Sektion Braunschweig
zweispaltig
Aus dem Mitteilungsblatt 2/2008
Skigruppe

Eine Fahrt zum Schnee

Skigruppenreise nach Norwegen

Wer sich nach dem hoffnungsvollen Beginn des Winters im November auf ausgiebige Skitouren im Harz gefreut hatte, wurde bitter enttäuscht. Wie gut also, dass Helmut für diesen Winter eine Fahrt nach Norwegen eingeplant hatte. Mit der Vorfreude darauf konnte man sich trösten. Denn dort würde wohl genug Schnee liegen…

Am Morgen des 18. Februar sitzen wir im Frühstücksraum des komfortablen Fährschiffes „Color Magic“ und sehen bei der Einfahrt in den Oslofjord einen herrlich morgenroten Himmel, später den Sonnenaufgang und genießen den Ausblick auf die Ufer und die ferneren waldbedeckten Anhöhen – alles völlig schneefrei! Gespannte Erwartung erfüllt uns, während wir uns Oslo nähern, dessen Häusermeer in der Morgensonne glänzt. An Deck weht uns ein frischer Wind um die Nase, eine dünne Eisschicht bedeckt die unbenutzten Hafenbecken, aber der Blick hinauf zum Holmenkollen mit der gewaltigen Sprungschanze findet auch dort nur wenig Weiß.

Wir besteigen den Bus unseres Reiseveranstalters „Sausewind“, der uns schon mit der gewohnten Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit von Braunschweig nach Kiel gebracht hat; „gewohnt“ deshalb, weil die Skigruppe bei ihren Norwegenfahrten 2004 und 2006 mit diesem Veranstalter beste Erfahrungen gemacht hat. Wie schon 2004 ist unser Ziel das Sporthotel (Höjfjellshotell) „Rondablikk“ am Rande des Rondane- Nationalparks. Bis dahin liegen noch einige Stunden Fahrt vor uns, zunächst durch einen langen Tunnel, an dessen Ausgang wir Oslo schon hinter uns gelassen haben. Die Landschaft ist winterlich, aber man sieht der dünnen und lückenhaften Schneedecke die Spuren einer längeren Tauwetterperiode deutlich an. Trost: wir kommen noch höher hinauf... Bei Hamar sehen wir die markante Dachkonstruktion der für die olympischen Winterspiele 1994 errichteten Eislaufhalle; Lillehammer grüßt mit der imposanten Skisprunganlage hoch oben am Berg.

Der Zeitvertreib im Bus offenbart die unterschiedlichen Talente und Neigungen: Lektüre von Zeitungen, Zeitschriften, anspruchsvoller Belletristik und Gebrauchsanleitungen von Digitalkameras, gemeinschaftliches „Um-die-Ecke-Denken“ bei Kreuzworträtseln, minutiöses Verfolgen der Fahrroute auf der Landkarte. Immer mal wieder geht der erwartungsvolle und skeptische Blick zum Schnee auf den Höhen.

In Vinstra – Geburtsort von Peer Gynt – hält der Bus vor einem Einkaufszentrum. Die Pause wird zu letzten Einkäufen genutzt, insbesondere die topografischen Karten unseres Aktionsgebietes sind heiß begehrt. Irritiert stellen wir fest, dass hier +6°C herrschen; ein warmer Wind weht von den Bergen herab, die Sonne sinkt in einen Vorhang aus Föhnwolken, nasse Altschneereste säumen den Parkplatz – erst Tage später gesteht mir der eine oder andere die Enttäuschung ein, die er dabei empfand.

Bei Kvam verlassen wir das Gudbrandstal, durch ein Seitental geht es steil aufwärts. Am späten Nachmittag erreichen wir unser Hotel, das in 910 m ü. NN sehr schön an einem Hang in offenem Gelände mit lockerem Kiefernbestand liegt. Wie uns die dicken vom Hoteldach herabquellenden Schneemassen zeigen, liegt hier genug Schnee, wenn auch hart gefroren mit angetauter Oberfläche.

Bevor das Abendbuffet gegen 19 Uhr eröffnet wird, haben wir Gelegenheit, die Räumlichkeiten des Hotels zu erkunden. Viele große und kleine ausgestopfte Tiere, Felle und kunstvoll mit Rentiermotiven gestaltete Wollteppiche an den Wänden sowie rustikale Möbel geben ihm ein charakteristisches Flair, zu dem die reich bestückte Bar und das unermüdlich allabendlich von 20 bis 22 Uhr vor meist leerer Tanzfläche sein Musikrepertoire abspulende Duo einen eigenartigen Kontrast bilden.

