donnert. Über Brücken und steile Stufen geht es aufwärts. Mit großer Wucht stürzen die Wassermassen hinunter und geben dabei dem blanken Marmor seinen glänzenden Schliff. Unten schießt das Wasser, eine querstehende Felsrippe durchbohrend, aus einem engen Felsloch heraus. Naturgewalt und Schönheit verbinden sich hier in faszinierender Weise. Noch einmal geht es durch eine schmale, hoch aufragende, sich oben fast schließende Felskluft hindurch. Überwältigt von den vielen schönen Eindrücken erreichen wir den Ausgang der Klamm.

Über Almwiesen geht es nun zurück zu den Fahrzeugen. Unterwegs beobachten wir Wespennester, die an einer Steinmauer haften. Einer Wespe, die wohl Wache hielt, kam Helmut Hielscher zu nahe, so dass sie ihn attackierte und in die Lippe stach. Hermann Fischer war in der Nähe und verhinderte mit einem Spray ein Anschwellen. Auf dem Weg zurück zum Hotel luden uns Undine und Frank Roscher in ihre Ferienwohnung nach Untertelfes ein. Eine Wohnung in einer Anlage hoch über dem Ridnauntal mit herrlichem Weitblick. Ein Gläschen Grappa rundete diesen Besuch ab. Was für ein Abschluss für Teil 1 des 4. Tages.

Um 14.30 Uhr sind wir zur Stadtbesichtigung von Sterzing verabredet. Ein Glücksfall für uns war der Stadtführer. Man merkte, dass es ihm ein echtes Anliegen war, uns "seine" alte, historische Fuggerstadt näher zu bringen.

Wir trafen uns an der Pfarrkirche Maria im Moos, die innen liebevoll restauriert war. Den kunstvollen Altar schuf der Ulmer Meister Hans Multscher. Die wunderschönen Fresken stammen von Adam Möldh. Im Rathaus der Stadt konnten wir u. a. den Kronleuchter mit der Darstellung des Lusterweibchens Lucretia, sitzend auf Steinbockhörnern und mit der rechten Hand den Dolch gegen ihre Brust richtend, bewundern. Im Lichthof befindet sich der Mithrasstein, auf dem der persische Lichtgott Mithras beim Töten eines Stiers dargestellt ist. Zum Schluss die Spitalkirche zum Heiligen Geist. Der gotische Hauptraum mit seinen Fresken, vom Meister Hans v. Brunneck gemalt, ist ein einziges Gemälde. Fehlen durften natürlich nicht die Alt- und Neustadt.

Rast
Rast
Foto: Jürgen Reinefeld

Nach Rückkehr ins Hotel ist es uns gelungen, unter größter Geheimhaltung, in der Suite von Bernd und Robert ein Geburtstagsständchen unter der Leitung von Doris v. Gramatzki einzustudieren. Ein weiterer Höhepunkt des heutigen Tages war der Tiroler Abend im Hotel mit Tiroler Schmankerl, Musik und Tanz. Es ist überflüssig zu erwähnen, dass die Abende im Hotel relativ kurz waren, damit wieder Kraft für den nächsten Tag getankt werden konnte.

Tag 5:

Brigitte Kähler-Bock hat heute Geburtstag. Wir gratulieren mit dem gestern einstudierten Ständchen "Schön, dass Du geboren bist". Von den Männern der Skigruppe wurde je ein Zweig der Eberesche, welche zu dieser Jahreszeit rote Beeren trägt, überreicht. Die Überraschung war gelungen und die Freude bei Brigitte groß.

Nach dem Frühstück auf ins Pfitschertal. Ein Aufstieg zur Europahütte, 2700m, stand auf der Tagesordnung. 1200 Höhenmeter gerade nach oben und zurück waren zu bewältigen. Neun Skigruppenmitglieder haben Undine begleitet. Auf der Hütte angekommen stand uns eine angemessene Pause zu. Nudel- oder Gerstensuppe mit Knödel, dazu ein Becher Tee mit Rum (Geheimtipp von Helmut Kähler) gaben uns Kraft für den Abstieg. Der Rest der Gruppe ist zum Ende des Tales gefahren, um zur Pfitscher Hütte zu wandern. Von dort aus auf den Landshuter Höhenweg, um dann 500 Höhenmeter abzusteigen, zurück zu den Fahrzeugen. Abends im Hotel ließ Brigitte Kähler-Bock es sich nicht nehmen, mit uns allen anzustoßen. Nochmals HAPPY BIRTHDAY!

Tag 6:

Nach nun fünf sonnigen Tagen sah es heute leider unbeständig aus. Man könnte den heutigen Tag auch "Pleiten, Pech und Pannen" nennen. Da das Ziel der heutigen Tour buchstäblich im Regen versank, hatten Undine und Frank Plan B zur Hand: Mit 5 PKW ging es zum Penser Joch. Ach herrje, nach Einfahrt ins Penser Tal war die Straße wegen Erneuerung der Fahrbahndecke geschlossen.

