Sektion Braunschweig
zweispaltig
Aus dem Mitteilungsblatt 4/2004
Skigruppe

Vom Bier zum Wein – eine Radtour im Maintal

Am Schluss der letztjährigen Radtour der Skigruppe durch das Werratal hatte deren Organisator Hermann Fischer gleich eine noch längere und anspruchsvollere Tour in Aussicht gestellt, die für ihn zudem den besonderen Reiz haben sollte, durch sein Geburtsland Franken zu führen. So waren die Erwartungen hoch gespannt, als „Hermann der Franke“ den konkreten Plan für eine 420 km lange Radtour in 7 Etappen vom Roten Main bei Bayreuth bis nach Aschaffenburg vorstellte. Der Plan – Ergebnis einer engagierten Vorbereitung – machte Lust auf Teilnahme.

Am 14.09.2004 machen sich 15 Teilnehmer frühmorgens auf den Weg zum Ausgangspunkt Altdrossenfeld, einem idyllischen Ort am Roten Main zwischen Bayreuth und Kulmbach, wo alle pünktlich eintreffen. Wir beziehen unser Quartier in einem Gasthof, der zu einer der für diese Gegend („Bierfranken“) typischen kleinen Brauereien gehört. Die Fahrräder bleiben für heute wohlverwahrt in einer Garage zurück; wir fahren mit dem Linienbus nach Bayreuth.

Bei der Ankunft dort erleben wir zum ersten Mal, wie sich der „Heimvorteil“ von Hermann auswirkt: Wir werden von Dr. Gerhard Zuber, Richter im Ruhestand und Schulkamerad von Hermann, sowie seiner Frau Lilly in Empfang genommen; eine sehr individuelle und zugleich kompetente Stadtführung ist uns sicher. Vom Dach des modernen Rathauses gewinnen wir einen Überblick: Die Altstadt ist beherrscht von den für eine barocke Residenzstadt typischen Bauten – Altes und Neues Schloss, Opernhaus, Kirchen – etwas ferner sehen wir den „Grünen Hügel“ mit dem Festspielhaus, auch viele Industriegebäude. Beeindruckt sind wir von der reichen barocken Innenausstattung des Opernhauses, die fast unverändert so erhalten ist wie sie im 18. Jahrhundert geschaffen wurde. Richard Wagners Villa „Wahnfried“ darf bei dem Rundgang natürlich nicht fehlen. Uns fällt auf, dass in der Altstadt Fachwerk fast völlig fehlt; Buntsandstein gibt den Häuserfronten ihr charakteristisches Aussehen. Gelegentliche Regenschauer halten uns nicht davon ab, in einem Straßencafe einzukehren. Es ist relativ wenig Betrieb auf den Straßen; laut Gerhard Zuber ist nur während der Festspielwochen in Bayreuth etwas los. Ein schneller Gang durch ein modernes Einkaufszentrum beschließt unsere Stadtbesichtigung, bevor wir nach Altdrossenfeld zurückfahren. Ein reichhaltiges Abendessen im Brauereigasthof, bei dem Gerhard und Lilly Zuber unsere Gäste sind, ist der Auftakt zu einem geselligen Abend, an dessen Ende Hermann nicht vergisst, die Zeiten für Frühstück und Abmarsch zu bestimmen. (Dieses Ritual wiederholt sich allabendlich.)

Karlstadt
Karlstadt
Foto: K. Barth

Am nächsten Morgen geht es dann zur Sache. Es ist sonnig, die Temperatur angenehm, im Laufe des Tages nimmt der Wind allerdings zu – natürlich von vorn. Der Radwanderweg ist gut ausgeschildert. Zunächst geht es entlang des Roten Mains durch Wiesen, auf denen viele Herbstzeitlosen blühen, vorbei an kleinen Dörfern und Höfen. Dann folgt der Radweg einer alten Bahntrasse, die gleichmäßig steigend durch einen Wald auf eine Anhöhe führt; herrliche Ausblicke auf die Höhen des Fichtelgebirges und des Frankenwaldes bieten sich hier. Die Plassenburg bei Kulmbach kommt in Sicht, wir queren den Roten und bald danach den Weißen Main ganz in der Nähe des Zusammenflusses. Wir fahren nicht nach Kulmbach hinein – hier wie auch im weiteren Verlauf der Tour vermeiden wir die Durchquerung großer Ortschaften.

