Sektion Braunschweig
zweispaltig
Aus dem Mitteilungsblatt 2/2004
Skigruppe

Eine Winterreise

Die Skigruppe in Norwegen

Eine Reise nach Norwegen hatte sich die Skigruppe vorgenommen. Da gab es keine Frage für uns: da wollen wir mit. Ebenso dachten 25 andere Skifahrer. Es konnten sogar langjährige Mitglieder vom Bodensee - Hans Hermann und Sigrid Reiche - und aus dem Schwabenlande – Dieter Nagel - motiviert werden. Nicht so weit hatten es Frauke und Lutz Faulstich aus Haldensleben. Karin und Jürgen Reinefeld aus Fröndenberg sind sowieso immer dabei. Und Skifreund Ralf Führmann vom Skiclub Torfhaus wollte bei uns auch einmal hereinschnuppern.

Helmut Hielscher hatte mit Frau Gerti die Organisation übernommen und damit viel Arbeit. Ausgesucht wurde das Hoyfjellshotell Rondablikk im Nationalpark Rondane, ca. 300 km nördlich von Oslo. Die Firma Sausewind, Spezialist für Norwegenreisen, sorgte für Fahrt und Unterkunft. Alles bekamen wir schriftlich und Helmut sicher viele Anrufe. Weil man ja alles ganz genau wissen wollte.

Ein Informationsabend wurde veranstaltet. Herr Haufe, der schon mehrfach mit einer MTV-Gruppe in der gleichen Gegend unterwegs war, teilte uns seine Erfahrungen mit und konnte fast alle unsere Fragen beantworten. Karin Pape hatte sich um eine Reiserücktrittsversicherung gekümmert, die, dem Himmel sei Dank, niemand in Anspruch nehmen mußte. Nur bezahlen mußten wir noch. Dann konnte es losgehen.

Große Koffer und noch größere Skisäcke wurden am Braunschweiger Busbahnhof im Bauch des Busses verstaut. Frank, unser Busfahrer, brachte uns sicher von Braunschweig nach Kiel. Die große Fähre M/S Prinsesse Ragnhild wartete schon auf uns. Wir checkten ein, der Bus fuhr in das Parkdeck und wir richteten uns in unseren zwar kleinen aber zweckmäßigen Kabinen ein.

Als das Schiff pünktlich ablegte, waren wir alle auf dem Oberdeck. Von Helmut Kähler wurden fast alle die Schifffahrt betreffenden Fragen geduldig beantwortet. Wer hat schon einen sachkundigen Kapitän in der Gruppe. Weiter draußen auf der Ostsee wurde es kalt. Da waren die Gasträume unter Deck gemütlicher.

Auf dem See Furusjoen
Auf dem See Furusjoen im norwegischen Rondane Nationalpark
Foto: W. Sprenger

Bei Sonnenuntergang fuhren wir unter der Brücke über den Stora-Belt durch. Ein imponierendes Bauwerk. Skandinavien hieß uns willkommen mit einem wunderschönen Abendrot. Dann war Zeit, ein opulentes Abendmahl einzunehmen oder die etwas einfachere Variante im Bistro. Auch gab es noch die Chance alkoholische Getränke zu halbwegs humanen Preisen einzukaufen. Die Nacht mit dem Dröhnen der Schiffsdiesel war gewöhnungsbedürftig.

Nach dem Frühstück hatten wir es eilig an Deck zu kommen. Die Einfahrt durch den langen Oslofjord wollten wir nicht verpassen. Ein Fremdenführer war nicht erforderlich, versierte Norwegenfahrer wie Karlheinz Enke, konnten fast alles erklären. Hier unten liegt die „Blücher“, dort oben ist die Holmenkol-Schanze, da ist das Rathaus und für die „Fram“ wurde extra ein Museum gebaut. Leider waren das die einzigen Eindrücke von Oslo, denn die Stadt wurde im Tunnel durchquert.
Jetzt lagen noch ca. 300 km über Lillehammer, Olympiastadt 1994, und durch das schöne Gutbrandsdal vor uns. Nachdem Frank vorsichtshalber in Kvam Ketten angelegt hatte, ging es hinauf in´s Rondanegebirge. Seit Oslo hatten wir eine geschlossene Schneedecke, die Sonne schien, so daß wir guten Mutes waren und der ersten Skitour freudig entgegensahen.

