Sektion Braunschweig
zweispaltig
Aus dem Mitteilungsblatt 3/2003
Skigruppe

Kultur und Natur im Elsass

Bericht über eine Fahrt ins Elsass vom 18.05. – 25.05.2003

Peter Kräher und seine Frau Ruth hatten eine Wander- und Besichtigungsfahrt ins Elsass vorbereitet und kurz nach der Ankündigung dieser Fahrt war sie auch schon ausgebucht. Wie von Peter nicht anders gewohnt, war diese Elsassfahrt bestens organisiert und berücksichtigte, daß das Lebensalter der Teilnehmer zwischen Mitte 40 und 92 – Gerhard Meyer – lag. Um es vorweg zu sagen: Diese Fahrt verlief von Anfang bis Ende in einer sehr harmonischen Art.

Am Sonntag, dem 18.05. trudelten die Teilnehmer nach und nach im Hotel „L‘ AGNEAU BLANC“ (Weißes Lamm) in BEBLENHEIM ein. Gemeinsames Abendbrot in einem urigen Restaurant mit elsässischen Flammkuchen und viel Wein. Um es vorweg zu sagen: Wer ins Elsass reist, darf kein Kalorienzähler sein! In Beblenheim fand an diesem Tag ein Seifenkistenrennen statt. Wir haben die waghalsigen Fahrten der jüngeren und auch älteren Fahrer in ihren tollen Kisten bewundert.

Montag, 19.05. Die Fahrt geht nach KAYSERSBERG, einer wunderschönen, durch Kriegseinwirkungen nicht zerstörten Stadt. Wir bewundern die blumengeschmückten Häuser, die Kirche mit ihrem schönen Altar und dem an eine Jacobinermütze erinnernden Turmhelm, der die Stadt vor der Verwüstung durch die Jacobiner in den Revolutionskriegen bewahrt haben soll. Aufstieg zur von den Hohenstaufen erbauten Reichsburg – heute Ruine – aus dem 13. Jahrhundert. Vom Turm ein sehr schöner Blick auf die Altstadt. Weiter zum Geburtshaus – heute Museum – von Albert Schweitzer und Gang durch das Museum. Weiter über Col des Bagenelles und Aufstieg zum Brezouard (1228 m). Zurück nach Beblenheim, und nach einer kurzen Erholungspause in das – nicht zum Hotel gehörende – Restaurant AGNEAU BLANC. Eine sehr geschäftstüchtige Wirtin, aus der Nähe von Linz/Österreich stammend, bewirtet uns an diesem Abend mit Spezialitäten aus der Region, wie z. B. Choucroute – Sauerkraut mit verschiedenen Fleisch- und Wurstsorten.

Dienstag, 20.05. Heute ist Besichtigung angesagt. Wir fahren nach Ribeauville, früher Rappoldsweiler. Auch hier blumengeschmückte Häuser, eines schöner als das andere, und es fällt schwer, einzelne Gebäude besonders zu erwähnen. Sehenswert: Metzgerturm, Rathaus, Renaissancebrunnen und viele andere Bauten. Wir steigen auf zu zwei Burgen: Ulrichsburg und Burg Giersberg. Hier werden wir von einem Gewitterregen überrascht. Jedoch dauert der Regenschauer nicht lange und wir fahren weiter zur Haut Koenigsbourg, der größten und bekanntesten Burg des Elsass. Die Burg thront hoch auf einer Bergnase. Sie wurde um 1150 von den
Staufern errichtet, 1633 zerstört und, nachdem sie 1899 Kaiser Wilhelm als Geschenk der Stadt Schlettstatt – heute Sélestat – übereignet wurde, wiederaufgebaut. Gemeinsames Abendessen im Gasthaus La Flammeri in Ribeauville.

Mittwoch, 21.05. Dieser Tag war zur freien Verfügung. Eine Gruppe besucht Straßburg, eine andere Gruppe erkundet die Orte Turckheim und Eguisheim. Zum Abendbrot treffen wir uns wieder in unserer Unterkunft. Die Wirtin hat einen Abend mit elsässischen Spezialitäten vorbereitet: Käse aus der Region in allen Variationen und auch Schinken und Wein.

