Sektion Braunschweig
zweispaltig
Aus dem Mitteilungsblatt 4/2003
Skigruppe

Fünf Tage im Werratal

Eine Fahrrad-Reise der Skigruppe:

1. Tag: Waffenrod – Werraquellen – Dreistromstein – Waffenrod

Mit dem PKW treffen alle Radler am 9. September erwartungsfroh im Berggasthof Hartung in Waffenrod (700 Meter hoch) ein.

Werraquelle Fehrenbach
Werraquelle Fehrenbach
Foto: W. Meister

Fischer-Tours (Hermann und Ingrid) haben für die rund 200 Kilometer lange Tour einen optimalen Startort ausgewählt: rundum schöne Blicke über den Thüringer Wald. Nur mit leichtem Gepäck geht's los. Zum Eingewöhnen sehr angenehm! Die Gruppe radelt sich ein. Der mühsame Weg ist das Ziel. Und nach einigem Schnaufen erreichen wir die beiden Werraquellen Fehrenbach und Siegmundsburg auf etwa 800 m Höhe. Auf dem Rennsteig – Thüringens bekanntester Weg – herrscht lebhafter Betrieb. Die beiden Werraquellen sind als kurze Pause und Motiv für Erinnerungsfotos (5-6 Kameras sind im Einsatz) willkommen. Erwähnt werden muss auch der Dreistromstein. Jede Quaderseite verkörpert symbolisch die Richtung aller Wasserläufe, die in der Ferne zu den großen Strömen Rhein, Weser und Elbe zusammenfließen. Auf dem Heimweg erleben wir stimmungsvolles Wolkentheater.

Wie Spreu und Weizen trennt man sich nach dem Abendessen: Die einen legen sich zur Ruh, die anderen prosten sich noch zu.

2. Tag: Waffenrod – Eisfeld – Hildburghausen – Vachdorf

Während die ersten schon ihre Räder startklar machen, sitzen die letzten noch gemütlich beim guten Frühstück zusammen. Punkt 10.30 Uhr schwingen sich 20 Hinterteile auf mehr oder weniger gefederte Sättel. Die Zeit vergeht rasant: bis nach Eisfeld sausen wir fünf Kilometer bergab. Während einige das Gefühl ausleben, schon wieder nicht richtig bekleidet zu sein, berauschen sich die anderen an der schönen Umgebung oder plauschen miteinander.

Besichtigt werden Hildburghausen mit dem historischen Marktplatz, umgeben von schmucken Bürgerhäusern und dem Renaissance-Rathaus, sowie das Kloster Veßra (1138), ein ehemaliges Machtzentrum des Henneberger Grafengeschlechts.

Die Bergprüfung bei Grimmelshausen ist besonders grimmig. Ab Themar werden wir belohnt mit schönen Fachwerkhäusern und einer naturbelassenen Werratalaue.

Heinz wird überzeugt, "seine" Gangschaltung reparieren zu lassen. Danach klettert er gämsengleich auf die Höhen. Das Tagesziel Hotel Ökomarkt in Vachdorf erreichen wir trotz einiger "Zwangspausen" für Pflaumenpflücker. Was auf dem weitläufigen Gelände des Ökomarktes biologisch angebaut und produziert wird, erklärt uns der "Chef des Projektes". Das Abendessen schmeckt besonders gut, mitschuldig ist das selbstgebraute Bier. Gaudi am Abend mit dem "Fesselspiel".

3. Tag: Vachdorf – Meiningen – Wasungen – Breitungen

Der Himmel ist uns gnädig in Meiningen. Zeit für einen Stadtrundgang. Die Meininger Theaterszene – besonders populär sind Musiktheater und Klassiker – und das Schloss Elisabethenburg beeindrucken. Im Schlossinnenhof wird gevespert.

In Walldorf kommen wir an der besterhaltenen Kirchenburg der Region vorbei. Ein weiteres kontrastreiches Motiv beschert uns Wasungens Altstadt, von Wehrmauern umgeben. Höhe Wernshausen – schon im Jahre 1563 werden hier die ersten Werraflößer erwähnt – fließt alles in Strömen: Platzregen, Landregen, Nieselregen (in Braunschweig soll es aber noch schlimmer gewesen sein). Die Besichtigung der mittelalterlichen Stadt Schmalkalden fällt ins Wasser. Doch die "Regenpfeifer" bleiben fröhlich und meistern einen der steilsten Abschnitte auf der Tour.