Am Abendbuffet herrscht reges Treiben; außer uns bevölkern noch eine deutsche Reisegruppe (die „Wikinger“) sowie eine englische Gruppe und etliche Familien und Kleingruppen das Hotel. Für unser leibliches Wohl ist bestens gesorgt; Abend- und Frühstücksbuffet sind reichhaltig, und da wir „Vinterpensjon“ gebucht haben, können wir uns die Rucksackverpflegung für Tagestouren am Frühstücksbuffet zusammenstellen. Kaffee, Tee und Wasser gibt es reichlich, Bier oder gar Wein hingegen sind in Norwegen ausgesprochene Luxusgüter. Trotzdem erliegen einige – so auch der Chronist – der Versuchung, sich von der netten deutsch sprechenden, aus Siebenbürgen stammenden Bedienung zum Abendessen ein Bier bringen zu lassen.

Nach dem Abendessen dient uns eine etwas separat gelegene Leseecke als Raum für eine Begrüßungs- und Vorstellungsrunde. Die Skigruppenmitglieder kennen sich natürlich, aber da sich von diesen nicht genügend Teilnehmer gemeldet hatten, waren Gäste als Verstärkung willkommen: Ingrid aus Abbenrode („Ingrid II“), Regina und Manfred aus Berlin, die schon vor zwei Jahren dabei waren, das Ehepaar Gudrun und Werner sowie Helga aus dem Schwabenland, die unser „Stuttgarter“ Dieter für die Teilnahme hatte begeistern können, Hans aus Hagen, der als Sektionsvorstand mit Walter Kontakt hatte. Freude am Skilauf und alpinen Unternehmungen, mehr oder weniger lange Mitgliedschaft im DAV sind allen gemeinsam; dem Chronisten ist es nicht zu peinlich, skiläuferische Glanztaten vergangener Jahre zu erwähnen, könnte man ihn doch sonst angesichts seiner Darbietungen an den kommenden Tagen für einen Anfänger halten. Walter, mit Elsbeth kurzfristig als Ersatz eingesprungen, versucht, sich mit der Behauptung, nur widerwillig mitgekommen zu sein, ein Alibi zu verschaffen. Uns eint die gespannte Erwartung auf erlebnisreiche Skitouren in der norwegischen Landschaft.

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Aufbruch bei schönem Wetter
Foto: Jürgen Reinefeld

Der nächste Morgen zeigt sich bei +1°C wolkenverhangen. Kurz vor unserem Start (heute wie auch weiterhin um 10 Uhr) beginnt es zu schneien. Die meisten greifen zu Schuppenski. Die Wahl der Ski und deren Präparierung sind dank der gründlichen Schulung durch Helmut ernsthaft-akribisch betriebene Handlungen und bilden immer wieder dankbaren Diskussionsstoff – wenn’s mal nicht so gut läuft, kann man’s darauf schieben. Der steile Hang unterhalb des Hotels wird wegen des harten Schnees zu Fuß genommen, aber auch der weitere Weg zum Furu-See enthält Gefällestrecken, die sehr unterschiedlich bewältigt werden. Ingrid II, Hans und unsere Freunde aus dem Schwabenland bleiben zurück. Sie lassen es auch an den folgenden Tagen meist ruhiger angehen.

Über den See führt ein markierter Skiweg, keine Maschinenspur. Die jenseitigen Berge sind in der Höhe von Wolken verhüllt; wir erkennen den Einschnitt des Glittertals, durch das später der weitere Weg zu den baumlosen Höhen und den Fernzielen Rondvassbu und Peer-Gynt-Hütte führen wird. An einer der Hütten am Ufer zeigt uns Jürgen kunstvoll gestaltete Türbeschläge und ein uraltes schmiedeeisernes Schloss, die er vor vier Jahren hier entdeckt hat. Außerhalb des eigentlichen Rondane- Nationalparks ist das Gelände geradezu übersät von Hütten, die im Winter größtenteils unbewohnt sind. Wir stoßen auf die hier gut gespurte „Troll-Loipe“, einen Ski-Weitwanderweg, der das gesamte Rondanegebiet durchzieht. Wir folgen ihr durch welliges Gelände, am Schluss ansteigend bis zu einer Hüttenansammlung, wo die Maschinenspur endet. Ein Wegweiser zeigt an, dass es von hier aus noch 10 km nach Eldabu weitergeht, einer unbewirteten Hütte des DNT (Norwegischer „Alpenverein“), mögliches Ziel für einen der nächsten Tage, respektvoll erwähnt von denjenigen, die vor vier Jahren hier waren. Auf der Terrasse einer unbewohnten Hütte drängen wir uns zu einer Mittagsrast. Es klart auf und wird kälter, ein scharfer Wind kommt auf und treibt uns zum Rückweg, verbunden mit einigen Schwierigkeiten in den Gefällestrecken. Vorbei am Hovdepiggen, einem kleinen markanten Aussichtsberg (der später auch mehrfach besucht wird), geht es zurück zum Hotel.