Wanderung im Regen zum Gazon du Faing
Foto:H. Hielscher

Donnerstag, 22.05. Heute soll gewandert werden. Das Wetter spielt nicht ganz nach unseren Wünschen mit. Die Fahrt geht über Kaysersberg und Orbey zum Lac Blanc, auf den wir nur einen Blick werfen, und weiter zu einem Parkplatz am Lac Noir. Ab hier zu Fuß weiter einen steilen Pfad hinauf und oberhalb des Sees, vorbei an steilen Abstürzen, zum Gazon du Faing. Es hat zu regnen begonnen und mit den Ausblicken auf den See wird es leider nichts. Dazu weht ein heftiger Sturm, der uns nicht verläßt, bis wir einen Berggasthof erreichen. Nach einer Pause zurück nach Beblenheim. Nach einer ausgiebigen Pause fahren wir nach Ribeauville. Neun von uns
haben in dem uns schon bekannten Lokal eine weitere elsässische Spezialität bestellt: „Bäckeofe“ – ein Eintopfgericht mit viel Fleisch, Kartoffeln und anderen Zutaten. Das Fleisch muß ca. 24 Std. in eine Marinade eingelegt werden, weswegen dieses Gericht einen Tag im voraus bestellt werden muß.

Freitag, 23.05. Gerhard hat heute Geburtstag. Er wird 92 Jahre alt. Wir empfangen ihn mit einem Ständchen. Nach dem Frühstück fahren wir bei Sonnenschein nach Riquewihr (Reichenweier) und bummeln durch diesen schönen Ort. Weiter dann nach Colmar. Hier zeigt uns Peter viele Sehenswürdigkeiten dieser Stadt: Das malerische „Klein Venedig“, die malerische Gerberstraße, Schongauers „Maria im Rosenhag“ und natürlich den Isenheimer Altar im Unterlinden Museum, für den Grünewald zwischen 1512 - 1516 die Tafeln malte, und viele andere interessante Bauten. Danach besuchen wir noch das Städtchen Eguisheim, ein urtümliches, fast verwunschenes Städtchen. Zu einer anschließenden Weinprobe mit Kellerbesichtigung hat das Geburtstagskind eingeladen. Abendbrot wieder in dem uns schon wohlbekannten Restaurant in Beblenheim, wieder mit viel Flammkuchen und noch mehr Wein.

Skigruppe in den Vogesen
Foto:P. Kräher

Sonnabend, 24.05. Wir fahren zum Col de la Schlucht und wandern bei sehr schönem Wetter über einen teils ausgesetzten, teils auch feuchten Felsensteig in Richtung Hohneck. Eine genußvolle ca. zweistündige Wanderung. Danach besuchen wir eine der Stellen im Elsass, an der im ersten Weltkrieg heftigst und aus heutiger Sicht sinnlos um einen Berggipfel gekämpft wurde. Weiße und schwarze Holzkreuze weisen auf Stellen hin, an denen noch vor wenigen Jahren Gebeine französischer und deutscher Soldaten gefunden wurden. Rückfahrt nach Beblenheim, dabei noch ein Blick auf einen Soldatenfriedhof. Ein Abstecher zum Chalet von Peters Schwester hoch oben in den Bergen mit herrlicher Aussicht auf die Vogesen. Peter und Ruth kredenzen uns Wein und Käse. Wir bestaunen ein wenige Tage altes Rehkitz, welches völlig reglos im Grase dicht bei dem Pferdestall liegt. Abendbrot wird wieder ausgerichtet von unserer Wirtin, diesmal mit Käsespezialitäten aus den Bergregionen des Elsass.

Am Sonntag, dem 25.05.2003 regnet es, und so fällt uns der Abschied nicht allzu schwer.

Gerhard Otremba

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V., 23. August 2003