Sektion Braunschweig
zweispaltig
Aus dem Mitteilungsblatt 4/2006
Skigruppe

Der Weg ist das Ziel

8.09.-16.09.2006 Viele-Flüsse-Fahrt

Eine Radtour der besonderen Art: Angeregt, geplant, probegefahren und geführt von FischerTours unter Leitung von Hermann und Ingrid, speziell für die Skigruppe des DAV Braunschweig – Werbung ? Nicht erforderlich!

Am 08.09.2006 der Anreisetag nach Röthenbach b. St. Wolfgang an der A73 zwischen Kreuz Nürnberg Süd und Nürnberg Feucht: 19 Teilnehmer stehen pünktlich um 13:00 Uhr startbereit. Hoch „Hermann“ hat sich angesagt, durch Helmuts E-Mail einen Tag vor der Abreise allen bekannt, kam pünktlich mit Sonnenschein und wolkenlosem Himmel und kaum zu glauben, für die 9 Reisetage standen Nachfolgehochs bereit. Wetter kein Thema. Mit PKW`s und U-Bahn geht’s nach Nürnberg-Zentrum, 12 Stationen. Die St. Lorenzkirche ist Ausgangspunkt des Nürnbergrundgangs. Hermann scharte in gebotener Gründlichkeit alle Teilnehmer um sich und berichtete über die Reichsstadt Nürnberg, Verwaltungs- und kulturelles Zentrum Mittelfrankens mit 495.000 Einwohnern.

Die Stadt entstand 1050 bei der Reichsburg, wurde später von den Burggrafen der Hohenzollern regiert und erhielt 1200 Stadtrecht. Viele wichtige Bundes- und Landesbehörden haben in Nürnberg ihren Sitz. Weiter erfahren wir, daß in Nürnberg 32 Museen zuhause sind (zum Vergleich: Brüssel hat bei doppelter Einwohnerzahl 33 Museen). Nach Ende der äußerst interessanten Ausführungen werfen wir einen Blick in die Lorenzkirche mit spätgotischen Hallenchor, mit den Kunstschätzen der „Engl. Gruß“ von V. Stoß und das Sakramentshaus v.A. Krafft.

Weiter geht’s Richtung Zentrum, die Pegnitzbrücke ist bald erreicht, von hier schießen die Fotografen in reicher Zahl Fotos der idyllischen Fluß-/ Stadtlandschaft. Bald ist der Hauptmarkt erreicht, sehr bekannt durch den um 1650 entstandenen „Christkindlmarkt“, an der östlichen Seite die Frauenkirche mit dem Tucheraltar. Diagonal geht’s über den Markt zu dem um 1616 neu errichteten Rathaus im Stil eines italienischen Stadtpalastes, davor in nicht zu übersehender Größe der schöne Brunnen in seiner hervorragenden Pracht.

Umweltfreundlich über die Donau
Umweltfreundlich über die Donau
Foto: H.Hielscher

Die Zeit drängt und so erreichen wir bald die Sebalduskirche mit Sebaldusgrab und die Kreuzigung von V. Stoß. Richtung Burg werfen wir einen Blick auf das Albrecht-Dürer-Haus. Ein Rundgang um die Burg erschließt in Kürze die Großräumigkeit von Burg und Stadtmauern. Eine Besichtigung muß wegen Zeitmangel ausfallen. Ein gewaltiger Blick von oben lässt die Stadtausmaße gut erkennen. Zurück geht’s durch die Altstadt Richtung Pegnitz, vorbei am Henkerstieg mit vielen Fotomotiven zur Fußgängerzone oberhalb des Flusses. Elsbeth hat in Nürnberg - dank ihrer umfangreichen kulturellen Kenntnisse - viele Erläuterungen während des Rundgangs beigetragen, sie führt uns zum Familienbrunnen mit einem Durchmesser von ca. 8 m. Ein gelungenes Bauwerk mit einer in Bronze gegossenen mehr als 2 m hohen Einfassung, geschaffen von unserem Braunschweiger Künstler und Bildhauer Prof. Jürgen Weber. Die Skulpturen zeigen das Leben vom ersten Verliebtsein, über Hochzeit und Geburt der Kinder, bis zum Tod. Ein gewaltiges Monument mit viel Ausdruckskraft und präziser Darstellung, die die feinsten Gesichtszüge erlebbar machen. Nach gelungenem Abendessen und Heimfahrt mit U-Bahn und PKW nach Röthenbach klingt der überwältigend informative Tag aus.