Wir bemerken bald, dass das Maintal, dem unser Weiterweg nun im wesentlichen folgt, ein bedeutender Wirtschaftsweg ist; neben der Wasserstraße durchziehen es Eisenbahnlinien, verkehrsreiche Straßen und Hochspannungsleitungen. Industrieanlagen und Gewerbegebiete unterbrechen oft krass die ursprüngliche Flussauen- und Ackerlandschaft. Der Radweg, meist gut angelegt und glatt asphaltiert, ermöglicht ein zügiges Tempo. Lästig ist nur das oft notwendige Queren der Bahnlinie und der Straßen. Kurz vor Schwürbitz lädt die Brücke über den Main zu einer spontanen Rast ein; der Ort mit seinen Fachwerkhäusern bildet dazu einen malerischen Hintergrund. Der Main hat hier schon die Breite wie etwa die Oker in Braunschweig. - Wir nähern uns Lichtenfels. Dort wird das Tal enger, die Höhen rechts und links werden schroffer. Von dort grüßen bereits die Türme des Klosters Banz. Wir durchqueren die Altstadt von Lichtenfels und streben unserem Quartier im Vorort Reundorf zu.

Dort treffen wir uns nach kurzer Pause wieder, um – jetzt ohne Gepäck - zur Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen zu fahren. Das Wetter hat sich bislang gehalten, jetzt erstrahlt die Landschaft sogar in der Abendsonne, während wir den steilen Weg zur Kirche hinauf fahren (oder schieben). Die Turmfassade der Kirche leuchtet in der tiefstehenden Sonne, die die barocken Strukturen plastisch hervortreten lässt und auch im Inneren der herrlichen Architektur Balthasar Neumanns zusätzlichen Glanz verleiht. Jeder genießt dieses Bravourstück barocker Baukunst auf seine Weise, bis plötzlich zur Eile gemahnt wird: Draußen sind überraschend dunkle Wolken aufgezogen, aber wir haben keine Chance, dem heftigen Regenguss zu entkommen. Beim üppigen Abendessen und anschließenden Beisammensein ist das schnell vergessen; die ersten 70 km liegen hinter uns.

Dichter Nebel liegt im Maintal, als wir uns am nächsten Tag pünktlich um Hermann zum Aufbruch scharen. Aber der Nebel lichtet sich bald, die Sonne bricht durch, frisch gepflügte Felder glänzen feucht, Nebelschwaden ziehen über die Wiesen, auf denen hier und da Graureiher stehen, regungslos auf Beute lauernd. Das Maintal ist fruchtbares Ackerland; neben Zuckerrüben dominieren Maisfelder, die gerade abgeerntet werden, auch Sonnenblumen und Gemüse werden angebaut und natürlich passieren wir viele Obstplantagen, reife Zwetschgen leuchten weithin, doch dummerweise ergeben sich gerade dort nicht die kleinen Pausen, die hin und wieder eingelegt werden müssen. Am Ende einer Ortsdurchfahrt ertönt von hinten lautes „Halt“ und „Hallo“, von einer Panne oder gar einem Sturz ist die Rede. In einer etwas schwungvoll genommenen Kurve hat sich bei Walter das Gepäck mitsamt Gepäckträger selbständig gemacht. Aber schon sind versierte Bastler dabei, den Gepäckträger wieder festzuschrauben, begleitet von den guten Ratschlägen der Umstehenden. Walter muss sich auch ein paar bissige Bemerkungen zum Zustand seines „Spaßfahrrades“ gefallen lassen. – Weiter geht die Fahrt auf gut angelegten Radwegen und asphaltierten Feldwegen. Hier kann man auch gut nebeneinander fahren und sich unterhalten.

