Sektion Braunschweig
zweispaltig
Aus dem Mitteilungsblatt 4/2008
Skigruppe

Fahrt auf dem Unstrut-Saale-Radweg

Eine Radtour mit „Fischer-Tours“ von der Quelle der Unstrut bei Kefferhausen über Naumburg bei der Mündung der Unstrut in die Saale, nach Nienburg, wo die Bode in die Saale fließt. Von dort entlang der Bode bis Oschersleben und dann nach Braunschweig.

Sonntag, 07.09.2008 - Braunschweig - Kefferhausen - Bad Langensalza

Der Beginn der Reise am 07.09.2008 war eine zeitlich frühe „Sternfahrt“ um 7:30 Uhr der 20 Teilnehmer zum Busbahnhof in Braunschweig, um von dort mit dem Bus nach Kefferhausen, der Quelle der Unstrut und dem Beginn der Radtour, aufzubrechen.

Nach der in Augenscheinnahme der Quelle fuhren wir meist auf asphaltierten Wegen entlang der Unstrut, zunächst ein Rinnsal, dann allmählich durch Zuflüsse zu einem Bach werdend, nach Mühlhausen.

An der Quelle der Unstrut
An der Quelle der Unstrut
Foto: Walter Sprenger

Die Fahrräder konnten dort bei der örtlichen Feuerwehr untergestellt werden, so dass wir, durch das Frauentor mit dem erhaltenen Wehrgang auf der Stadtmauer tretend, mit der „Straßenbahn“, einer nostalgischen Lok mit Waggons, eine Rundfahrt, bei der auch die Kirchen Divi-Blasii am Untermarkt und St. Marien, die zweitgrößte Kirche Thüringens, gestreift und gesehen wurden, durch die schöne Stadt unternehmen konnten.

Nach 58 km erreichten wir in Bad Langensalza unser Ziel. Nachdem wir die Quartiere in zwei Hotels bezogen hatten, wurde vor dem echt thüringischen Mahl noch ein kleiner Stadtrundgang einschl. der Besichtigung der Marktkirche mit dem ungewöhnlichen Turm gemacht.

Montag, 08.09.2008 - Bad Langensalza - Kölleda

Durch einen technischen Defekt (Riss eines Bowdenzug) wurden wir etwas aufgehalten, so dass der sehr schöne und vielblütige Rosengarten, der nicht nur bei Sonnenuntergang wie anderen Orts, besichtigt werden konnte. Im Anschluss wurde wie allmorgendlich für die Tagesverpflegung eingekauft.

Nach der Mittagsrast an einem Seitendamm der Gera wurde die Fahrt fortgesetzt und führte über eine längere sehr schlecht gepflasterte Wegstrecke zum Etappenziel nach Kölleda (64 km).

Nach dem gemütlichen Kaffeetrinken und Abendessen wurde vom Restaurantpersonal etwas unorganisiert abgerechnet.

Mittagsrast
Mittagsrast
Foto: Helmut Hielscher

Dienstag, 09.09.2008 - Kölleda - Roßleben

Der Sektionsvorsitzende bekundete am nächsten Morgen Interesse an der Besichtigung des Schlosses und der Burg in Beichlingen. Daher wurde kurzer Hand ein Abstecher, der über einige sehr steile Anstiege führte, zur Burg unternommen.

Das Schloss beherbergt ein Hotel und ist recht gut erhalten, sieht man von einigen Anbauten aus jüngster Vergangenheit mal ab.

Eine Burgbesichtigung führte u.a. durch einen Trauungsraum wie er mittlerweile nahezu auf jeder Burg vorgehalten wird. Die erstmalige Erwähnung fand die Burg als ein Verehrer das Burgfräulein erfolglos rauben wollte und er sich anschließend beim Kaiser dafür entschuldigen musste.

Nach der Mittagsrast im Wasserschloss Heldrungen erfolgte eine Durchfahrt von Artern, das aus touristischer Sicht bei weiteren Besuchen unberücksichtigt bleiben kann. Ein überraschendes Kaffeetrinken war von der Tourleitung an der nahegelegenen Schleuse bereits vor Monaten organisiert worden.

Nach 56 km erreichten wir das Hotel in Roßleben, das sich im Vorfeld durch Kommunikationsarmut und anschließend durch ein eher jugendherbergliches Essen hervortat.

