Sektion Braunschweig
zweispaltig
Aus dem Mitteilungsblatt 2/2007
Skigruppe

Sportabzeichen…

Als mich kürzlich ein Freund aus lange vergangenen Zeiten anrief, kamen unweigerlich auch die Themen Gesundheit und Fitness zur Sprache – wie das so ist, wenn man stramm auf die 70 zugeht. Stolz, geradezu respektheischend verkündete mein Freund, dass er nach vielen Jahren erstmals wieder für die Übungen zum Erwerb des Sportabzeichens trainiert und diese schließlich auch geschafft habe. Da konnte ich ihm entgegenhalten, dass ich dies schon seit einigen Jahren regelmäßig „so ganz nebenbei“ beim Sommersport der Skigruppe des DAV erledige – zugegebenermaßen mit einiger Mühe beim Hochsprung. So gab er der Hoffnung Ausdruck, mir demnächst nicht nur zum 70., sondern auch zum neuerlich erworbenen Sportabzeichen gratulieren zu können.

Aber damit sieht es in diesem Jahr schlecht aus. Zu Beginn der Freiluftsaison traute ich mich noch nicht, hoffte, noch besser in Form zu kommen. Dann kam einiges dazwischen – schlechtes Wetter, Urlaub, Terminprobleme und schließlich am letztmöglichen Abend der fehlende Schlüssel zum Geräteraum. So stehe ich am Ende der Sommersportsaison da und habe nur die kurze Laufstrecke erledigt. Meine Rettung ist Konrad Supplie. Er bietet mir einen Abnahmetermin für den Hochsprung im Oktober an. Just am gleichen Tag findet auch das 20-km-Radfahren statt. Seit ein paar Jahren bildet sich eine kleine Gruppe, die anstelle der langen Laufstrecke diese Übung absolviert, sei es zur Schonung arthrosegeschädigter Knie, sei es, weil es mehr Spaß macht – für mich trifft beides zu. Start und Ziel ist am Waldrand in der Nähe des Waggumer Weghauses; die Rundstrecke geht an Waggum vorbei, durch Bevenrode , Grassel und Essenrode, dann zurück vorbei an Wendhausen und durch Hondelage.

Die Straßen sind noch regenfeucht, aber die Sonne kommt mehr und mehr durch, und es weht ein kräftiger Wind aus Südwest, also zuerst von hinten. Konrad und Karlheinz finden sich am Treffpunkt als Zeitnehmer ein, als Teilnehmer außer mir leider nur Bobby, der sich um die Organisation dieses Termins bemüht hat. „Mehr Stoppuhren als Teilnehmer“ stellt Karl-Heinz sarkastisch fest. Wir starten gleichzeitig, ich radle hinter Bobby her, der Rückenwind ermöglicht uns mühelos ein flottes Tempo. Aber wir dürfen uns davon nicht einlullen lassen, sondern müssen den Rückenwind zu hohem Anfangstempo nutzen. Ich verschärfe und fahre an Bobby vorbei, aber der lässt nicht lange auf sich warten, überholt seinerseits und legt auch gleich einen respektablen Abstand zwischen uns. Soll ich versuchen, dranzubleiben? Ich denke an den Hochsprung am Nachmittag und sehe lieber zu, locker zu bleiben, konzentriert einen runden Tritt und die richtige Frequenz zu fahren. Der Tacho zeigt jetzt zeitweilig 32 km/h an.

Im Ziel
Im Ziel
Foto: Karlheinz Enke

Ein Rechenexempel geht mir durch den Kopf: Eine Strecke von 10 km ist hin und zurück zu fahren; fährt man bei Windstille im Schnitt 20 km/h, braucht man 1 Stunde. Herrscht aber bei der Hinfahrt Rückenwind, der 30 km/h ermöglicht, erreicht man zurück gegen den Wind nur 10 km/h und benötigt insgesamt 1 Stunde und 20 Minuten. Der Verlust durch Gegenwind lässt sich also nicht durch entsprechend schnelleres Fahren bei Rückenwind wettmachen. – Diese Rechnerei hat etwas Konzentration gekostet; hinter der nächsten Ecke ist Bobby schon mehrere 100 m enteilt. Also wieder schneller! Es fährt sich wunderbar auf dieser Strecke, die Konrad hervorragend ausgewählt hat, schöne ebene Radwege und glatt asphaltierte Landstraßen mit wenig Autoverkehr. Mir wird klar, wie dankbar wir Konrad und Karlheinz sein müssen, dass sie sich als Zeitnehmer und Betreuer zur Verfügung stellen. – Es geht auf Essenrode zu, leider etwas bergauf, eigentlich wollte ich mich hier ein wenig erholen, denn hinter Essenrode erwartet mich der Gegenwind. Ein paar Kurven durchs Dorf, dann ist es so weit: Der Gegenwind packt zu, obendrein geht es eine leichte Steigung hinauf. Da heißt es kämpfen, aber locker bleiben, den Rhythmus wieder finden. – Eigentlich ist es hier schön, rechts und links abgeerntete Felder, weiter hinten Wald, dazu die klare Sonne, aber nicht lange schauen, weiter! Die Höhe ist erreicht und bald auch der Wald, Zeit, etwas Luft zu holen. Der Wind macht sich hier nur durch das Rauschen in den Baumkronen bemerkbar, die Sonne bricht durch herbstbuntes Laub, einzelne Blätter wirbeln über die Straße. Es läuft jetzt gut, aber der Waldrand kommt und mit ihm der Gegenwind, so heftig, dass ich glaube, stehen zu bleiben. Auf Wendhausen zu geht es wenigstens bergab. Das Betreuerauto mit Konrad und Karl-Heinz fährt vorbei; sie müssen sich beeilen, um rechtzeitig vor Bobby am Ziel zu sein. Von dem ist schon nichts mehr zu sehen.

Hondelage ist zum Greifen nahe, und doch zieht sich der Weg unendlich lang. Nach der Ortsdurchfahrt – wo es gilt, aufzupassen, denn hier hat sich schon mancher verfahren – kommt das schwerste Stück: Ein langer Anstieg, und das bei dem Gegenwind! Da heißt es, den völligen Einbruch zu vermeiden. Auch das wird geschafft, der rettende Wald kommt näher, darin ein paar Kurven, noch eine und noch eine… Endlich lichtet sich der Wald, da stehen die Zeitnehmer, auch Bobby, vorbei, kurz ausradeln… Wir drücken uns die Hände, sind dankbar und glücklich. Die Zeit: 5 min langsamer als im Vorjahr, als Windstille herrschte. Karl-Heinz macht ein paar Erinnerungsfotos. Wir sind uns einig: Es hat – trotz allem – Spaß gemacht. Im nächsten Jahr werden wieder mehr kommen.

…Den Hochsprung am Nachmittag habe ich dann auch noch geschafft.

Eberhard Fay

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V., 11. Mai 2007