Sektion Braunschweig
zweispaltig
Aus dem Mitteilungsblatt 2/2009
Skigruppe

Wenn der Winter die Landschaft verzaubert ...

Langlaufwoche im Bayerischen Wald

Richtig vollgespickt mit vielen Tourenzielen und Veranstaltungen sind die Terminkalender unserer Sektionsgruppen im Jubiläumsjahr 125 Jahre Alpenverein Braunschweig.

Auch unsere Skigruppe kann da gut mithalten. Besteht sie doch heuer auch bereits 60 Jahre.

Ob Brigitte und Helmut Kähler davon gewußt haben, als sie ihre Radtour durch den Bayerischen und Böhmerwald planten? Sicherlich nicht! Aber ihre Eindrücke dürften nachhaltig gewirkt haben, um daraus unsere Skigruppenfahrt nach Bayerisch-Eisenstein zu planen und das im tiefsten Winter.

Ja, diese beiden Nationalparks – Bayerischer Wald und Böhmerwald – haben etwas Gemeinsames, denn sie bilden zusammen die größte geschützte Natureinheit in Mitteleuropa. Geologisch sind sie ein etwa 1 Milliarde Jahre altes Gebirge und sogar viel älter als unsere geliebten Alpen.

Aber wir haben es nicht bereut, in Bayerisch-Eisenstein „unsere Zelte aufzuschlagen“. Leider mußten Doris und Jürgen und auch unsere Freunde aus dem Schwarzwald Sigrid und Hermann in letzter Minute absagen. Um so bemerkenswerter ist es, dass Elsbeth mit gebrochenem Arm angereist ist. Ich sage es vorweg: `Wer hätte auch sonst unsere Botengänge erledigt?

Es hat schon Tradition, wie vortrefflich unsere Skigruppenfahrten im Vorfeld geplant werden. Dies ist auch Brigitte und Helmut vorzüglich gelungen.

Unser Haus Sonneneck liegt direkt am Einstieg zur Bayernloipe und auch sonst genießen wir die vielen Annehmlichkeiten mit Frühstücksbuffet, Salatbar am Abend und auch nach dem Skitag Schwimmbad und Sauna.

Allerdings ticken die Uhren hier etwas anders … Briefmarken müssen bestellt werden, manchmal geht auch bei der Postbank ab 300 € nichts mehr… mußten wir doch alle in bar bezahlen!!

Ein neuer Wintereinbruch hatte sich schon vor unserer Anreise eingestellt; und wir waren mittendrin in diesem Schneeparadies.

Eine Winterlandschaft wie aus einem Bilderbuch, so mögen wohl Helmuts Eindrücke nach der Eingangstour gewesen sein. Eine „Wellblechtour“ hat er es genannt, malerisch, wie sich das Landschaftsbild der Hohenzollernloipe, mit der Regentalloipe durch das traditionsreiche Glasmacherdörfchen Seebachschleife bis nach Regenhütte vereinigt.

Wir schwärmen, die Sonne scheint, bayrische Schmankerl zur Brotzeit im Gasthof Regenhütte halten uns in Schwung.

Und weiter geht´s, bis wir wieder am Schnittpunkt Einstieg zur Hohenzollernloipe angelangt sind. Ein anstrengender Anstieg steht bevor bis wir wieder auf Niveau sind. Wo der Schuppenski, ob „superlight“ oder „doublecrown“ noch gut steigen, benötigt der Wachsski manchmal eine „Auffrischung“, je nach Schneetemperatur; dafür aber ist der „Wachsi“ in der Abfahrt unschlagbar: Da kann richtig Freude aufkommen! Doch wir halten zusammen und bei der Ausgeglichenheit unserer Gruppe finden wir immer wieder schnell zueinander.

Heute grüßt uns der Große Arber noch in schönstem Sonnenlicht, schnell werden entsprechende Fotos gemacht, denn der Berg ist launisch, ´mal zeigt er sich, um dann wieder hinter dichten Wolken zu verschwinden.

Nicht ganz so hoch, aber doch mächtig angewachsen durch den vielen Neuschnee der letzten Tage ist unser „Hausberg“ direkt vor der Tür. Wir hätten uns bequem auch einen Iglu bauen können und so einen neuen Maßstab für künftige Wintergruppenfahrten gelegt; wir wollen aber doch lieber nicht auf unsere Wellness-Oase verzichten. Gründe dafür gibt es genug!

