Sektion Braunschweig
zweispaltig
Aus dem Mitteilungsblatt 2/2005
Skigruppe

Skigruppenfahrt nach Neuhermsdorf/Osterzgebirge

vom 12.02. bis 19.02.2005

Es regnet Bindfäden auf eine Schneedecke von ca. 50 cm als wir in Neuhermsdorf ankommen. Nicht gerade motivierend - der Gedanke an Wasserski kommt auf. Doch laut Wetterbericht soll es kälter werden. Das Hotel strahlt Wärme und Gemütlichkeit aus und zum Abendessen gibt es ein Drei-Gänge-Menü und eine echt sächsische Spezialität: frisch gezapftes Rechenberger Bier. Brigitte Kähler-Bock begrüßt die 23Mann/Frau starke Gruppe und gibt bekannt, was es wirklich zum Abendessen gab. „ENTE“ - leider ein Hörfehler auch nicht Rinderl“ente“ – sonder ganz einfach Schweinelende. Dann ihre vorsichtige Frage nach der Gruppeneinteilung: Eine langsame und eine schnelle Gruppe stelle sie sich vor. Ergebnis: 1 Meldung für die langsame Gruppe. Spätestens hier frage ich mich: wo bin ich gelandet - wo gehöre ich denn bloß hin? Für den morgigen Tag ist eine Einlauftour zur Fischerbaude vorgesehen ca. 10-12 km. Jetzt kommt auch noch Helmut Hielscher mit der Frage: “Wer ist bereit, den Bericht dieser Reise für das Blättchen zu schreiben?“ Er fixiert mich solange, bis ich mich bereit erkläre. Zum Schluss noch der Hinweis: “Bitte daran denken, dass fast 2500 Mitglieder diesen Artikel lesen und auch Lust bekommen sollen, solch eine Tour mitzumachen.“

Schnee ist reichlich vorhanden
Schnee ist reichlich vorhanden
Foto:DorisRuff

Der nächste Morgen. Draußen Schneesturm. Bei diesem Wetter würde ich meinen Hund nicht vor die Tür schicken. Doch jetzt kommt die Gruppendynamik zum Tragen. Pünktlich um 10.00 Uhr geht es los. Als ob jemand mit Petrus geredet hätte – es schneit nicht mehr und die Sonne zeigt sich ein wenig. Auf dem ehemaligen Bahndamm geht eine gut gespurte Loipe das Freiberger Muldetal hinab. Die Mulde sucht sich hier noch ihr eigenes Bett und vereinzelte Baumgruppen in einer verschneiten Wiesenlandschaft prägen das Bild. Über Torfhaus, den Grenzweg (Tschechische Rep.) entlang kommen wir zum Floßgrabenweg. Hier wurde bis 1874 aus böhmischen Wäldern Holz für Gruben und die Stadt Freiberg geflößt. Nach einer angenehmen Rast in der Fischerbaude geht es zurück. 26 km! Ein wunderbarer Tag.

Die Mulde
Die Mulde
Foto:DorisRuff

Über Nacht hat es gut 10 cm Neuschnee gegeben. Es soll über den Kahleberg (905m) nach Altenberg gehen. Wieder eine bezaubernde, tiefverschneite Landschaft. Das Holperbachtal bzw. das Tal der Wilden Weißeritz entlang dem Kahleberg entgegen. Doch vorher gilt es einen Bach zu überqueren. Ein Loch in der Brücke mit dem gurgelnden Bach darunter übt eine magische Anziehungskraft aus. Doch Helmut Hielscher und Heinz Baaske geben beherzt Hilfestellung. Die Sicht vom Kahleberg ist schlecht. Bei gutem Wetter bestimmt ein Höhepunkt. In dem beschaulichen Altenberg gibt es Kaffee und Kuchen. Gut aufgewärmt geht es zurück. Die herrliche Abfahrt im Tiefschnee zur Herklotzmühle werde ich so schnell nicht vergessen. Da kamen ja richtige Glücksgefühle auf.