Nach Kultur nun zur Natur. Fast alle haben in dem hervorragend saniertem Hotel am Ludwigskanal gut geschlafen und freuen sich auf das Frühstück im Nachbargebäude. Wohl gestärkt ist der Start auf 9:00 Uhr festgelegt, aber nahezu alle sind bereits um 8:45 startklar, Zeit um die Trekking-Räder gegenseitig zu inspirieren. Bei neu angeschafften Rädern ist Federung im Trend, vorne Teleskopgabel, hinten Schwinge mit Spiralfeder. Helmut, unser Radspezi, hat nachgerüstet: gefederte Sattelstütze mit kugelgelagerter Führung, sehr präzise, vom Feinsten. Der neueste Trend: Federung durch Ballonreifen. Bis 50 mm Breite kann meist nachgerüstet werden, Spitze ist 60 mm mit neuem Radel. Schaltung in der Regel 24-27 Gang über Kette, aber auch 7 oder 8 Gang Nabenschaltung (bedienerfreundlich) sind in. Reifen von Schwalbe sollten es sein, auch pannensicher zu haben, er schüttelt Heftzwecken und Glasscherben ab.

Es ist 9:00 Uhr, minutengenauer Start, 5 mal treten, eine kleine Böschung und schon sind wir auf dem Radweg, dem ehemaligen Treidelpfad des Ludwig-Donau-Main- Kanals. Der Weg von ca. 2 m Breite, zwischen Kanalböschung und bewohnten Grundstücken verlaufend, hat feinsplittrigen Naturbelag, ist sehr eben und hervorragend zu fahren. Nach 2 km wird’s kurvenreich, wir unterqueren nacheinander die A 73, die ICE-Strecke Nürnberg-Ingolstadt und die A9. Die Bebauung verschwindet, wir radeln auf dem Fünf-Flüsse-Radweg immer auf dem Treidelpfad rechts oder links des Kanals. Gelegentlich ist äußerste Konzentration erforderlich, und zwar immer dann, wenn eine querende Straßenbrücke auf der dann gemauerten Kanalböschung von wenig mehr als 1 m unterquert wird , beginnend mit starkem Gefälle und endend mit extremer Steigung. Der Betrieb ist angenehm, Einzelradfahrer und kleineren Gruppen begegnen uns, gelegentlich überholen uns Mountainbiker. Die Natur wirkt auf uns ein, der Kanal mit einer Oberflächenbreite von ca. 12 m, sehr häufig mit einem grünen Teppich von Teichpflanzen bedeckt, rechts und links hoher Baumbestand aus Laub- und Nadelwald, zu einem Naturtunnel vereint. Einzelne Sonnenstrahlen durchdringen das Gewölbe, man fühlt sich in den Spreewald versetzt.

Zwischendurch machen wir kleine Pausen, Hermann erklärt, daß der Kanal von Kehlheim nach Bamberg verläuft und von Ludwig I . 1835-1846 erbaut wurde. Die Schiffe wurden von Zugpferden gezogen. Auch vor mehr als 150 Jahren war die Zeit schon kurzlebig, der Kanal verlor an Bedeutung, die Eisenbahn war erfunden (1835 Nürnberg-Fürth).Der Kanal hat viele kleine Staustufen, den die Fränkische Alb liegt vor uns und muß überwunden werden. Bald ist der Scheitelpunkt erreicht und damit die Wasserscheide Nordsee / Schwarzes Meer.

Weiter geht’s die Alb in lang gestreckten Stufen bergab. Die Landschaft öffnet, der Blick weitet sich. Bauerngehöfte mit zugehöriger Landwirtschaft tauchen auf. Die Wiesen werden allerorts gemäht, das Gras getrocknet oder zu Silage luftdicht verpackt. Die Oberpfalz liegt vor uns, querab huscht Neumarkt vorbei, wir radeln auf dem Tour de Baroque. Kurz vor Feystadt trennen sich die kulturbeflissenen Sprengers von der Gruppe, wir radeln und genießen den Marktplatz der mittelalterlichen Stadt, Pause.

