Sektion Braunschweig
zweispaltig
Aus dem Mitteilungsblatt 3/2007
Skigruppe

Radtour vom 18.-21. Mai 2007 zur Sternwanderung nach Osnabrück

Immer wenn ich im Winter auf Skitour gehe oder im Sommer in den Alpen von Hütte zu Hütte wandere, so erfasst mich auch bei der Vorbereitung auf unsere Radtour dieses unbekannte, erwartungsvolle „Gribbeln“ im Bauch, diesmal mit 16 Teilnehmern der Skigruppe zur „Sternwanderung“ der Sektion Osnabrück des DAV. Die Planung und Organisation lag in den bewährten und erprobten Händen von „Bobby“ Rolf Bokel und das „Rahmenprogramm“ hat Brigitte Kähler-Bock hervorragend gemanagt. Bobby stammt aus der Region des Teutoburger Waldes und mit viel Liebe und Enthusiasmus stellte er uns seine Heimat vor. Um es vorwegzunehmen, wir waren begeistert. Ich habe wiederum meinem Deutschlandbild ein wunderschönes Mosaiksteinchen hinzugefügt.

Kommen wir zum nüchternen Bericht, alle 16 Teilnehmer mit Fahrrädern passen nicht in einen Waggon der Bahn. D. h. Aufteilung in zwei Gruppen. Die ersten 8 müssen schon 6 Uhr 40 ihre müden Glieder auf dem Bahnsteig in BS versammeln. Wir hatten das Glück zur 2.Gruppe gelost zu werden – sprich 7 Uhr 40. Morgendliche Begrüßung der Gruppe, Begutachtung der Räder, des Gepäcks – etwas aufgeregt, wird es mit dem Umsteigen in Hannover klappen, die Zeit ist knapp der Weg ist weit. Es hat gepasst. Ausstieg in Steinheim (NRW) und fröhliche Begrüßung der wartenden 8, auch Bobbys Brüder sind schon da, der eine um uns die Bergetappe durch Gepäcktransport zu erleichtern und der zweite gibt uns den ersten Tag Geleitschutz. Schnell noch etwas gegessen, getrunken und da ist es wieder das „ Gribbeln „- aufgesessen und los geht’s. Ca. 50 Kilometer und etwa 800 Höhenmeter liegen vor uns , ich ziehe meinen Helm vor der Leistung aller, nicht jeder hat ein so leicht laufendes Rad mit 27 Gängen, außerdem kommen uns die Erfahrung aus unserer vorjährigen Radtour BS – Südtirol zugute . Entlang des Lippeschen Waldes auf teils guten, asphaltierten- teils auf Schotterwegen durch die wunderschöne Hügellandschaft mit weiten Blick ins Land, verstreute, idyllische Dörfer eingebettet in lieblich, bewaldete Hügel – eine blühende Landschaft von der Sonne hell beleuchtet.

An den Exernsteinen
An den Exernsteinen
Foto: Heinz Baaske

Erste größere Pause an den Externsteinen (Holzhausen) mit Besteigung dieser Sandsteinformation – sie erinnert an das Elbsandsteingebirge in Miniaturformat. Als natürlicher Aussichtsturm bestens geeignet, zeigt er uns nochmals das schöne Lippesche Land und einen strahlenden Himmel. Über Berlebeck, Heiligenkirchen erreichen wir das Hermannsdenkmal. Es ist schon beeindruckend, den gewaltigen Koloss zu sehen und zu besteigen. Nach einigen weiteren Kilometern erreichen wir unser Etappenziel – Oerlinghausen ganz ohne Doping einfach nur durch Ausdauer und Freude. Schnell werden die Zimmer verteilt, die Betten gerichtet, das Gepäck verstaut und nach dem Abendessen machen wir einen Bummel durch die Stadt. Nach einem Abendbierchen oder einem Schokoladeneis mit Zwiebel geht es zurück in die JH, um unsere müden Glieder zu regenerieren. Nächtlich stark rauschender Regen lassen für den kommenden Tag nichts Gutes erahnen und so fahren wir nach dem Frühstück ca. 8 Uhr 30 in Regensachen durch die nasse Landschaft des südlichen Teutoburger Waldes, trotzdem es ist einfach schön draußen zu sein und sich zu bewegen . Das Wetter wird immer besser und so radeln wir durch grüne Wiesen, Wälder und bunte Felder. Kurze Rast in Bad Rothenfelde mit Besichtigung der Saline über Bad Iburg nach Osnabrück (80 km). Sie ist die drittgrößte Stadt Niedersachsens (164 tausend Einwohner, von Karl dem Großen vor ca. 1200 Jahren als Missionszelle an Handelswegen gegründet, noch besser aber bekannt durch den Abschluss des Westfälischen Friedens 1648).

Nun kommt Brigitte Kähler-Bock ins Spiel, nachdem sie schon mit Helmut und Bobby die Tour vorher abgeradelt hatte , führte sie uns nach dem Abendessen in die Innenstadt, dort trafen wir den Nachtwächter, der uns die historischen Sehenswürdigkeiten Osnabrücks näher bringen sollte . Er hatte durchaus interessantes zu berichten und die mittelalterlichen Gemäuer waren recht eindrucksvoll, es war nur etwas langatmig, deshalb verabschiedeten wir uns vorzeitig und zogen es vor, den Abend in der musikerfüllten Innenstadt in einer netten Straßenkneipe ausklingen zu lassen.