Nach diesen 22 km haben wir einen ersten Eindruck von der Gegend gewonnen, von den Loipen und Skirouten, möglichen Tourenzielen, dem schnell wechselnden Wettergeschehen. Wir sehnen Neuschnee herbei. Helmut bekennt erst viel später, wie frustriert er nach diesem ersten Tag war.

Wir haben Glück. An allen weiteren Tagen herrschen frühmorgens Temperaturen unter 0°C bis -7°C, mittags nähert sich die Temperatur gelegentlich der 0°C-Marke. Das Wetter bleibt wechselhaft mit teils ergiebigen Neuschneefällen, so dass die Schnee- und Spurverhältnisse von Tag zu Tag besser werden, die Abfahrten unproblematisch, stürmische Winde jedoch oft die so schön gespurten Loipen verwehen und auf den baumlosen Höhen die Neuschneedecke schnell wieder fort blasen. Der Sukkertoppen, „Hausberg“ unseres Hotels und ständiger Blickfang, rot angestrahlt bei Sonnenaufgang, im Abendlicht in unterschiedlichen Blautönen schattiert, lässt in der Mittagssonne seine Flanken blank-eisig glänzen und verrät damit die Schwierigkeiten, die es bieten würde, dort Ski zu laufen.

Mysuseter, eine Ortschaft, bestehend aus Hunderten verstreut liegender Hütten mit einer „Butikk“ und einer „Fjellstue“ im Zentrum, ist mehrfach unser Tourenziel. Unser Weg dorthin führt abwechslungsreich zunächst durch Wald, dann über freie Flächen, Moore oder auch Seen. Dass wir uns an einem Seeufer bewegen, merken wir erst an Booten, die wie Fremdkörper mit der Unterseite nach oben hier und da aus dem Schnee ragen. In der Fjellstue trinken wir zu unserer Rucksackverpflegung heißen Kakao, der zu unserem Lieblingsgetränk wird. Die Troll-Loipe berührt diesen Ort; auf ihr laufen wir zum Furusee und um ihn herum zurück zum Hotel. Mit schönem Wetter, rasch wechselnden Beleuchtungen und Stimmungen und einem in der Abendsonne strahlenden Sukkertoppen klingt der Tag aus.

Ein anderes Tourengebiet erstreckt sich durch eine lange Senke nach Süden; Slaa und Gravdalen heißen die Ziele. Slaa liegt etwas tiefer und kann nur durch verwinkelte Waldabfahrten erreicht werden, ein Horror für unsichere Abfahrer wie den Chronisten. Willi und ich stehen als letzte etwas unschlüssig oben und blicken in die Kurve, hinter der die anderen verschwunden sind, da ertönt das charakteristisch-fröhliche Lachen von Regina. Also kann es nicht schlimm sein. Nach ein paar Kurven sehen wir den Grund des Lachens: Manfred rappelt sich nach einem Sturz gerade wieder mit aufgeschrammter Nase aus dem Schnee. Merke: Reginas Lachen bedeutet nicht immer etwas Gutes. – Auf dem Rückweg entdecken wir Rondaplassen, eine Hütte, die dem Wirt unseres Hotels gehört und in der es natürlich leckeren Kakao und Waffeln gibt. Dieter, Jürgen und Ralf haben an diesem Tag unter schwierigen Bedingungen die Tour nach Eldabu bewältigt.

Stürze gehen nicht immer harmlos aus. Ingrid II hat sich dabei so schwer verletzt, dass ärztliche Behandlung erforderlich wird. Dazu muss sie mit einem Taxi nach Vinstra und, weil der Arzt dort nicht über die nötige Apparatur verfügt, mit der Bahn weiter nach Lillehammer fahren; eine Tagesunternehmung, bei der Ralf sie in selbstloser Kameradschaft begleitet. Zurück kommt sie mit eingegipstem Unterarm. Sie verbringt die Zeit mit Spazierengehen, Schauen, Lesen und dem Schreiben von Karten; am Schluss kann sie wieder kleine Skitouren machen.