Das Hotel entsprach, was Lage und Ausstattung angeht, voll unseren Erwartungen. Bei einem Abendspaziergang wurde die nähere Umgebung erkundet. Fazit: alles sehr schön hier. Das reichhaltige Abendbüffet skandinavischer Art begeisterte auch bei eingeschränktem Bierkonsum.

Am nächsten Morgen begann der Ernst des Langlaufens. Um 7 Uhr 30 sahen wir schon einige Mitglieder der Gruppe mit kleinen Beuteln oder mit eindrucksvollen großen Koffern in Richtung Skistall gehen. Das große Präparieren der Ski begann. Zum Glück hatten wir gute Schneeverhältnisse und es wurde nicht so kompliziert wie üblicherweise im Harz. Wer auf Nummer Sicher gehen wollte, nahm vorsichtshalber die „Schuppis“. Aber schneller war man doch mit gut gewachsten Brettern und deshalb übten auch wir uns im Reiben und Polieren mit Grün, Blau und Weiß, bis die Korken dampften. Nur Klister haben wir verschmäht.

Die erste gemeinsame Skitour – zu humaner Zeit von 10 Uhr – sollte nach vorabendlicher Beratung eine Halbtagstour rund um und über den großen See Furusjoen werden. Zum Lunch wollten wir wieder im Hotel sein, wir hatten ja schließlich Vollpension. Das schöne Wetter und die Lust am Skifahren trieb uns dann bis zur Dämmerung hinaus. Die Rondaneberge laut Ibsen: “Hei, welch ein zinnengeschmücktes Schloß! Wie glaset es dort“ lagen vor uns ausgebreitet.

Diesen Bergen galt morgens unser erster Blick. Manchmal haben sie sich eingehüllt, aber meistens haben sie sich nach dem Frühstück schon in ihrer kalten Pracht gezeigt. So auch am zweiten Tag, so daß man sich die weite Strecke nach Rondvasbu vornahm. Dort ist ein Stausee im Gebirge, hoch über dem kahlen Fjell. Durch das liebliche Glittertal, noch mit Birken und Kiefern bewachsen, kommt man auf eine weiße Hochfläche, die unendlich weit wirkte und uns schließlich bis auf einige unentwegte kapitulieren ließ. Eine Woche später, da waren wir gut trainiert, haben wir dann nochmals dieses Ziel bei sonnigem aber bitterkaltem Wetter angestrebt und auch erreicht. Der in den Alpen beliebte Einkehrschwung war leider nicht möglich. So mußten wir unser Lunchpaket auf der Treppe, eine Art Hühnerleiter, einnehmen. Kein Grund für Minuspunkte.

Eine Pause im Glittertal
Eine Pause im Glittertal
Foto: W. Sprenger

Dritter Tag, neuer Tag, neues Glück. Die Loipe führte uns gen Süden nach Gravdalen, ca. 12 km vom Hotel entfernt. An den Schilfhalmen eines kleinen zugefrorenen Sees glitzerten Eiskristalle. Viele Tierspuren ließen mich immer wieder Ausschau halten nach Elch und Schneehase. Aber nichts habe ich gesehen. Die Tiere waren ausgestopft im Hotel zu betrachten. Am Abend in den gemütlichen Aufenthaltsräumen des Hotels waren Fuchs und Hase immer gegenwärtig. Unsere Gruppe verbrachte die Abende mit Ratespielen, Kniffeln und Entfesselungskünsten. Dicke Bücher, Strickzeug und Schach waren auch dabei.

Wichtig war natürlich das Studium der Landkarten und die Tourenvorschläge für den nächsten Tag. Ralf vom Skiclub mußte die zurückgelegten km ausmessen, man wollte es doch genau wissen. Man konnte aber auch einfach früh zu Bett gehen und manchmal gönnte man sich auch ein Bier zum Preise von 7 Euro für 0,5 l.