In Skaras Landhaushotel angekommen, verabschieden wir uns in der "Luxusgarage" – einem heruntergekommenen Tanzsaal – von unseren braven "Rössern".

4. Tag: Breitungen – Bad Salzungen – Vacha – Heringen – Dankmarshausen

Besonders schön schlängelt sich die Werra zwischen Barchfeld und Bad Salzungen. Die alte Kurstadt Bad Salzungen ist wirklich einige Stunden Aufenthalt wert (für 20 Leute lässt man auch schon mal die Sonne scheinen).

Schon vor über 2500 Jahren sollen keltische Stämme hier gesiedelt und die zahlreichen Solevorkommen genutzt haben. Konsequenterweise wird im Jahre 2000 das erste deutsche Keltenbad eröffnet. Das architektonisch einmalige Gradierwerk (hennebergisch-fränkischer Fachwerkstil), bereichert durch das Rundbauensemble mit Therapieabteilung, Fitnessbereich und Solebewegungsbad sowie der sagenumwobene Burgsee mitten in der alten Stadt – das hat was!

Wieder unterwegs ertönen mehr und mehr Worte wie Pause und Picknick....Unser Führungsduo fackelt nicht lange: innerhalb weniger Minuten wird ein schönes Plätzchen in Tiefenort an der Schiffsanlegestelle der Werra erobert! Himmelblau, sonnig-warm, mampfende Kühe auf saftigen Wiesen und zu allem Überfluss in 30 Metern Nähe ein Supermarkt. Wir haben etwas länger "gepaust".

Das Stadtbild von Vacha, der uralten thüringischen Grenzstadt, enttäuscht uns etwas. Von der wunderschönen Route nach Philippstal müssen wir uns leider viel zu schnell verabschieden. Die fünf Kilometer bis Heringen sind ein krasser Kontrast. Alles ist auf Kalibergbau abgestellt, das heißt Staub, Abgase und Lärm. Immerhin ragt etwas Schönes heraus, sobald die Sonnenstrahlen den über 500 Meter hohen Monte Kali a la Christo einhüllen. Den Monte Kali im Rücken holpern wir auf dem "Bohlweg" durch dichten Schilfgürtel entlang der Werra nach Dankmarshausen, einer der schönsten Streckenabschnitte. Dafür müssen wir noch mal richtig in die Pedalen treten, um im Oberdorf von Dankmarshausen das Hotel Waldschlösschen zu erreichen.

Nach gutem Abendessen drückt Skigruppenleiter Helmut Hielscher das aus, was wir zum Abschluss der Werratour wohl alle empfinden und schließt mit einem großen Lob auf "Fischer Tours". Prompt kontert Hermann: Ihm habe es so viel Spaß gemacht..., und wenn wir wollten, organisiere er im nächsten Jahr eine Maintour. Und ob wir wollen!

5. Tag: Zweigeteiltes Programm für PKW-Fahrer und Beifahrer

Während das "harte Herrenprogramm" (Bahnfahrt und Autos abholen) abläuft, fühlen sich die Zurückgebliebenen pudelwohl beim "angenehmen Damenprogramm". Das schöne Wetter lädt uns ein zum Radeln. Ganz gemütlich besichtigen wir das wirklich sehenswerte Kalibergbaumuseum in Heringen. Anschließend trudeln wir genüsslich durch das Vogelschutzgebiet Rhäden und konzentrieren Augen und Ohren auf Fauna und Flora. Am Hotel verbleibt reichlich Zeit für eine Siesta. Wir reihen uns auf die windgeschützten, aufgewärmten Treppenstufen und blinzeln in die Sonne. Nach Eintreffen der PKW läuft alles wie am Schnürchen. Schade, dass die Tour schon vorbei ist. Die nächste wird länger, waren sich viele Teilnehmer einig.

Wilhelm Meister

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V., 21. Oktober 2003