Kann man es denn noch schöner haben, sich eventuell steigern; und dies schon am zweiten Tag? Ja , es geht! Aber man muß auch gewillt sein andere Maßstäbe dafür anzulegen. Tags zuvor gab´s noch eitel Sonnenschein, doch der angekündigte Schneefall hat sich wirklich in der Nacht pünktlich eingestellt.

Wo ist denn nur der Einstieg in die Loipe nach Brennes zum Langlaufzentrum Lohberg-Scheiben am Großen Arber????? Eine Markierung können wir nicht finden, kein Loipengerät hat richtungweisend eine Spur gelegt! Für uns Skilangläufer ein ganz besonderes Erlebnis. Wo zeigt sich die Natur sonst noch so unberührt!

Der Schnee liegt tiefgefallen, unsere schmalen Skilanglaufspitzen erkennt man nur als bunten Klecks, der immer ´mal wieder im lockeren Pulverschnee auftaucht. Selbst unsere verwöhnten Norwegenfahrer schwärmen und sind begeistert von dieser traumhaften Winterlandschaft.

Wenn es dann auch nicht die „Peer-Gynt-Hütte“ ist, die wir erreichen, sondern die Wärmehütte mit integriertem Wachsraum in Lohberg-Scheiben, so werden wir auch diese in lebendiger Erinnerung behalten…… Hier haben wir uns nicht nur aufgewärmt, unseren Hunger und Durst aus dem Rucksack gestillt, hier haben wir auch viel gelacht, dabei unsere Lach- und Bauchmuskeln gestärkt und sogar etwas zur „Länderverständigung“ beigesteuert!

Aber Ski gelaufen wird natürlich auch, denn wir müssen ja wieder auf demselben Weg, den wir hochgestiegen sind, zurück. Doch wir sind „tapfer“, geht´s doch jetzt bergab; denn auch Langlaufski sind mitunter sehr schnell, wenn ihnen freier Lauf gewährt wird …. . Was gibt es Schöneres, als den Tag so ausklingen zu lassen!

Wieder einmal hatte Schneefall über Nacht alles in eine mit Zuckerwatte verzauberte Landschaft getaucht.

Wir fahren heute von Bayerisch-Eisenstein mit den Autos zum Zwieseler Waldhaus und starten von hier unsere Tour über die tschechische Grenze nach Zelezna Ruda (Markt Eisenstein).

Wir starten durch
Wir starten durch
Foto: Helmut Kähler

Es hat schon vor über 4oo Jahren eine Verbindung über den Säumersteig gegeben, der seit uralten Zeiten das bayrische Zwiesel über Waldhaus mit Böhmen verband. Es wurde über Handelskarawanen z. B. Salz nach Böhmen und in umgekehrter Richtung Hopfen nach Bayern transportiert.

Überhaupt hat Zelezna Ruda (Markt Eisenstein) wie Bayerisch-Eisenstein Tradition, wie es der Name schon sagt: Seit Mitte des 15. Jahrhunderts wurde hier Eisenerz gefördert und verhüttet. Ende des 17. Jahrhunderts löste Glas eine neue Wende ein.

Zeugnis dieses Wohlstandes ist auch die Mariahilf-Kirche. Das Gotteshaus hat die Form eines Sechseckes und wird von einem ausladenden zwiebelförmigen Dach gekrönt. Das Altarbild stammt angeblich von Lukas Cranach.

Es ist ein langer geschichtlicher Weg, den diese Region bis in die Gegenwart gegangen ist. Erst nach Öffnung des Grenzgebietes kehrte wieder das Leben und mit ihm der Fremdenverkehr zurück.

Wir aber wollen Freude am Langlauf haben und diese bekommen wir pur zu spüren. Auch heute nicht maschinengespurt, aber dafür unbeschreiblich schön. Wie hat es Eberhard doch passend gesagt: Diese Stille im tiefverschneiten Wald, während Schneeflocken langsam taumelnd zur Erde fallen; unterbrochen nur von einem Rauschen, Rieseln und Poltern, wenn sich die Schneelast von einem Ast löst und zu Boden fällt.