Kallmünz an der Naab
Kallmünz an der Naab
Foto: Rolf Bokel

Elsbeth und Walter haben nur mittels muskulöser Intervall-Pumpe den Anschluß gefunden. Reifenpanne, die Reparatur-Spezis sind in Aktion, Walters Hinterrad ist blitzschnell ausgebaut, Diagnose Schlauchflicken gelöst, der Schlauch wird ersetzt. Die Gruppe fühlt sich prima bei Eis, Cappuchino und sonstigen Wohltaten. Aufsitzen, bald haben wir den Großschifffahrtsweg Rhein-Main-Donau-Kanal an unserer rechten Seite, wir queren ins nahe gelegene Dorf Erasbach. An den großen Sohn dieses Ortes, dem Musiker und Komponisten Christoph Willibald Ritter von Gluck (1714-1787),erinnert hier ein würdiger Gedenkstein. Der Kanal, dessen Endausbau Franz Josef Srauß erheblich vorangetrieben hat, liegt bald wieder neben uns. Freizeitkanal? Immerhin begegnen uns ein Motorboot, ein Touristenschiff und die Carl Bresser, ein Motorkahn von 65 m Länge. Der Radweg auf der Böschungskrone erfreulich glatt und mehr als 3 m breit. Am Spätnachmittag erreichen wir Beilngries, 75 km, der Goldene Hahn ist unser Quartier, 400 Jahre Familienbesitz. Altbau gut renoviert, Neubau modern und gleichzeitig für Seminare hergerichtet.

Später treffen wir uns im Clubraum zum Abendessen, nach bayrischer Art reichlich und wohlschmeckend, ebenso das Bier „Schattenhofer Bräu“. Erfahrungen des 1.Radeltages werden ausgetauscht. Unentwegte machen sich zum Volksfest auf. Der Weg ist das Ziel. Dann noch ein Einkehrschwung, ein wunderschöner Tag geht zu Ende. Heute liegt das Altmühltal vor uns, herrliche grüne Landschaft, in respektabler dann wieder kurzer Distanz türmen sich die Kletterfelsen am Radweg auf. Es geht Altmühl aufwärts, in vielen Windungen nach Art der Mosel radeln wir voran und erreichen die Bischofsstadt Eichstätt mit 15.000 Einwohnern. In der Kreisstadt mit katholischer Uni und Jura-Museum lassen wir uns am Brunnen neben dem gotischen Dom mit barocker Fassade nieder. Die Mittagspause wird für Dom- und Stadtbesichtigung individuell genutzt. Zum Abschluß genießt jeder sein Eis, Cappuchino oder Sprudel.

Wir radeln weiter, irgendwann scheint Barbara zu schwächeln, ein Plattfuß ist der Grund, ohne großen Aufwand wird ohne Bedienungsanleitung (der Hinterradausbau zu aufwendig) repariert. Es geht Richtung Döllnstein, das Altmühltal verlassend nehmen wir Kurs auf das Wellheimer Trockental, einst von der Urdonau genutzt als sie noch durch das Altmühltal nach Kehlheim floß. Unser nächstes Ziel, die Pension Klettergarten in Aicha, ist erreicht. In bewährter Handhabung teilt Hermann die Zimmer auf, Neubau und Altbau. Da es unvermeidlich ist in kleinen Orten alle Zimmer in gleicher Qualität zu haben wird das Rotationsprinzip eingeführt. Beim Abendessen mit guter Hausmannskost ist bald gute Laune angesagt. Reinhold hat dank Biggis und Ingrids medizinischer Betreuung mittels Pillen, Propoli und Globoli seine anfängliche Schwäche überwunden. Mit guter Wein- und Bierlaune klingt der Tag aus.

Ein neuer Tag beginnt auf dem „Hermann“-Radweg Richtung Ingolstadt, ohne Fluß und Flüsschen, auf asphaltierten Dorfverbindungsstraßen, vorbei an Wiesen, Ackerflächen und vielen Maisfeldern. Bei wenig Straßenverkehr passieren wir bald das Mini-Holstentor und sind in der Altstadt, der 4 Ringe-Stadt an der Donau mit ca.115.000 Einwohnern. Wir radeln an der Liebfrauenkirche vorbei bis Mitte der Altstadt. Ingolstadt ist Teil der Uni Eichstätt, Industrie und Erdölraffinerien 1mal in der Stadt und zwei in unmittelbarer Umgebung. Nach ausgiebiger Pause geht’s weiter, am Neuem Schloß sind urplötzlich 6 Kanonenrohre auf uns gerichtet, ein Trost, nur jeder 3. kann getroffen werden. Der Donau-Radweg ist nicht fern, auf hohen Hochwasserschutzdeichen mehr als 5m über Wasserspiegelhöhe radelt es sich bequem auf breiten Feinschotterweg. Radeln macht durstig und so nicht verwunderlich, ein Schild mit Hinweis Biergarten, macht alle munter und fröhlich, nur wenige 100m vom Donauufer entfernt, folgt der Einkehrschwung. Eis, Kaffee, Säfte sind im Angebot und natürlich bayrisches Bier. Was kann schöner sein als ein halber Liter und das für 2 Euro.

