Sektion Braunschweig
zweispaltig
Aus dem Mitteilungsblatt 4/2005
Skigruppe

Bergfrühling im Villnösstal!

Eine Wanderwoche, geleitet von Peter Kräher

Peter kennt seit 35 Jahren die dortige Bergwelt und seine Bewohner. Von einem Standquartier am Ende des Villnösstals in St. Magdalena auf 1373m aus erlebten wir 6 schöne Tage vom 19.6. bis 25.6.2005. 23 Wanderfreunde kamen zusammen.

Nach individueller Anreise kamen wir in einem der schönsten und ruhigsten aller Dolomitentäler an. Wir bezogen schöne Quartiere bei freundlichen Bergbauern: Im Oberkantioler Hof bei Familie Obexer bzw. im Unterkantioler Hof bei Familie Mantinger. Die Sonne lachte bei strahlendblauem Himmel und hervorragender Fernsicht. Abends überraschte uns Alpenglühen in den Geißlerwänden. Die Woche in den bleichen Bergen begann vielversprechend.

Auf Grund der hohen Teilnehmerzahl und der unterschiedlichen Konditionen ergaben sich täglich mehrere Gruppen für differenzierte Wanderrouten. Trotzdem war immer gemeinsamer Start und gemeinsame Rückkehr aller Teilnehmer. Prinzip war auch, zunächst per PKW zu höher gelegenen Ausgangspunkten der Tageswanderungen zu kommen. Das ermöglichte uns die eigentlichen Wanderungen in den höheren Lagen besser zu genießen.

Gei�lerspitzen
Geißlerspitzen
Foto: Klaus Barth

1. Tag: Die Eingehtour.

Ab Zanser-Alm 1685m. Über Kasserill-Alm zur Wörndlelochalm und für die Hauptgruppe Aufstieg über einen Jägersteig auf den Zendleser Kofel 2422m und Abstieg vorbei an der Schlüterhütte zur Kasserill-Alm. Hier Einkehrpause und danach zurück.

Peter zeigte und erklärte uns viele Blumen und Vögel. Genannt seien nur: Bergmehlprimel, fleischfressendes Fettkraut, Läusekraut, Enzian usw. und der Gesang der Mönchsgrasmücke. Die bei bester Fernsicht erkennbaren Berggipfel ebenfalls. Bemerkenswert war ein neu geschaffener, rollstuhlgerechter Rundwanderweg mit neuer Bachbrücke im Kasserillbachtal in wunderschöner Bergumgebung.

Am Abend gemütliches Beisammensein in der guten Stube des Oberkantiolerhofes.

2. Tag: Der Munkelweg.

Ab Zanser-Alm 1685m zur Glatschalm 1902m, weiter auf dem Adolf Munkel Weg an der Neuen-Gschnagenhardt-Alm vorbei zur (alten) Gschnagenhardt-Alm 1996m am Fuße der Geisler-Gruppe. Die Hauptgruppe geht weiter über Brogleshütte zum Broglessattel 2119m und noch etwas höher zum Bredles. Zurück auf dem selben Weg.

Wir genossen besonders: Die uralten Leierfichten rund um die Glatschalm, den wunderschönen Adolf Munkel Weg, der weite Strecken durch üppige Bewaldung führte. Eine Gedenktafel zur 100jährigen Wiederkehr der Erbauung erinnerte an Adolf Munkel, den Erbauer und langjährigen (über 30 Jahre bis 1903) 1.Vorsitzenden der Sektion Dresden.
Mit unserem 1. Vorsitzenden ergaben sich humorvolle Wortwechsel zu seiner Dienstzeit.
Nach einer kurzen Mittagsrast auf dem Bredles belohnte uns eine klare Aussicht in das Villnösstal, auf den Tullen und entfernte Gebirgsmassive. Auf dem Rückweg sollte uns hochgepriesener Himbeerkuchen in der Gschnagengardt-Alm erfreuen. Leider war er „fertig“.
Nach 9 Stunden und aufmunternden „zack zack ... , ihr könnt´s laufen lassen ... und locker in den Knien“ waren wir zurück im Quartier.

Am Abend wurden die für den nächsten Tag im Klettersteig nötigen Gurte anprobiert und angepasst. Die fröhliche Stimmung und das bunte Outfit der verschiedenen Versionen ähnelten etwas einer Maskerade. Gut gelaunt klang der Abend mit einem Südtiroler Schoppen aus.

3. Tag: Klettersteig.

Ab Würzjoch 2007m zur Alpe Fornella 2080m. Die Nebengruppen wählten den schönen Wanderweg zum Gömajoch bzw. weiter bis zur Vaciara Hütte. Die Hauptgruppe stieg durch die Peitlerscharte 2357m und dann weiter zum Einstieg in den Klettersteig zum Peitlerkofel 2875m. Zurück auf dem selben Weg.

Das Wetter immer noch super! Blauer Himmel mit leichter Quellbewölkung. Der Anstieg durch die Peitlerscharte war durchaus steil und sehr warm. Ruhige, stetige Tritte waren angesagt. Am Gömajoch kurze Rast mit Ausblick vor und zurück. Dann weiter in steilen Serpentinen zum Einstieg in den Klettersteig. Nach einer Rast wurden die Gurte angelegt und dann erreichten wir überraschend zügig das Gipfelkreuz des Peitlerkofel. Unsere Belohnung war ein sehr schöner Rundblick bei bester Fernsicht trotz vereinzelter Wolken. Die Gebirgsmassive des Alpenhauptkammes zeigten sich klar und deutlich, ebenso die südlichen Dolomiten. Wieder ein ereignisreicher Tag! Die strahlenden Gesichter sprachen trotz der strapazierten Knie Bände.