Diese Wegstrecke nach Zelezna Ruda hat uns alle in Atem gehalten, wir wurden gefordert, sind aber auch belohnt worden mit vielen Eindrücken.

Es schneit, es schneit immer noch; und weil Brigitte und Helmut sich immer etwas Besonderes haben einfallen lassen, mußten wir auch an diesem Morgen unsere Autos von der Schneelast befreien.

Wir fahren zum Langlaufzentrum Bodenmais-Bretterschachten; dies ist ein idealer Standpunkt für den Start in die Skigebiete am Großen Arber. Hier wird alles geboten, was ein Skilangläuferherz höher schlagen läßt. Die Langlaufloipen waren vorzüglich, doppelspurig jeweils in einer Richtung. Und natürlich darf da ein Wachsraum, großzügig integriert mit Wärmeaufenthaltsraum, nicht fehlen. Der Harzer Touristenverband sollte sich so etwas einmal ansehen!

Doch wir haben andere Probleme, beinahe wäre dieses Unternehmen am Parkautomaten gescheitert; dieser schluckt nur Hartgeld (3 € pro Std.). Dank eines hilfsbereiten, sehr freundlichen Linienbusfahrers konnte dieses Problem gelöst werden.

Aber wir sollten uns auch noch freuen dürfen, denn Sonnenschein hat sich eingestellt und wir konnten zwischendurch so richtig einmal gasgeben. Aber wehe, diese Anstiege haben es in sich, der Atem wird kürzer, und man muß immer wieder einmal verschnaufen, um seinen eigenen Laufrythmus zu finden.

Wir haben ja noch unser Ziel vor Augen, da wird gar nicht lange überlegt. Es bleibt aufgeheitert und wir entscheiden uns, die Höhenloipe am Ecker-Sattel zu verlassen und in Richtung Chamener Schutzhütte zu laufen. Grundsätzlich war diese Höhenloipe ein Teilstück der Bayernloipe, die auf insgesamt 150 Kilometer von Lohberg-Scheiben – Regenhütte über Bretterschachten weiter bis nach Dreisessel führt.

Bretterschachten Aufstieg zum Ecker-Sattel
Bretterschachten Aufstieg zum Ecker-Sattel
Foto: Helmut Kähler

Ein ganz neues Gefühl erleben wir beim Eintreten zur Chamener Hütte: Aus den Schuhen raus, rein in die Filzpantoffeln, so „beschuht“ dürfen wir dann in den Gastraum. Warm und freundlich wirkt die Atmosphäre auf uns, war waren hier gut aufgehoben. Ein heißer Tee, ein Teller leckere Suppe wirken wie kleine Wundermittel.

Hier hat mich die Vergangenheit eingeholt: Schon vor 38 Jahren habe ich hier mit Horst B. und Jürgen R. bei einer Wintertour im Arbergebiet übernachtet; damals aber noch als Jugendherberge ausgewiesen. In der Küche, aber wirklich nur in der Küche, gab´s für uns einen Obstler vom Herbergsvater. Und lieber Jürgen, beim Skat-Ramsch ging´s immer ehrlich zu!

Weiter geht´s. Skilanglauf heißt nicht nur geradeauslaufen, die Anstiege sind es, die an den Kraftreserven zehren, aber unsere Akkus sind so gut aufgeladen und außerdem geht´s auf toll präparierten Spuren nach Bretterschachten zurück. Brigittes Wunsch, dass wir alle noch auf dem Großen Arber stehen, wurde durch ein plötzliches tiefes Wolkenband zerschlagen. Auf der Rückfahrt konnten wir vom Großparkplatz des Skigebietes Großer Arber nur der Kabinenbahn hinterher schauen. Aber vielleicht gibt es in den nächsten Tagen ja noch ein Highlight.

Es gibt Tage, die einfach unvergeßlich bleiben. Eigentlich hätte die Autofahrt nach Modrava eine Kutschfahrt sein müssen, um die Ursprünglichkeit dieser Landschaft, besonders ab Zelezna Ruda, länger auf uns einwirken zu lassen. Wir haben Bilderbuch-Wetter auf dieser abenteuerlichen Autofahrt auf schneebedeckten Straßen durch die Einsamkeit des Böhmerwaldes. Weite offene Flächen, sanfte bewaldete Höhen liegen gleißend weiß im Sonnenschein und Schneekristalle glitzern wie Sterne.