Unterwegs nach Gravdalen
Unterwegs nach Gravdalen
Foto: Helmut Hielscher

Gravdalen erreichen wir nach langer, anstrengender Tour durch tiefen ungespurten Schnee und über von heftigem Wind freigeblasene eisige Hänge. Ein herrlicher Blick über das Gudbrandstal hinüber zum Ruten und zum Gebiet um Fefor, wo wir vor zwei Jahren waren, mal strahlend weiß in der Sonne, dann wieder in vielen blauen Schattierungen unter Wolken, entschädigt für die Mühen. Beim Rückweg ist ab Tjönnseter frisch gespurt; mit Doppelstockschüben geht es zügig hinab, endlich einmal flottes Laufen ohne Hangen und Bangen.

„Ruhetag“, das heißt bei herrlichem Wetter Genussskilauf, Schauen, Fotografieren. Jetzt sind auch die hohen Rondaneberge zu sehen und präsentieren sich in glänzendem Weiß, aus dem sich nur die dunkle Steilwand des Svartnuten über Rondvassbu respektheischend hervorhebt. Walter gibt in Rondaplassen eine Runde Kakao und Waffeln aus, weil er sich freut, dass der Urlaub halb herum ist (er nennt es „Bergfest“). Der Abend wird wie üblich mit Kartenstudium, Aufarbeitung der Touren, Planen weiterer Touren und Erzählen verbracht. Dieter war in Raphamn und an der Peer-Gynt-Hütte.

Raphamn ist dann auch unser nächstes Ziel. Einmal wieder muss der See überquert werden. Die Spuren sind verweht, die Beleuchtung ist diffus, da hält man sich möglichst dicht hinter dem Vordermann und kann dessen Ausrüstung von oben bis zu den Ski studieren: Deuter, Kolibri, Odlo, XC und SL, RCS und SCS, super light und double crown, wirklich beeindruckend, was die Produzenten sich so einfallen lassen. - Diesmal kein Kakao in Mysuseter, bis Raphamn sind noch 10 km zurückzulegen, die es in sich haben: Ständig geht es steil bergauf und bergab. Endlich erreichen wir das schöne Hotel Rondaslottet, offizielles Quartier bei den olympischen Winterspielen 1994, lassen es uns in bequemen Sesseln bei heißem Kakao wohl sein und genießen einen schönen Tiefblick ins Gudbrandstal. Der Weiterweg über Kringseter bietet nicht viel weniger Auf und Ab, und wohl jeder ist erleichtert, als die weite Fläche des Furusees in Sicht kommt und wir bekanntes Terrain erreichen. Es klart auf, der Sukkertoppen schält sich aus den Wolken, herrliche, schnell wechselnde Beleuchtung von Wolken, Bergen und Schnee begleitet uns auf den letzten Kilometern.

Nach viel Neuschnee über Nacht und dicken Wolken über den Bergen am frühen Morgen bricht plötzlich das Licht der aufgehenden Sonne durch, es wird schnell klar, immer mehr hohe Berge zeigen sich, also Wetter, um endlich Rondvassbu anzusteuern. Der Hang hinter dem Hotel wird mit Schwüngen genommen, der See gequert. Im Glittertal geht es aufwärts; wir kennen schon den schönen Rastplatz am Tverrhaugen, danach erreichen wir die freie Fläche des Fjell. Ein weißer Bergrücken reiht sich hinter den anderen, endlose Weite, dahinter die hohen Rondaneberge mit der schwarzen Wand des Svartnuten. Wir laufen und laufen, aber diese Berge scheinen nicht näher zu kommen. Andere Skiläufer sind vor uns, winzig klein, wie verloren in dieser Einsamkeit. – Einsamkeit? Plötzlich sehen wir ein Parkplatzschild, fast völlig eingeschneit. Im Sommer kann man mit dem Auto hierher fahren! Beleuchtung und Wetter wechseln schnell, bei Spranget beginnt es heftig zu schneien. Die meisten kehren hier um, ich folge mit Helmut dem Wegweiser Richtung Peer-Gynt-Hütte. Ich kann kaum etwas sehen, Helmut läuft dicht vor mir, damit ich die Spur nicht verliere. Wir sind froh, als wir endlich auf die Troll-Loipe stoßen, auf ihr geht es angenehm leicht hinab nach Mysuseter und bis zur Kakaostation. Der Rückweg zieht sich hin, die Ski werden immer stumpfer, Nachwachsen ist angesagt. Danach geht es besser, mit frischer Motivation laufen wir auf der Rundloipe zum Hotel noch einmal über den Berg. Glücklich darüber, diese abenteuerliche Unternehmung überstanden zu haben, kommen wir an.