Gipfelkreuz Peitlerkofel
Gipfelkreuz Peitlerkofel
Foto: Peter Kräher

4. Tag: Ruhetag!?

Sollte es sein, aber folgende Aktivitäten sind uns zu Ohren gekommen: z.B.:
Aufstieg zum Sobutsch 2486m
Wanderung zu den Kofelwiesen 2060m
„Spaziergang“ rund St. Magdalena
Schoppingkulturtour nach Brixen 50km
Wanderung zur Dussleralm mit Glatschalm 1900m.
So sieht es aus, wenn aktive Alte einen Ruhetag machen. Kein Wunder, wir hatten auch unser Vorbild für Alte dabei: Gerd Meyer.
Wetter: Heiß, schwül und wolkig. Abends schmeckte Bier und Wein in geselliger Runde vor dem Haus. Der Vollmond wanderte durch die Geislerspitzen. Sehr romantisch!

5. Tag: Geröllgipfel Tullen.

Ab Zanser-Alm 1685m, den oberen Herrenstieg und den Günther Messnersteig 2453m hinauf zum Tullen 2653m. Abstieg über Kofelwiese und den unteren Herrenstieg zu Zanser Alm.

Diese Route ging die Hauptgruppe. Sie wurde belohnt durch schöne Ausblicke hinauf und hinab. Alpenrosen säumten den Weg. Spektakulär: Ein Gamsbock auf einem Felsvorsprung, postkartenreif. Aufpassen! Kein „Hans guck in die Luft“ werden! Andere hatten das Glück, Edelweiß zu entdecken. Über einen gerölligen Steig weiter zum Tullen 2653m. Von dort schönster Blick auf schneebedeckte Berge: Ortler, Ötztaler-, Zillertaler-Alpen, Großglockner, Venediger, und auf den Peitlerkofel. Herrlicher Abstieg über die blumenbunte Kofelwiese und den waldreichen unteren Herrensteig zurück zur Zanseralm. Viel Grün für die Augen!

Andere gingen den Weg zur Schlüterhütte 2297m. Ein schönes Ziel, denn es gibt vom Wirt einen Gratisobstler, aber nur, wenn man Meyer heißt und 94 Jahre alt ist.

Eine „Einmanngruppe“ folgte dem rufenden Berg schon morgens früh um Uhr 03:00! Von Kantiol über die Mittagsscharte hinauf auf den Sas Rigais 3025m. Bestes Wettertiming, denn für den nächsten Tag war Gewitterneigung vorhergesagt. Zurück um 13:00. Super, Helmut!

Geißlerspitzen
Foto: Peter Kräher

6. Tag: Abschlusswanderung.

Ab Zanser-Alm 1685m über Dussleralm zur Gschnagenhardalm. Zurück auf dem Adolf Munkel Weg über die Glatschalm nach Zans.

Auf dem Weg blumige Wiesen und kühige Weiden. 1. Pause bei der Dussleralm mit Buttermilchgenuß zu Hochgebirgspreisen. Weiter geht´s, immer im Angesicht der Geißlerspitzen. Die tiefschwarzen Gewitterwolken vermittelten eine andere Bergstimmung als an den Tagen zuvor. Ein wenig wie die Wolfsschlucht im Freischütz. Es donnergrollt. Auf der Gschnagenhardalm halten wir Einkehr zur Mittagspause. Neben Milch mit Stich gab es viele leckere Speisen, und der Wirt spielte auf dem Akkordeon. Dazu der Gratisblick auf die zum greifen nahe Geislergruppe. Endlich Wetter, und nicht nur blauer Himmel. Dann zogen wir weiter auf dem Adolf Munkel Weg, vorbei an rostblättrigen Alpenrosen und zirbeligen Kiefern, zur Glatschalm und zurück nach Zans.

Am Abend gemütlicher Ausklang in der guten Stube im Oberkantioler Hof, gemeinsam mit beiden Wirtsfamilien und Akkordeonmusik vom Junior des Unterkantiolerhofes. So manche Flasche Wein wurde getrunken. Es gab interessantes über die jüngere Geschichte und das Zusammenleben der Bevölkerung. Frau Obexer stimmte einen lustigen Kanon an, 3stimmig, und wir sangen bald mit: Unteroffizier, Gardegrenadier, rote Husaren, Haubitzenbatterie ... oder so ähnlich. Dabei musste man abwechselnd aufstehen, reiten und grüßen. Natürlich wurden auch Dankesreden gehalten und Präsente übergeben: Dank an Peter, der uns hervorragend geführt und wieder sicher ohne Blessuren zurückgebracht hat. Zur Erinnerung erhielten Ruth und Peter einen gläsernen Kräher für ihren Garten. Dank auch an die Wirtsleute für die freundliche Aufnahme.
Zum Ende dieser herrlichen Wanderwoche blitzte und donnerte es am schwarzen Nachthimmel: Unser Abschlussfeuerwerk! Auch die Bergbauern hatten in dieser Woche ihre gesamte Heuernte unter Dach und Fach gebracht.

7.Tag: Abreisetag.

Morgens scheint wieder die Sonne. Nach dem Frühstück individueller Aufbruch zu weiteren Urlaubstagen anderswo oder nach Hause. Peter und Ruth winkten uns nach. Sie blieben noch eine Woche. Vielen Dank an beide.

Das Konzept einer Bergwanderwoche mit festem Standquartier auf möglichst großer Höhe ist sicher eine gute Wahl. Wir sind alle älter geworden und können uns so durch an die jeweilige Leistungsfähigkeit angepasste Touren die Freude am aktiven erleben der Bergwelt erhalten. Das war sicher auch ein Grund, warum diese Wanderwoche einen so großen Zuspruch erfahren hatte.

E. und K. Barth

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V., 13. November 2005