Weiter geht’s Hoppel-Poppel-Rumpelig auf einem grünen Grasnabenweg übelster Sorte, alle Muskeln werden durchgerüttelt. Doch die Trekkingräder der Oberklasse halten durch, eine Erlösung nach 2 km: der Originalweg. Leicht abseits des Donau-Radwegs strampeln wir in Bad Gögging ein. Ein Heilbad der 70er Jahre auf der Grünen Wiese in der Hochkonjunktur der „Kuren“ errichtet, leicht in die Jahre gekommen und auf Reha umgerüstet. Unser Hotel Centurio gibt sich groß und geräumig und kann alle unterbringen. Das integrierte Restaurant bietet uns einen schönen Clubraum für das Abendessen. Leider müssen einige an den Künsten des Kochs zweifeln, aber Schwamm drüber, morgen geht’s weiter.

Start 9:00 Uhr, durchgezählt, alle anwesend, los geht’s Richtung Donau und „Weltenburger Enge „ein Naturschutzgebiet seltener Art. Laut Wissenschaftler hat das Flüsschen Schatter in Millionen von Jahren das querliegende Felsmassiv ausgespült und dann freigemacht für die Donau, die ihren ursprünglichen Weg durchs Altmühltal aufgab. Der Enge vorgelagert errichteten die Benediktiner 620 n. Chr. ihr Kloster. Hermann klärt auf , die Enge wird mittels Touristenschiff um 11:00 Uhr passiert. Noch 1 Stunde bleibt Zeit um die 1720 von Gebr. Asam als Barockbauwerk prachtvoll errichtete Klosterkirche zu besichtigen. Noch ein Highlite liegt vor uns, die älteste Klosterbrauerei der Welt 1050 erbaut und 1050 km von Rom entfernt. Wen wundert`s, daß zum 500jährigen Jubiläum der päpstlichen Schweizer Garde das Bier von hier nach Rom geschafft wurde. Das Schiff ist startklar und 2,5 m/sec Wassergeschwindigkeit plus Motor ergeben 12 km/h über Grund. Bei km 2.417,4 (v.Schwarzen Meer), 20m Tiefe und 80 m Breite empfängt uns die Enge. Senkrechte Felswände rechts und links mit deutlichen Markierungen des letzten Hochwasserstandes. In der Ferne auf dem Michelsberg die Befreiungshalle erkennbar, von Ludwig I als Gedenkstätte für die Einigung Deutschlands nach den Befreiungskriegen (1813-1815) in Auftrag gegeben.

Viele-Flüsse-Fahrt
Viele-Flüsse-Fahrt
Foto: Skigruppe

Unser MS gleitet nach Kehlheim, ein Blick zurück und die Halle steht unmittelbar vor uns auf dem Berg. Schon strampeln wir weiter, bald ist Mittagessen angesagt, in seltener Uneinigkeit lagern die Grüppchen am Donaustrand. Regensburg, unser nächstes Ziel wird nur gestreift da, Benedikt der XVI. gerade seine Rede hielt. Die Naabmündung liegt vor uns, aufwärts am Fluß entlang radeln wir auf asphaltierten Verbindungsstraßen. Im Wechsel mit Radwegen geht’s weiter, Hügelketten rechts und links, Laub- und Nadelwälder, alles in wunderschöner Eintracht mit der Natur. Die Vils mündet breitflächig in die Naab, Kallmünz mit all seiner Idylle ist erreicht. In zwei Quartieren aufgeteilt fällt die Entscheidung schnell zum gemeinsamen Abendessen im Weißen Lamm (weißes Rössl hat freien Tag).Vorher ein Spaziergang, die Burgruine schwebt hoch über dem Ort, die Steinbrücke und die spiegelnden Häuserzeilen in der Naab gleich vor uns, alles idyllische Fotomotive.