Plan C musste aus dem Ärmel geschüttelt werden. Wir fuhren ins Eisacktal nach Maria Trens und stiegen auf zur Simele Mahdalm - im Regen. Ein kleiner Hund sollte unser ständiger Begleiter werden. Natürlich nahm er an unserem Picknick teil. Mit Speck fängt man ja bekanntlich Mäuse. Ein Mitglied musste aus gesundheitlichen Gründen die Tour abbrechen, war aber am nächsten Tag wieder wohlauf.

Zurück zur Wanderung: Als die Sonne sich wieder zeigte, änderten wir die Tour, nahmen einen steilen, sehr schmalen Hangabstieg in Angriff und wanderten zurück zum Ausgangspunkt. Diesen Weg entdeckte Jürgen Reinefeld auf seiner Karte, mit der er sich auf jeder Wanderung intensiv beschäftigte. In Maria Trens angekommen, verabschiedeten wir uns von unserem vierbeinigen Begleiter, der, wie Anwohner uns erzählten, hier zu Hause war.

Blick vom Zinseler
Blick vom Zinseler
Foto: Jürgen Reinefeld

Ein Teil der Gruppe hat heute die Gelegenheit genutzt, ein Bergwerkmuseum zu besuchen oder einen Wellnesstag im Hotel einzulegen, mit Schwimmbad, Whirlpool und Sauna. Zu guter Letzt stellte Klaus v. Gramatzki am Abend fest, dass er seine Brille auf der Wanderung verloren hatte; höchstwahrscheinlich beim An- oder Ausziehen seiner Regenbekleidung. Dieses Missgeschick passte zu diesem "Pleiten-, Pech- und Pannen-Tag“. Nach dem gemeinsamen Abendessen traf man sich am riesigen Dessert-Büffet. Eine solche Vielfalt von Köstlichkeiten war kaum zu überbieten. Alle guten Vorsätze über Diäten waren Schnee von gestern. Einfach lecker. Unseren Dank an die Hotelküche.

Tag 7:

Die heutige Tour führt uns nochmal ins Pensertal. Die Straße ist wieder frei. Über Serpentinen geht es hinauf zum Penser Joch, dem Übergang nach Bozen. Unterhalb des Jochs geht es auf einem schmalen Weg aufwärts zum Zinseler Gipfel, 2422m. Die Dunstwolken aus dem Tal zogen vor uns her und verschwanden ganz, als wir das Gipfelkreuz erreichten. Mit einem herrlichen Rundumblick wurden wir für unsere Mühe belohnt. In der Ferne sahen wir die Geißler Spitzen herüberwinken. Nach Eintragung ins Gipfelbuch, Fototermin und kleiner Pause ging es zurück zum Penser Joch und weiter Richtung Penser Weißhorn auf einem Panoramaweg, der unterwegs zu einer größeren Rast einlud. Jede Pause geht einmal zu Ende, weiter geht’s. Aus der Ferne ein bayerischer Urschrei. Hermann Fischer und Ingrid Eggers kamen uns entgegen. Sie hatten es vorgezogen, diesen Panoramaweg zu gehen - ohne große Auf- und Abstiege. Gemeinsam ging es zum Parkplatz zurück. Auf der Rückfahrt zum Hotel kehrten wir auf Kaffee und Kuchen im Gasthof Egg ein. Für eine einzelne Dame gab es eine extra Schüssel mit frischen Kirschen zum Apfelkuchen. Es reichte für alle.

Der Abend gehörte natürlich Undine und Frank Roscher, die uns diese schönen Tage gestaltet hatten. Sie schafften es, mit unermüdlichem Einsatz und Können, uns Ihre dritte Heimat näher zu bringen. Helmut ließ es sich nicht nehmen, mit herzlichen Worten Dank zu sagen für diese tolle Leistung. Besonders in Anbetracht dessen, dass es für die beiden in der nächsten Woche schon auf eine Treckingtour nach Nepal geht. Das war der Anlass für die Auswahl einiger kleiner Geschenke, die sie auf dieser Reise begleiten sollen. Eine sturmerprobte Zeltlampe, dazu zwei Romane aus der und über die Region, und etwas "Geistiges" zum inneren Aufwärmen. Zu guter Letzt eine Urkunde, die sie offiziell als von der Skigruppe im DAV geprüfte und anerkannte Bergführer auszeichnet. Fast sprachlos vor Rührung nahmen Undine und Frank unsere Geschenke, unseren Dank und die besten Wünsche zum Gelingen der Treckingtour entgegen. Nun heißt es Abschied nehmen.

Tag 8:

Nach dem Frühstück geht es ans Koffer packen, Auto beladen, Hotelrechnung begleichen, verabschieden vom und durch das Hotelpersonal, den Freunden Tschüss sagen und ab geht es nach Hause.

Merle und Peter May

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V., 18. November 2009