Bei Rattelsdorf verlassen wir den ausgeschilderten Radweg, um abzukürzen und die Ortsdurchfahrt durch Bamberg zu vermeiden. Statt dessen wollen wir durch die Haßberge fahren, die schon eine Weile vor uns aufragen. Hinauf geht es durch Wiesentäler, Wälder und kleine Dörfer. Wir lernen, dass es auch hier einen Rennsteig gibt, der über den Kamm der Haßberge führt. Wir kreuzen ihn an der höchsten Stelle unserer Straße. Dann geht es in schneller Fahrt ins Maintal hinab. Hier ist der Main, nachdem er Pegnitz und Main-Donau-Kanal aufgenommen hat, eine breite Schifffahrtsstraße mit zahlreichen Schleusen geworden, deren Betrieb insbesondere den Segelbootbesitzer Klaus interessiert. Ein großes Gewerbegebiet mit verwirrenden Straßenführungen bereitet uns etwas Mühe, bevor wir wieder den bezeichneten Radweg am linken Mainufer erreichen. An der Wallfahrtskirche Maria Limbach – natürlich ein Bau von Balthasar Neumann – rasten wir. Die Steilhänge an der gegenüberliegenden Talseite zeigen Spuren aufgelassener Weingärten: Weinfranken kommt näher! In Zeil am Main gibt es wegen eines Defektes einen Aufenthalt just an der schönsten Stelle des Ortes, dem Marktplatz mit herrlichen Fachwerkhäusern und einer Kirche. So wird diese erzwungene Pause zu einem Genuss, vor allem, weil wir auch schnell eine kleine Brauerei mit einem lauschigen Biergarten entdecken und nutzen. Dann aber drängt Hermann zur Weiterfahrt. Wir verlassen wieder das Maintal, um nach Königsberg (in Bayern) zu gelangen. Der Weg führt großenteils auf einer Bahntrasse entlang, eine Genussfahrt durch eine weite Senke, in der unterhalb der Haßberge Königsberg auftaucht, überragt von einer Burgruine. Wir bewältigen einen letzten scharfen Anstieg, durchfahren den idyllischen Ort auf schmalen Kopfsteinpflasterstraßen und beziehen nach einer Tagesleistung von 72 km im „Goldenen Stern“ direkt im Zentrum ein komfortables Quartier. Offenbar sind wir die einzigen Gäste, und bei dem anschließenden Rundgang kommt uns der Ort fast wie ausgestorben vor. Dabei stellt er mit seinem mittelalterlichen Stadtbild und einem Ensemble schönster Fachwerkhäuser eine Touristenattraktion ersten Ranges dar. Von der Burg haben wir einen herrlichen Fernblick auf Haßberge und Steigerwald.

Beim abendlichen Zusammensein vergessen wir nicht, dass zur gleichen Zeit in Braunschweig der Skigruppenabend stattfindet. Helmut vermutet, dass die größere Zahl von Mitgliedern in Königsberg versammelt ist. Beschlüsse werden jedoch nicht gefasst – außer dem, noch ein weiteres Getränk zu bestellen.

Strahlender Sonnenschein beflügelt unseren Aufbruch am nächsten Morgen, zudem erwartet uns eine zügige Fahrt hinab zum Main. Doch schon bald gibt es eine ungewollte Pause. Walter vermisst sein Handy, glaubt, es im Hotel vergessen zu haben und fährt zurück, dabei befindet sich das vergessen geglaubte Handy – gemeinsamer Besitz des Ehepaares Sprenger – bei Elsbeth. Mit kritischen Anmerkungen wird nicht gespart. Hermann gelingt es mit vielen Telefonaten, alles glücklich enden zu lassen, aber nun mahnt er zur Eile. Bei Haßfurt erreichen wir wieder den Maintal-Radweg, der uns nach Schweinfurt weiterführt. Kurz vorher merken wir, warum es Hermann so eilig hatte: Seine Schwester Heidi Fischer empfängt uns auf einem Grillplatz mit Brezeln, Schnäpsen und anderen Getränken. Eine gelungene Überraschung, der Höhepunkt des „Heimspiels“ von Hermann! Nach herzlichem Dank und Abschied von Heidi Fischer geht es weiter nach Schweinfurt, wo uns Hermann Erläuterungen zur Stadt und insbesondere ihrer Industriegeschichte gibt, aber wir berühren sie nur entlang des Mainufers. Wir wechseln auf die linke Mainseite und machen an der Kreuzkirche von Grafenrheinfeld kurz Rast. Vorbei am Kloster St. Ludwig folgen wir dem jetzt gewundenen Lauf des Mains durch die Weinberge. Kurz vor Volkach kommt Hermanns nächste Überraschung: Seine Schwester Heidi erwartet uns wieder mit Erfrischungen. Sie bewacht unsere Fahrräder, während wir einen steilen Weg zur Wallfahrtskirche „St. Maria im Weingarten“ hinaufsteigen. Kostbarster Schatz ist die in Holz geschnitzte Madonna im Rosenkranz, ein Spätwerk Tilman Riemenschneiders. - Wir entschließen uns zu 7 km Umweg um die Mainschleife herum, der sich lohnt. Weinberge so weit das Auge reicht! Schließlich erreichen wir Münsterschwarzach, wo wir in der Nähe der Benediktiner-Abtei unser Hotel vorfinden. 80 km haben wir heute zurückgelegt.