Anderntags, noch klarere Häuserzeilen, Fotomotiv, weiter geht’s, links am Berghang freistehende erodierte Felstürme, aufgereiht wie Zinnsoldaten. Die Landschaft wird freier, Wälder und Landwirtschaft im Wechsel. Bauerngehöfte mit modernen Dächern der Photovoltaik tauchen auf, die EVU`s müssen 50 Cent je eingespeister kwh zahlen. Bei Burglengenfeld taucht die erste Industrieanlage auf, ein Zementwerk moderner Bauart. Die Bergrücken werden flacher, die Blicke weiter, kurz vor Schwandorf passieren wir neue Fertigungsgebäude der Bayerwerke. In der Ferne Wackersdorf, der Chemie-Standort. Hier wollte einst F J S die Atommüll-Endlagerprobleme Deutschlands im Handumdrehen lösen, leider mindestens eine Nummer zu groß, es wurde nichts.

Unser Blick geht nach vorn, bald ist Schwarzenfeld erstrampelt. Das Schloß reizt unsere Blicke, mehrfach abgebrannt liegt es super renoviert in einem weiträumigen Park als 4,5 Sterne Seminar-Hotel vor uns. Nebenan die sanierte Pfarrkirche mit strahlend hellem Gewölbe, aufwendigen Fresken und schönen Deckengemälden. Radeln radeln Naaburg Pause, eine Eisdiele muß es sein. Im Giebelschatten des hohen Gebäudes viel Platz für alle. Leckereien in Hülle und Fülle, Erholung pur.

Unser nächstes Quartier Wernberg Köblitz winkt, der Radweg nach dort ist leider durch Autobahnbau blockiert, es geht nur über eine viel befahrene Kreisstraße weiter. Artig teilen wir uns in 5er Gruppen mit entsprechenden Abstand auf. Die ansteigende Strecke ist mehr als nervig, überholende LKW`s schieben sich wegen Gegenverkehrs in die Lücken, sie bleiben, denn es sind keine Sprinter. Der Ort bereitete Hermann Unterbringungs-schwierigkeiten und so sind wir auf 4 Quartiere verteilt. Abendessen 19:00 Uhr beim Zehenbartl, modernes Hotel mit erstklassiger Restauration, eine Entschädigung für Bad Gögging.

Neuer Tag neues Glück, bald ist die Naab passé, an der Heidenaab geht’s weiter, das Gelände wird hügelig, die Radwege mit einigen Steilpassagen beginnen. In Freihung vorm Rathaus angelangt wird Ausschau nach einem Biergarten gehalten, fragen bringt nichts. Der Bürgermeister ist blitzschnell auf der Rathaustreppe, Hermann wird umfassend persönlich mit Rat und Kartenmaterial informiert über Ort und Umgebung, das Wichtigste: Das Sportheim am Ortsrand, kompl. mit vollem Küchenprogramm ausgestattet, auf dem Balkon im I.OG unterm Sonnenschirm werden wir vorzüglich versorgt, ein üppiger Salatteller ist der Renner. Zufrieden starten wir, bald liegen Steigungen vor uns, aber dann bergab auf asphaltiertem Superbelag, durch Wälder, Wiesen und Alleen, 3.500m im Traumtempo, mehr als 40 km/h Spitze, das Vilstal erreicht.

Es geht steil bergan, man schiebt oder strampelt, die Kette dem Zerreisen nahe. Hermann: Darf’s etwas mehr sein? Das schafft ihr noch. Der schafft uns noch. Die nächste Steigung in Sicht, nun aber steil in doppelter Länge, eine Verschnaufpause muß sein ,weiter geht’s. Eine Gefällstrecke liegt vor uns, Erholung, und schon fahren wir in Salzbach-Rosenberg ein, eine Kleinstadt mit Fremdenverkehr.

Über neu verlegtes Natursteinpflaster radeln wir zum nächsten Quartier, der Bayrische Hof mit Nachbargebäude, etwas plüschig aber OK. Ein Bummel durch die Altstadt entspannt, gepflegte Gebäude, Stein auf Stein gemauert und verputzt oder Natursteinmauerwerk. Das Rathaus erstrahlt in der Nachmittagssonne, Giebel in Putz und Farbe mit aufgemalten Fugen, die Denkmalspflege schreibst vor. Nebenan riesige stufenförmig angelegte Blumenrabatte in feinster Bepflanzung.