Über Nacht hatte es ca. 5 cm Neuschnee gebracht und bei gemischtem Wetter fuhren wir auf der Loipe Richtung Kwamsnysaltries. Unterwegs machte sich ein heftiger Wind auf, die Trolle hatten das Regiment übernommen. Auf dem Furusjoen trieben sie uns mit kräftigem Rückenwind schnell nach Hause.

Eine große Skitour stand am nächsten Tag, dem fünften Tag unserer Winterreise, an. Vom Hotel wurde eine Busfahrt durch das Gutbrandsdalen und dann den Berg hinauf nach Hövringen angeboten, eine Ansiedlung mit auf einem weiten Hochplateau verstreuten Hütten. Ziemlich rauhe Gegend. Wir fuhren auf der „Troll-Loypa“, die uns nach rund 30 km wieder zum Hotel zurückbringen sollte. Sie führte durch weite Gebirgstäler, die Berge hießen Klubben, Baskidavass und Salsidewass. Dazu paßte dann auch die Einkehr in die Peer Gynt-Hütte. Da gab es heißen Kakao und Brühe, ich habe auch leckere Waffeln gesehen, es sollen die besten Norwegens sein.

Hermann hatte bei ungestümer Fahrt seinen Skistock zerbrochen, aber patent, wie er nun mal ist, hat er den Stock wieder zurecht „gezimmert“. Die Abfahrt nach Mysuseter wurde rasant, aber nicht sturzfrei gemeistert. Wer zu tollkühn fuhr mußte Bekanntschaft mit dem Tiefschnee machen.

Die Genießer der Gruppe brauchten in Mysuseter schon wieder einen Kakao. Die Unermüdlichen erreichten lange vor Einbruch der Dämmerung das Hotel, wo ein Saunagang die strapazierten Muskeln entspannte.

Nach diesem Marathon wurde der kommende Tag nicht verplant, sollte vielmehr allen Teilnehmern zur freien Verfügung stehen. Das aber wurde von vielen nicht als Einladung zum Faulenzen verstanden, mit dem Ergebnis, daß manch einer einen Rundkurs von mehr als 18 km zurücklegte.

Die Fahrt nach Raphamn, ein absolutes Muß, wurde uns als etwas schwierig geschildert, die reinste Achterbahn, rauf und runter und vereist dazu. Für uns hatte Frau Holle ein Einsehen, eine neue Schneedecke glättete das Auf und Ab. Die Kakaopause tat uns gut und die herrliche Aussicht vom Hotel „Rondaslottet“ entschädigte für alle Mühen. Dieter, der Schwabe, führte uns auf einen wunderschönen Rückweg mit langer Abfahrt, wobei er das Tempo mit dem Ausruf „Raphamn, Raphamn .....“ zu steigern versuchte. Das Abendlicht ließ die Rondane-Berge in vielen Farben bis hin zu einem zarten Lila leuchten. Eine eindrucksvolle Skifahrt.

Unser bereitwillig kommentiertes Erfolgserlebnis veranlaßte einige weitere Mitglieder der Gruppe, so Karin und Bernd, die andere Karin mit Jürgen, Klaus, Willi, Ingrid und Hermann die Raphamn-Tour am folgenden Tage zu wagen. Auch sie waren es sehr zufrieden.

Uns führte der Skiweg an diesem Tag nach Südosten in Richtung Eldabu, ein Ziel, das immer noch wartete von leistungsbereiten Skifahrern angenommen zu werden. Beileibe nicht von mir. Unsere kleine Gruppe begab sich in einem Rundkurs über bekannte Pfade nach Rondablikk zurück.