Mittwoch, 10.09.2008 - Roßleben - Naumburg

Nach der obligatorischen morgendlichen Nahrungsergänzung fuhren wir entlang der Unstrut an Nebra vorbei. Die dortige Arche Nebra, in der ein Kopie der Himmelsscheibe ausgestellt ist, ist nur über einen steilen Anstieg erreichbar, touristisch überlaufen und der Eintritt sehr teuer. Hermann Fischer erläuterte den Fundort und eine Deutung der Scheibe.

An der weiteren Strecke lag der Ort Memleben, in dem während der ottonischen Zeit eine Kaiserpfalz und ein Kloster vorhanden waren. Trotz umfangreicher Grabungsversuche wurden die Mauern der Kaiserpfalz jedoch noch nicht gefunden.

Nachdem vorher bereits vereinzelt Weinberge zu sehen waren, erreichten wir bei Freyburg das Zentrum des Anbaugebietes des „Saale-Unstrut“-Weines.

Das Haus des Malers, Bildhauers und Grafikers Max Klinger bei Großjena blieb links und über uns liegen. An den steilen Hängen kam zwischen den Rebstöcken kurz darauf das Sandsteinrelief „Das steinerne Bilderbuch“ zum Vorschein.

Als wir anschließend im Fährhaus bei der fröhlichen Dörte „Mir ham Middachsdüsch, Gaffee un Guchn, hießje Weine, diverse Dorschtlöscher manchmal auch Exdrawörschde“ Zwiebelkuchen aßen und Federweißer tranken, verließen wir den Unstrut-Radweg und der Saale-Radweg lag vor uns.

Am Abend des meist sonnigen Tages erreichten wir nach 55 km die Stadt Naumburg. Dort erklommen wir, nachdem die Tourleitung uns fürsorglich darauf hinwies, dass es oben zugig sei und wir etwas Warmes mitnehmen sollten, über eine lange Wendeltreppe den Turm der Wenzels-Kirche mit einer schönen Aussicht über das Naumburger Land.

Donnerstag, 11.09.2008 - Naumburg - Merseburg

Die Eintrittskarte für den Naumburger Dom galt auch für den Merseburger Dom, den wir am Abend erreichen wollten. Erläuterungen bei der Besichtigung des Doms wurden von Ingrid Eggers gegeben. Der Naumburger Dom ist weithin bekannt, da die Stifterfigur Uta häufiger in Kreuzworträtseln nachgefragt wird.

Links der Saale lag das fast 7000 Jahre alte Sonnenobservatorium der Kultstätte bei Goseck.

In Bad Dürrenberg fuhren wir zum Gradierwerk und anschließend zum Kaffee. Am Abend nach 46 km Fahrstrecke erreichten wir Merseburg. Zur Dombesichtigung gab Elsbeth Sprenger Erläuterungen, die durch Orgelmusik untermalt wurde.

Freitag, 12.09.2008 - Merseburg - Wettin

Am späten Vormittag erreichten wir Halle. Die Stadt mit den vielen Brunnen, der Marktkirche, dem Komponisten Händel wurde uns von Johannes Tersteegen näher gebracht. Während die Marktkirche von außen unscheinbar verputzt ist, ist die Inneneinrichtung sehenswert. In der Kirche wurde die Oper „Johanna auf dem Scheiterhaufen“ vorbereitet. Der Dom war geschlossen, so sind wir zum Innenhof der Moritzburg gefahren.

Bei km 29 wurde Konrad Supplie von einer Reifenpanne ereilt. Ein verdächtiger Nagel konnte schnell ausfindig gemacht werden, musste aber, nachdem er sich nicht am Tatort befand, wieder auf freien Fuß gesetzt werden. Am Tatort selbst wurden Indizien einer Scherbe nachgewiesen. Nach einer schnellen, vielhändigen und trotzdem erfolgreichen Reparatur konnte die Tour fortgesetzt werden. Besonders soll noch mal daraufhingewiesen werden, dass die tatverdächtige Scherbe und der wieder auf freien Fuß gesetzte Nagel sich weiterhin frei herumtreiben und ihr Unwesen treiben. Vorsicht ist also geboten.

Mit der Fähre Brachwitz setzten wir über die Saale. Kurz vor dem Ziel in Wettin wurde nach 44 km ein letzter Anstieg genommen.

Mit einem kurzen Abstecher (32 km) holten zwei Teilnehmer eine weitere Mitfahrerin aus Könnern vom Zug ab.