Beim Abendessen treffen wir – nächste Überraschung! – Lilly und Gerhard Zuber, unsere Begleiter in Bayreuth. Es wird ein lustiger Abend mit überbordender Fröhlichkeit. U. a. führt die Tätowierung eines Edelweiß auf der Schulter der charmanten Bedienung zu dem Vorschlag, so etwas als Ehrung für 40jährige Mitgliedschaft in der Sektion Braunschweig einzuführen.

Das Läuten der Glocken der Abteikirche weckt uns früher als sonst, und pünktlich geht es am noch kühlen, aber sonnigen Morgen weiter. Wieder freuen wir uns am Anblick tauglänzender Wiesen, der Reiher auf den abgeernteten Feldern und der bewaldeten oder mit Weingärten bestandenen Berge, die das Tal mal enger, mal weiter rechts und links begrenzen. Wir überqueren den Main einmal auf einer Fähre. Heute wird es richtig sonnig, und Hermann lässt zum Ausziehen der warmen Kleidung halten. Mir erscheint für den umständlichen Wechsel der langen gegen eine kurze Hose eine nahe gelegene Bank geeignet, auf der allerdings schon eine Frau mit ihrer kleinen Tochter sitzt. Auf Anfrage erlaubt sie mir, die Bank zu benutzen. Für den Rest der Truppe muss der Anblick dieses Vorganges sehr erheiternd, vielleicht auch etwas peinlich sein, jedenfalls bricht lautes Gelächter aus und ich muss mir noch einige spöttische Bemerkungen gefallen lassen. Immerhin wird mir versichert, dass man mich gegen einen möglichen Vorwurf des Exhibitionismus kollektiv in Schutz genommen hätte.

Bei Marktbreit erreichen wir die Spitze des Maindreiecks. Wir machen kurze Rast am Mainufer und werfen nur von ferne einen Blick auf diesen Ort mit seinen mittelalterlichen Kirch- und Wehrtürmen. Bei Ochsenfurt überqueren wir den Main auf einer verkehrsreichen Brücke, von der aus wir einen Blick auf die Silhouette dieser ebenfalls turmbewehrten Stadt werfen können. Unser Zwischenziel ist Sommerhausen. Die enge Hauptstraße ist beidseitig von vielen Weinkellereien und –lokalen gesäumt. Hier machen wir Pause, die jeder auf seine Art gestaltet, z.B. auf Steinstufen an der Kirche. Der Besitzer des benachbarten Wohnhauses erzählt uns etwas über den Ort. Wir erfahren, dass dieser nicht nur zur Weinlese gut besucht, sondern auch sonst als Heimstätte von Künstlern sowie mit Märkten und Ausstellungen attraktiv ist.

Nicht mehr weit ist es nun zu unserem heutigen Etappenziel in Randersacker, das wir am frühen Nachmittag nach „nur“ 40 km erreichen. Auf dem Programm steht eine Busfahrt nach Würzburg. Unter Hermanns bewährter Führung machen wir einen Rundgang: Universität, Hofgarten, Residenz, darin insbesondere die Hofkirche – das Hauptwerk Balthasar Neumanns - Barockbauten in der Innenstadt und schließlich die Alte Mainbrücke sind die Stationen. Die gesamte Innenstadt ist heute Schauplatz eines Volksfestes; Lärm und buntes Treiben allerorten, so dass wir Mühe haben, uns nicht zu verlieren.

Das Abendessen in einem Weinlokal in Randersacker rechtfertigt den guten Ruf dieses Hauses. Aber heute reicht uns das nicht; wir ziehen weiter durch schummrig beleuchtete Gassen, vorbei an vielen gut besuchten Lokalen, finden eines, das Elke und Klaus für uns ausgekundschaftet haben, und probieren weitere Weinsorten durch. Beim Weg zum Hotel ist so manch einer froh, sich bei Freunden zur Erhaltung des Gleichgewichts einhaken zu können.