Aber eine Skitour soll es ja nun auch noch werden, dafür sind wir ja letztendlich so weit gefahren. Wir waren kaum aus den Autos gestiegen, da sprudelte es aus Brigitte heraus: „Hab´ ich euch zuviel versprochen?“ Die Eindrücke ihrer Radtour müssen wohl wieder lebendig geworden sein.

Modrava ist ein idealer Ausgangspunkt für Fuß- und Radwanderungen und im Winter für Langlauftouren im Gebiet des Nationalparks. Uns zieht es in das Hochmoorgebiet des Böhmerwaldes nach Breznik. Ein Moorbach begleitet uns, teils unter Schnee, wie ein Gletscherbach unter dem Eis; seine freien Stellen wirken wie Spalten oder tiefe Krater. Ein Bild, das immer wieder fasziniert und so manches Dia schmücken wird.

Modrava, Impressionen
Modrava, Impressionen
Foto: Walter Sprenger

Nicht schmücken, aber festgehalten auf Chip oder Film, sind auch die Motive, die uns alle nachdenklich gestimmt haben. Ein „Bretterwald“ im gleißenden Sonnenlicht überzieht die Höhenzüge vor dem Endpunkt Breznik. Ein gesundes Hochmoor wird dies einmal verstecken. Aber wegstecken? So schnell wohl nicht. Hoffentlich rauscht an diesen Stellen eines Tages der Böhmerwald wieder! Wie heißt doch auf tschechisch der poetisch klingende Name SUMAVA – „die Rauschende“. Wir wünschen es uns von dieser Stelle! Von hier aus haben wir alle noch einmal einen wunderbaren Blick auf die Tiefe dieses ausgedehnten Moorgebietes; sehen in der Ferne den Lusengipfel (1375 m), grüßen und freuen uns auf eine ebenso beeindruckende Rücktour. Etwas Durchhaltevermögen müssen wir schon noch aufbringen, nämlich über den Marderberg, bis wir in Filipova Hut angekommen sind.

Eine kleine Stärkung durfte es danach schon geben, etwas Böhmisches im Gasthof hat uns gut getan!

Das letzte Teilstück nach Modrava, etwas steil ging´s bergab, aber so bleibt´s wenigstens in Erinnerung!

Der letzte Tag war gekommen, gestern noch verwöhnt, war uns heute der Wettergott nicht so gut gesonnen und hat so die Tagesgestaltung beeinflußt.

Die Verlockung liegt nahe: Die Glasmacherkunst hat in vielen Orten einen besonders hohen Stellenwert. Elsbeth, Walter, Ulrike und Marianne entschieden sich daher, nach Zwiesel zu fahren und von dort ganz persönliche Eindrücke mit auf den Heimweg zu nehmen. In Regenhütte, diesmal aber mit dem Bus von Bayerisch-Eisenstein, die Skier als Handgepäck dabei, wollten Brigitte, Helmut und Eberhard die Regenhütter Glasmacher besuchen und sich vor Ort in der Schauglashütte diese Kunst zeigen lassen. Doch leider fehlgeschlagen! – Im Winterhalbjahr läuft hier nichts.

So machen sich Brigitte, Helmut und Eberhard auf der Regentalloipe auf den Rückweg. Es gleicht einer Sternfahrt auf Langlaufskiern, denn wir (Gerti, Helmut, Hannelore und ich) treffen die drei in der Gegenrichtung. Nach einem „small talk“ geht es für alle weiter. Es sollte so sein, dass es auch Ralf noch in diese überaus malerische Bayerwald-Landschaft zwischen Bayerisch-Eisenstein und Regenhütte gezogen hat.

Wir erlebten wieder einmal eine sehr schöne Skilanglaufwoche. Unser Dank geht in erster Linie an Brigitte und Helmut, die wieder einmal ein gutes Gespür für eine Region hatten, die uns gerade im Winterurlaub nicht so bekannt ist.

Ja, liebe Brigitte und lieber Helmut, laßt Euch bald wieder etwas Neues einfallen, denn wir sind es gewohnt, von Euch verwöhnt zu werden, so hat es doch Helmut bei seinem Dankeschön in Worte gefaßt.

Dank sag´ auch ich, denn es war toll!

Heinz Baaske

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V., 10. Mai 2009