Samstag, 13.09.2008 - Wettin - Nienburg

Ein wunderschöner, wenn auch etwas kühler Morgen begrüßte uns bei der Verpflegungsergänzung. Die Gruppe brachte mit dem Saale-Lied dem Fluss ein kleines Ständchen. Unterwegs lasen wir die Ankündigung eines Pflaumenkuchenmarktes in Plötzkau. Auf der Fahrt dorthin blies uns ein starker Ostwind ins Gesicht. Als wir Plötzkau erreichten, fanden wir, dass die Pflaumenkuchenstände zwischen den anderen Ständen und Fahrgeschäften eindeutig in der Minderheit waren.

Die Weiterfahrt führte uns nach Bernburg und auf die dortige Burg. Beim Anstieg, der an dem Bärenkäfig vorbeiführte, wurden die Räder geschoben. Oben angekommen, gab es neben Kaffee und Kuchen einen guten Ausblick aufs Land.

Bernburg
Bernburg
Foto: Helmut Hielscher

Da die Welfen sowohl in Plötzkau als auch in Bernburg in schlechter Erinnerung geblieben sind, vertieften wir unsere Herkunft nicht weiter,

Am späten Nachmittag erreichten wir nach 52 km Nienburg, für uns den letzten Ort an der Saale. Am nächsten Tag soll es auf dem Bode-Radweg weitergehen.

Helmut Hielscher dankte am Abend Ingrid Eggers und Hermann Fischer, die die Radtour wieder aufwändig und mit starkem Einsatz ausgearbeitet, organisiert, durchgeführt und geleitet haben.

Sonntag, 14.09.2008 - Nienburg - Oschersleben

Der allmorgendliche Einkauf fiel aus, da alle Geschäfte geschlossen waren. Nach einer kurzen Strecke erreichten wir das Schloss Hohenerxleben. Das Schloss gehört wie die meisten Burgen und Schlösser einer Stiftung. Teilweise werden sie durch Hotels, Restaurants und Kultureinrichtungen genutzt. Ohne öffentliche Zuschüsse könnten sie jedoch nicht erhalten werden.

Das Wetter war etwas kühler und schlechter, so dass sich die Pedalen nicht so freudig wie an den Tagen zuvor drehten. Die ersten kleinen Tropfen führten zur Mittagsrast unter Bäumen.

Bei der Weiterfahrt kam jedoch ein richtiger Regenschauer und alle sammelten sich unter einem Baum. Kaum war die Regenkleidung angelegt, war der Schauer auch schon zu Ende. Glück gehabt! Die Wegstrecke schien den meisten wegen des vielen Pflasters und der Feldwege die schlechteste zu sein.

Am Nachmittag kamen wir nach 64 km in Oschersleben an. Die meisten gingen in ein Cafe, während ein kleiner Teil aus terminlichen Gründen die Radschar verließ und sich mit dem Zug über Magdeburg nach Braunschweig begab und dort auch heil das Ende der Radtour erlebte.

Der Abend fand wie immer einen würdigen Abschluss in der sehr guten Unterkunft.

Montag, 15.09.2008 - Oschersleben - Braunschweig

Nach der Verabschiedung am nächsten Morgen von zwei weiteren Teilnehmern, die wegen Defekten am Rad die letzte Strecke leider nicht mehr mitfahren konnten, wurde in Hamersleben die Kirche besichtigt. Bei einem Abstecher in die Kirche von Watzum erwartete uns – mit Fischer-Tours verabredet – deren Organistin, zeigte uns die Kirche und spielte uns mehrere Kirchenlieder auf der Orgel vor, unterstützt durch den Gesang einiger Gruppenmitglieder. Mit dem hinzugekommenen ehemaligen Landrat Jahn wurden muntere Gespräche geführt. Doch dann geht es weiter, sonst erreichen wir unser Ziel nicht mehr. Nach dem Kaffeetrinken in Sickte verabschieden sich die Teilnehmer und verteilen sich wieder in die Richtungen, aus denen sie vor 8 Tagen zur Sternfahrt aufbrachen.

Dank der guten Vorarbeit – Erkundung der Wege, Auswahl der Hotels, Einplanen von Überraschungen – war die diesjährige Radtour von Fischer-Tours wieder ein voller Erfolg. Wir hoffen, dass dies noch öfter auf anderen Strecken wiederholt werden wird.

Reinhold Aselmeier

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V., 22. November 2008