Ausgerechnet beim Start am folgenden Morgen beginnt es zu regnen. Erstmals kommt die Regenausrüstung zum Einsatz. Schon ziemlich durchnässt erreichen wir Würzburg, und an einer halbwegs geschützten Stelle wird Halt gemacht, um mich zu verabschieden, da ich hier die Tour beende und mit der Bahn nach Braunschweig fahre. Hermann hat dazu ein nettes Gedicht verfasst, das nach der Melodie der „Vogelhochzeit“ vorgetragen wird. Herzlicher Abschied, während der Himmel weint…

Eberhard Fay

Startklar in Lohr
Startklar in Lohr
Foto: B. Willems

Der Himmel weinte so lange, bis sich Eberhard endgültig verabschiedete. Danach klarte der Himmel etwas auf und wir konnten uns bald der Regenkleidung entledigen. Bei der 11-Uhr-Pause kam Helmut doch noch zu seinem Pflaumenbaum, der ganz in der Nähe des Rastplatzes stand. Auch die Früchte des vorhandenen Nussbaumes wurden auf Reife geprüft. Die Mittagspause machten wir bei Gemünden. Rolf erfuhr während eines Telefonates, dass seine Frau krank war, und fuhr ebenfalls mit der Bahn nach Haus. Nun fuhren nur noch 13 Personen weiter unserem Etappenziel Lohr am Main entgegen. Hier kamen wir ohne weitere Zwischenfälle und bei schönem Wetter nach knapp 70 km im Hotel Krone an. Am Nachmittag haben sich die meisten mit einem Stadtplan bewaffnet die herrliche Innenstadt mit den vielen Fachwerkhäusern und die Pfarrkirche St. Michael angesehen. Gepflegte Blumenkübel gaben dem Stadtbild eine besondere Note. Zum Abendessen waren wieder alle versammelt und gaben sich den Köstlichkeiten der Küche hin. Auch die angekündigten Besucher Brigitte und Helmut trafen pünktlich zum Essen ein.

Montag, den 20.09. verabschiedeten wir nach dem Frühstück Brigitte und Helmut, nachdem Helmut die komplette Radgruppe fotografisch festgehalten hatte.

Um 9.20 Uhr starteten wir, nachdem wir uns vorher mit Lebensmitteln versorgt hatten, entlang des Mainvierecks in Richtung Großheubach. Bei trockenem Wetter erreichten wir nach einem Abstecher durch Marktheidenfeld, wo der „Fischerbrunnen“ zu finden ist, gegen 12.00 Uhr Wertheim. Hier gab es dann die Leberkäsepause im Stehen. Unser sonst meist so schön ausgebauter und überwiegend asphaltierter Radweg führte über eine Eisenbahnbrücke, wo es so eng war, dass man bei „Gegenverkehr“ absteigen musste, um einer Kollision aus dem Weg zu gehen. Die Gepäcktaschen waren dabei sicherlich nicht dienlich. Mit leichtem Gegenwind erreichten wir dann nach fast 86 km gegen 16.30 Uhr die Weinklause Rosenbusch der Fam. Stich in Großheubach. Der Rest des Nachmittags stand zur freien Verfügung. Walter und Elsbeth kletterten noch mehrere Stufen zum Kloster Engelsberg hinauf. Manche haben auch nach 86 km Rad fahren eben noch Power! - Als Koch und Chef hatte Herr Stich nach dem Aufräumen der Küche noch lange keinen Feierabend, denn die Gäste aus Braunschweig hatten um musikalische Einlagen gebeten. Dieser Bitte wurde auch prompt nachgekommen. Herr Stich spielte mit dem Keyboard auf. Immer wieder musste der Holzmichel dran glauben, der immer noch lebt. Die Stimmung in der Gruppe stieg und es wurde kräftig gesungen. Ohne Keyboardbegleitung war der Gesang zwar nicht so schön, aber laut. Schließlich griff Herr Stich wieder ein, als unser Gesang nicht nur mehrstimmig wurde, sondern auch noch aus verschiedenen Liedern gleichzeitig bestand. So wie alles hatte auch dieser schöne Abend leider ein Ende.