Ohne Fehl und Tadel war auch dieTour nach Fiskedalen. Brigitte und Helmut führten uns in dieses einsame Tal, wo gütigerweise zwei Norwegerinnen eine perfekte Spur gelegt hatten. Kaiserwetter war bestellt, und am Wendepunkt haben wir auf der sonnigen Terrasse einer Hütte Mittagspause gemacht. Schon früh am Nachmittag warfen Geitryggen und Sukkertoppen lange Schatten in´s Tal. Es wurde ziemlich kalt und Kälte macht bekanntlich schnelle Leute.

Auf der Loipe nach Rondvasbu
Auf der Loipe nach Rondvasbu
Foto: W. Sprenger

In unserem Repertoire fehlte eigentlich nur noch ein wichtiges Ziel, der Sukkertoppen, Hausberg unseres Hotels. Dieter, Heinz und Jürgen hatten ihn bereits am ersten Tage gemeistert. Helmut mit Gerti hatten sich das Kaiserwetter des Vortages dafür ausgesucht. Für uns sah das Wetter eher nach Härtetest aus. Brigitte und Helmut waren bereit, ein zweites Mal aufzusteigen, was für uns sehr angenehm war. Nach 10 Tagen Langlauftraining war das Ziel schnell erreicht und als wir oben auf dem Sukkertoppen standen, hatte es sich so eingemiest, daß von Aussicht keine Spur war. Nach schnellem Foto schnell wieder runter. Karin und Jürgen gesellten sich auch noch zu uns. Die lange Abfahrt im Schneegestöber und die kalte Mittagspause an der Scheunenwand haben trotzdem Spaß gemacht. Eiskalte Finger ließen mich dann wieder Tempo machen. Auch heute hätte ich nicht mit Peer Gynt tauschen wollen, der der Sage nach auf einem Rentier eine wilde Hatz über die Berge machte. Jeder Kilometer war für mich ein Vergnügen.

Ich hoffe, auch alle „hochleistungsorientierten“ Skiläufer sind auf ihre Kosten gekommen. Wem das Tagesprogramm nicht reichte, konnte eine zusätzliche Sprinttour durch das Tal oder auf den Berg machen oder eine Extrarunde mit Heinz um den See. Die Könner-/innen skateten über den Furusjoen und einer fuhr noch schnell nach Venabu. Zu Lachs, Krabben und Ananas waren f a s t alle wieder im Hotel.

Zum Abschiedsabend hatten sich alle pünktlich eingefunden. Wir durften im gediegen ausgestatteten Wohnzimmer der Tine-Hütte feiern. Hermann, unser fränkischer Rhetoriker, fand geschliffene Worte des Dankes für Gerti und Helmut. Klaus, der Pasemann, trug ein elegantes Gedicht vor, in dem er freundliche Worte für alle Teilnehmer fand. Wie das Kaninchen aus dem Zylinder wurden letzte Alkoholvorräte mobilisiert und zu später Stunde lief Karl-Friedrich noch zu großer Form auf.

Wie die Hinreise wurde auch die Rückfahrt routiniert abgewickelt. Nach 14 Tagen freuten wir uns wieder auf das Zuhause. Einige schwangen zu später Stunde noch das Tanzbein in der Prinzess-Lounge der Fähre. Am Elbtunnel in Hamburg hatte uns die Heimat wieder: kilometerlange Staus auf der Gegenfahrbahn.

Alle waren sich einig, es war eine wunderschöne Reise.

Nach jeder Veranstaltung werden üblicherweise die Sponsoren genannt:

  • Gerti und Helmut spendierten viel Zeit für Vorbereitung und reibungslosen Ablauf.
  • Brigitte, Helmut, Jürgen und Hermann waren gute Führungskräfte.
  • Für das Entertainment gaben Hermann, Klaus, Dieter und Karl-Friedrich vieles.
  • Karl-Friedrich konnte mit seinem norwegischen Erfahrungsschatz wuchern.
  • Langjährige Skiwachserfahrungen wurden von Spezialisten beigesteuert.
  • In der Loipe haben natürlich alle ihre letzten Reserven lockergemacht.

Falls jemand nicht ausreichend gewürdigt worden ist, könnte er/sie jetzt großzügig sein.

Elsbeth Sprenger

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V., 9. Mai 2004