Beim Frühstück noch dichter Schneefall, keine Sicht, aber bald darauf erscheint hinter dem fallenden Schnee wie durch einen Vorhang der Ruten im Morgenlicht, es wird klar. Helmut, Gerti, Jürgen und Dieter nehmen den Sukkertoppen in Angriff, andere, so auch der Chronist, entscheiden sich für Genussskilauf: Noch einmal das Glittertal, Sonne und Weite genießen, den Schneehasen nachspüren – in kleinen Gruppen oder einzeln verbringen wir diesen schönen Tag. Die Sukkertoppen- Bezwinger kommen glücklich zurück, die Abfahrt war schwierig. Dieter hat noch einen langen Bogen über den Peer-Gynt-Weg drangehängt und kommt erst spät im Dunkeln im Hotel an.

Abends versammeln wir uns in der „Tine“- Hütte, urig, aber sehr gediegen und komfortabel, mit Fussbodenheizung unter granitenen Platten – mit elektrischer Energie geht man in Norwegen sehr großzügig um. Es ist unser vorgezogener Abschiedsabend. Walter in Prosa und Hermann in wohlgesetzten Versen danken Helmut und Gerti gebührend für Vorbereitung und Organisation der Fahrt, nicht ohne geistreiche und witzige Anmerkungen zu Ereignissen der letzten Tage einzuflechten. Mitgebrachte Schnapsreste und Süßigkeiten werden verzehrt, Helmut hat eine Säge aufgetrieben und einen Ski von Walter parat, aber dieser zersägt den Ski nun doch nicht, obwohl er es öfter angedroht hat. Ein Sketch von Ingrid und Hermann sowie vergebliche Entfesselungsversuche von Regina und einem Masochisten lösen Heiterkeit, aber auch lange nachwirkende Diskussionen über ein mathematisches Problem aus. Der Abend bestätigt, eine wie gute und harmonische Gemeinschaft wir sind.

Weg nach Rondvassbu
Weg nach Rondvassbu
Foto: Eberhard Fay

Bei herrlichem Wetter sind wir ein letztes Mal im Glittertal; die Loipe ist frisch gespurt, es ist kalt, die Ski sind optimal gewachst, Skilauf in Vollendung. Am Tverrhaugen wird nur kurz gerastet, weiter geht es hinauf in die offene Weite. Bei Spranget trennen sich vier gute Skiläufer – Helmut, Jürgen, Willi und Ralf – sowie ein Masochist von den übrigen; sie wollen zur Peer-Gynt-Hütte laufen. Zunächst geht es Richtung Rondvassbu weiter, wir sehen nur ein paar Skiläufer winzig klein vor uns; wieder spüren wir dieses Verlorensein in der unendlichen Weite. Jürgen führt uns auf einer kaum erkennbaren, aber markierten Spur immer auf gleicher Höhe um einen Berg herum. Vor uns sehen wir nur die Markierungsstäbe, die sich in leichtem Bogen hinter dem Berg verlieren, aber zur linken Seite haben wir grandiose Ausblicke auf weit entfernte Berggruppen jenseits des Gudbrandstales unter einem zunehmend wolkigen Himmel. Endlich ist die Loipe von Mysuseter zur Peer-Gynt-Hütte erreicht, wir sehen sie schon von weitem liegen. Ein primitiv wirkender Bau, tief eingeschneit, ein voller Aufenthaltsraum, nicht sehr gemütlich, aber der Kakao ist der beste, den wir je getrunken haben. Hier treffen wir Dieter, der mit uns gemeinsam den Rückweg antritt. Die Beleuchtung ist jetzt diffus, die Spur kaum zu sehen, unter Schwierigkeiten erreichen wir Mysuseter und auf bekannten Wegen schließlich in der Dämmerung das Hotel.

Letzter Tag: Mit Jürgen und Dieter noch einmal weit hinaus Richtung Gravdalen. Sonne, die sich allmählich hinter Zirruswolken verbirgt, glitzernde Schneekristalle in der Luft, die sich zu Schneefall verdichten, Wind, der in den Kiefern rauscht, aber die Spuren immer mehr zu weht – das Rondanegebiet zeigt sich zum Abschied mit all seinen Facetten: Wunderschön in Sonne und farbiger Pracht der schneebedeckten Berge, bedrohlich in seiner Einsamkeit und Weite, mit einem Wort großartig.

Der Chronist dankt allen Teilnehmern für das Erleben guter kameradschaftlicher Gemeinschaft und insbesondere Helmut und Jürgen für umsichtige Führung. Er freut sich auf die nächste Skigruppenfahrt zum Schnee.

Eberhard Fay

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V., 24. Mai 2008