Gegen 9.20 Uhr fuhren wir am 21.09. mit dem Bus nach Miltenberg. Auch dieser Ort besteht im Kern aus hübschen Fachwerkhäusern. Zudem soll hier das älteste Gasthaus Deutschlands stehen. Im Gasthaus „Zum Riesen“ soll bereits Barbarossa gesessen haben. Vorbei an diesem Gasthaus gingen wir hinauf zur Burg. Von hier aus hat man einen weiten Blick ins Land, auf das Kloster Engelsberg und den Main. Wir bummelten noch ein wenig durch die Straßen und fuhren bald mit dem Bus zurück nach Großheubach. Dort beluden wir die Räder, und auf ging es zur letzten Etappe nach Stockstadt bei Aschaffenburg. Doch dann kam es mal ganz dick. Wir wollten den Main überqueren und es gab auch eine Brücke. Aber um auf die Brücke, die eine Schleusenbrücke war, zu kommen, mussten wir mit den Fahrrädern Treppenstufen steigen. Es war eine ganz schöne Plackerei. Natürlich ging es auf der anderen Seite der Brücke per Stufen wieder runter. Zur Belohnung gab es dann in Elsenfeld noch eine Pause in einem Eiskaffee. Um 16.25 Uhr hatten wir die letzte Etappe geschafft und waren im Hotel Schierstein in Stockstadt bei Aschaffenburg. 45,5 km waren wir gefahren. Wir bezogen die Zimmer und fuhren dann mit dem Zug zurück nach Aschaffenburg. Zunächst zur Burg, an der wir bereits mit dem Rad vorbei gefahren waren. Dann noch in die Stiftsbasilika St. Peter und Alexander in der sich u.a. das Bildnis der „Beweinung Christi“ von Matthias Grünewald befindet.
Da unser Hotel in Stockstadt keine Restauration betrieb, besuchten wir in Aschaffenburg ein nettes Lokal zum Abendessen. Leider fuhr der letzte Zug nach Stockstadt bereits um 19.47 Uhr, so dass wir noch einmal die Lokalität wechselten. Wir besuchten in Stockstadt noch ein Restaurant, in dem wir noch ein Glas Wein zu uns nahmen, welches anlässlich des Hochzeitstages von Walter ausgegeben wurde. Auch ein Jubiläum stand auf dem Programm. Das Reisebüro Fischer-Reisen feierte sein einjähriges Bestehen und bekam dazu nebst einer kleinen Aufmerksamkeit eine Urkunde und die besten Wünsche für die Zukunft.

Der Mittwoch, 22.09. war der Tag der Heimfahrt. Die Fahrer mussten bereits kurz nach 8.00 Uhr mit dem Zug nach Kulmbach fahren, wo sie von der Fam. Schnupp aus Altdrossenfeld abgeholt und zu den Autos gefahren wurden, die ja dort auf dem Hotelgelände geparkt standen. Die Frauen konnten in Ruhe frühstücken
und beschlossen, mit dem Rad in das etwa 12 km entfernte Seligenstadt zu fahren. Das Wetter war gut. Als wir in Seligenstadt ankamen, gingen wir zunächst in die Klosterkirche der ehemaligen Benediktinerabtei. Die Abtei wurde 828 von Einhard gegründet, dem engen Vertrauten und späteren Biographen Karls des Großen. Als wir die Basilika verließen, fing es an zu regnen. Nach dem Genuss eines heißen Getränkes im Klosterkaffee hatte der Regen aufgehört und wir bewunderten die vielen verschiedenen Pflanzen des Klostergartens. Der Kräuterabteilung, in der auch die Wirkung der Kräuter abzulesen war, galt ein besonderes Interesse. Wir kamen an einem Schlachter vorbei, bei dem es belegte Brötchen gab. Genau das Richtige für uns. Nicht weit entfernt gab es auch einen Bäcker, der frischen Kuchen und Klosterbrot zu verkaufen hatte. Auch ein Souvenir konnte im historischen Stadtkern noch ergattert werden. Ein Blick auf die Uhr sagte uns, dass wir bald wieder nach Stockstadt zurück mussten. Für eine Einkehr in eine Eisdiele reichte die Zeit gerade noch. Dann wieder auf das Rad und zurück nach Stockstadt. Als wir dort ankamen, waren die Fahrer bereits mit den Autos dort. Also konnten gleich die Räder und das Gepäck verstaut werden. Um 15.00 Uhr traten wir dann individuell die Heimreise nach Braunschweig an.

Insgesamt gesehen war es für alle eine tolle Radtour. Sicher werden sich im nächsten Jahr wieder viele dem Fischer-Reisebüro anvertrauen, das wie bereits im letzten Jahr, auch diese Tour hervorragend durchgeführt hat. Wir bedanken uns sehr dafür bei Ingrid und Hermann.

Brigitta Willems

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V., 30. Oktober 2004