Das Abendessen im verp. Restaurant des Hautgebäudes, übliche Speisekarte. Putenschnitzel mit verdeckter „Kochkunst“ serviert, verbrannt, schade, ein Umtausch muß her. Im Gästehaus ist um 7:30 Frühstück,19 Gedecke, ein Schock, so reicht es nur für 5 Personen. Doch in faszinierender Emsigkeit wird alles nachgereicht, auch Tee und Kaffee sind bald komplett, der Schock wird durch Sättigung abgelöst. 40 km sind heute zu bewältigen, viel Zeit für einen Rundgang unter Hermanns Führung, Ziel ist der 8-eckige Brunnen vorm Rathaus. 8 Bronzetafeln, nahtlos miteinander verschweißt, ergeben die Brüstung. Die Reliefs jeder Tafel zeigen die verschiedensten Motive aus der Geschichte, von einheimischer Künstlerhand liebevoll gefertigt.

Nach 1-stündigem Rundgang wird gestartet, bei leichtem Gefälle haben wir Sulzbach schnell hinter uns, offene Landschaft im Wechsel mit Kiefernwäldern begleiten uns, parallel eine Eisenbahntrasse, deshalb kaum Gefälle oder Steigungen auf dem Fünf-Flüsse-Radweg.

Eberhard hatte sich tags zuvor ausdrücklich bedankt, Propoli und Globoli brachten in wundersamer Weise seine Stimme zurück. Helmut klagt über nächtlichen Durchfall, Propoli und Globoli muß her, was sonst. Hermann steuert einen Pausenplatz unter Apfelbäumen an. Herrliche Ruhe wird bald durch Motorlärm eines Rasenmähers abgelöst. Hermann schindet mit pausenloser Unterhaltung der Bäuerin noch 30 min Pause heraus. Bald sind wir in Hersbruck, ein mittelalterliches Städtchen, der Schwarze Adler nimmt uns auf, ein freundlicher Empfang, Unterbringung im Haus oder Gästehaus nebenan.

Hersbruck, ein Nachmittag mit viel Zeit, in Grüppchen bummelt man, Pause bei Eis und Getränken unmittelbar vorm Rathaus, den Turm mit Aussichtskanzel möchte man besteigen, geschlossen, Beamte auf Amtsausflug. Also ausgiebiger Rundgang, mittelalterlicher Ortskern, mehrere gut erhaltene Stadttore werden eingefangen, die Stadtmauer auf mehr als 100m gebrauchsfähig restauriert, das Schloß ein schönes Fotomotiv ,nebenan die Kirche, Orgelklänge locken uns an, eine Seltenheit hier: ein Fachwerkhaus. Der Adler ruft, Abendessen. Reichhaltig und erste Klasse in Speis und Trank. Propoli und Globoli haben Helmut wieder fit gemacht, er kann essen und trinken. Nach einer guten Nacht folgt das Frühstück, nächste Überraschung, reichhaltiger und variantenreicher denn je in bester räumlicher Atmosphäre. Zur Krönung gibt’s Prosecco zum trinken, nicht zum nippen...

Eine Halbtags-Strecke liegt vor uns, erst gen Westen, dann auf dem „Hermann“weg gen Südwesten, verkehrsreiche Strecken im Umfeld von Nürnberg vermeidend, an land- und wiesenwirtschaftlich betriebenen Gehöften vorbei. Zwischendurch Pause an einem herrlichen See. Helmut nutzt die Zeit um sich im Namen der Gruppe ausführlich bei Ingrid und Hermann für diese einzigartige geplante und ausgeführte Radtour zu bedanken, mit dem Hinweis, daß das Dankeschöngeschenk der Gruppe aus verständlichen Gründen erst am Zielort überreicht wird. Wir radeln weiter durch Kiefernwälder, Nürnberg kündigt sich an, bald durchqueren wir Feucht. Es folgen die drei Unterquerungen A9, ICE-Strecke und A73, schon bekannt vom 1. Radtag, noch 2000m am Ludwig-Donau-Main-Kanal und Stammquartier Röthenbach steht vor uns, ca. 6 x 70, 2 x 40 = 500 km bei 14 km/h in 36 h Fahrzeit zurückgelegt.

Eine traumhafte Urlaubsreise ist zu Ende.

Nicht vergessen, das Geschenk: Eine gemaserte Holzkiste, gefüllt mit prächtigen Weinflaschen, diese verziert durch fein gefaltete Wertpapierchen

Wir freuen uns alle auf FischerTours neue Ideen, auch ich sage voller Begeisterung

Danke

Rolf Bokel

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V., 4. November 2006