Sonntagmorgen recht üppiges Frühstück in der JH und danach Aufbruch ins Industriemuseum am Piesberg (mit Dauerausstellung „ Steinkohle, Mythos Dampf, Frühindustrialisierung“) .Durch den heutigen Steinbruch begleitete uns ein äußerst kompetenter Führer, der uns Wissenswertes über Steinkohle, Steinbruch und Wirtschaft der Region vergangener und gegenwärtiger Zeit sehr eindrucksvoll näher bringt. Die ca. 3 stündige und 5 km lange Tour war äußerst lehrreich und hat sich gelohnt.

Vier der 16 Teilnehmer mussten schon am Sonntag die Heimreise antreten, sodass ich vom eigentlichen Treffen mit der Sektion wenig berichten kann. Nur so viel sei gesagt, die Sektion stellte sich mit ihren Gruppen vor bei Musik, Kaffee und Imbiss, leider ist immer wieder festzustellen, dass das Durchschnittsalter der Teilnehmer mit Sicherheit jenseits der 60 liegt. Die Aktivitäten der Gruppen lassen allerdings hoffen, dass es noch genügend natur- und sportbegeisterte Jugendliche gibt, die einst das Ruder des DAV in die Hände nimmt.

Frank Roscher

Kaja und Leif
Die Organisatoren der Gästegruppen
Foto: Helmut Hielscher

Als hätte das Blasorchester aus Bergloh, das froh aufspielend dieser 54. Sternwanderung in Osnabrück seinen heiteren Rahmen gab, davon gewusst, dass Doris und Klaus sowie Undine und Frank sich verabschieden mussten: Beruf und Termine ließen es nicht anders zu; also die Pflicht ruft! Schade, schade!

Auch wenn an diesem Wochenende gerade noch die Open-Air-Maiwoche, eine der größten Veranstaltungen Norddeutschlands mit Livebands so richtig abgeht, finden wir Zeit zum Entspannen. Im Herzen der Stadt lädt der Schlossgarten ein; wir finden auch die Zeit, im Dom bei einer Andacht dabei zu sein. Asphaltlaufen in der historischen Altstadt haben uns durstig und hungrig werden lassen. In einer Brauerei-Gaststätte hat Rolf, ganz nach unserem Geschmack, den richtigen Ort ausgesucht: Launig und unterhaltsam, mit vielen Gesprächen, lassen wir den Abend ausklingen.

Vierter und letzter Tag unserer Radtour: Ein sonniger Montagmorgen lässt schon beim Frühstück in der Jugendherberge Osnabrück gute Stimmung aufkommen, außerdem sind alles ebene Radwege ohne Berge und Hügel angesagt. Ob es wohl dabei bleibt???? Es blieb dabei, das darf ich schon jetzt sagen! Alles flussabwärts entlang der Hase von Os-Voxtrop nach Hartbergen auf der Heide, Bauerngehöfte eingebettet von saftigen Wiesen, farbenfrohen Rhododendren lassen die Fahrt nach Melle nicht langweilig werden.

Kurze Auftankpause (Wasservorrat), schon geht es weiter – auf dem Else-Werre-Radweg über Bünde (hier ist die Holz- und Küchenindustrie großflächig angesiedelt) weiter nach Löhne. Die Hügelketten vom Wiehengebirge und Weserbergland zeigen uns an, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Entlang der Werre zu radeln wird zum Genuss und auch schon bald ist Bad Oeynhausen erreicht. Kurz sei gesagt, vor gut 500 Jahren war es ein Ortsteil des Dorfes Rehme mit dem Namen „Neusalzwerk“. Den eigenwilligen Namen Oeynhausen hat die Stadt erst seit 1848, zuvor entwickelte sich das heutige Bad zur preußischen Salzstadt.

Es bleibt nicht viel Zeit im Kurpark, der im Stil englischer Gärten angelegt ist, zu verweilen; doch eine Kaffeepause ist Pflicht!

Die schöne Werre verlassen wir an der Einmündung in die Weser bei Rehme, queren zur anderen Seite und radeln entlang der Weser; nach gut 10 km sind wir dann am etwa 800 m breiten Einschnitt zwischen Weser- und Wiehengebirge. Hoch auf dem Wittekindsberg steht das 1896 enthüllte Kaiser-Wilhelm-Denkmal. Die Pforte nach Westfalen haben wir nun noch verbleibenden 11 Radler (Konrad hatte sich inzwischen auch in Richtung „Enkelkinder“ verabschiedet) ohne Blessuren und Pannen erreicht.

Unsere Tagesetappe war 80,5 bis 80,7 km lang, wir nehmen es manchmal ganz genau. Nein, es waren vier harmonische Tage, ausleben konnte sich jeder, denn wir hatten „natur pur“ – „Kultur hautnah“ – und das Herz an der richtigen Stelle!

Laut Tourenplanung von Rolf sind wir pünktlich um 18:01 Uhr vom Rad auf die Schiene umgestiegen und bei bester Laune in Braunschweig angekommen.

Unser Dank geht in erster Linie zunächst an Rolf als Initiator der Radtour auf den Spuren der Römer, seinem Bruder als Spurensucher auf Wegstrecken, die wir sonst nie gefahren wären, an Brigitte für das tolle Rahmenprogramm sowie an Helmut. Alle drei sind diese Tour teilweise für uns abgefahren!

Ich sage im Namen aller Teilnehmer „danke!“

Heinz Baaske

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V., 26. August 2007