Und es schneit weiter. Durch das Gimmlitztal geht es am nächsten Tag durch unberührte Natur zur Weicheltmühle. Heute ein Technisches Denkmal, dass bis 1897 als Mahlmühle betrieben wurde - ab 1901 weiter als Futterstampfe. In 8 Std. konnten so 500 kg Getreide gestampft werden. Auch Knochen wurden zu Düngemittel verarbeitet. Der Rückweg erfordert die volle Aufmerksamkeit und Gespühr von Brigitte Kähler-Bock (u. Helfern), die souverän die Touren führt. Die Sicht wird immer schlechter und die Bezeichnung der Loipen bzw. Skiwanderwege ist einfach unzureichend besonders im Bereich der Gemeindegrenzen.

Ein DIA-Vortrag über die Antarktis am Abend rundet den Tag ab.

Es schneit heftig. Auf nun z.T. schon bekannten Loipen geht es am Großen Lugstein (893 m) und dem NSG Georgenfelder Hochmoor vorbei zum Grenzort Zinnwald. Wir passieren die Grenze und sind in Cinovec angekommen . Brigitte Kähler-Bock sucht das nette Hotel, in dem sie im letzten Winter war. Ein heftiger Wind bläst einem den Schnee ins Gesicht. Ihre sonst so willige Gruppe folgt ihr unter Murren. Sie findet das Hotel. Seit Tagen von der Außenwelt abgeschnitten, das Personal wurde nach Hause geschickt, bereitet der Wirt viel Tee für uns - Essbares ist ihm ausgegangen. Es ist warm im gemütlichen Gastraum. Der Gedanke, mit dem Bus zum Hotel zurückzufahren, kommt auf. Doch der gesamte Busverkehr ist eingestellt. Überall Schneeverwehungen. Noch einmal geht es bergauf. Den Wind nun im Rücken genießen wir lange Abfahrten. Bloß gut, dass kein Bus fuhr. Am nächsten Tag können wir uns in der „Sächsischen Zeitung“ entdecken, die von den chaotischen Schnee- verhältnissen in Zinnwald und Umgebung berichtet.

Die Loipen sind in einem hervorragendem Zustand. Die Tour geht heute nach Deutsch-georgenthal. Raureif in den höheren Lagen hat die Landschaft verzaubert. Immer wieder Bäche mit glasklarem Wasser, verschneite Bäume und Pulverschnee vom Feinsten. Da macht Langlauf einfach Spaß.

Am letzten Tag Sonnenschein und Raureif. Eine spätgotische Dorfkirche mit einer kostbaren Silbermann-Orgel in Nassau wird besichtigt.

Gerhard Meyer, unser Senior
Gerhard Meyer, unser Senior
Foto:DorisRuff

Insgesamt wurden in dieser Woche 136 km auf Langlaufbrettern zurückgelegt und 2320 Höhenmeter bewältigt. Es hat Spaß gemacht - ich denke gerne an die Abende und lebhaften Unterhaltungen in gemütlicher Runde. Bei dieser Gelegenheit ein herzliches Dankeschön an Brigitte Kähler-Bock für die gut ausgesuchten Touren und hervorragende Führung und allen, die mithalfen, dass keiner verloren ging bzw. allzu stumpfe Schuppenski glätteten. Meine ganz besondere Bewunderung gilt jedoch Gerhard Meyer, der mit 93 Jahren - immer gut gelaunt - diese Reise mitmachte.

Der Skigruppe wünsche ich, dass nur 10% der Mitglieder der DAV Sektion BS Freude an diesem Bericht haben und im nächsten Jahr an der Langlaufwoche teilnehmen werden. Gäste sind willkommen – müssen aber manchmal den Bericht schreiben. Inzwischen bin ich Mitglied!

Doris Ruff

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V., 21. Mai 2005