Sektion Braunschweig
zweispaltig
Aus dem Mitteilungsblatt 3/2002
Skigruppe

Wo Elbe und Kanal sich schneiden..

Die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) des Bundes ist zuständig für 7300 km Binnenwasserstraßen und 17800 qkm Seewasserstraßen. Die Seewasserstraßen sind quasi die Küstengewässer. Die Binnenwasserstraßen setzen sich aus 2533 km freien oder auch geregelten Flussstrecken, 3032 km gestauten Flussstrecken und schließlich 1735 km Kanalstrecken zusammen. Eine der wichtigsten Kanalstrecken ist unser Mittellandkanal (MLK), der einschließlich Stich- und Verbindungskanälen eine Länge von 388 km aufweist und den Wirtschaftsraum im Westen mit dem im Osten, insbesondere Berlin, verbinden soll.

Der MLK wurde im Jahre 1938 eingeweiht, endete aber - und das bis heute - vor der Elbe bei Magdeburg. Um die Elbe zu "überwinden" und im Elbe-Havel-Kanal die Fahrt nach Berlin fortsetzen zu können, müssen die Schiffe über das Schiffshebewerk Rothensee um ca. 18 m auf das Niveau der Elbe abgesenkt werden, müssen die Elbe mit ihrem manchmal recht niedrigen Wasserstand ca. 13 km flussabwärts fahren und schließlich über die Schleuse Niegripp in den Elbe-Havel-Kanal gelangen.

Diese Verfahrensweise ist zeitaufwändig wegen des Umweges, unsicher wegen des Wasserstandes der Elbe und unwirtschaftlich, weil die Trogabmessungen des Schiffshebewerkes nur relativ kleine Motorgüterschiffe zulassen. Schon im Jahre 1934 hat man deshalb mit dem Bau einer Kanalbrücke über die Elbe begonnen, die Arbeiten aber dann kriegsbedingt im Jahre 1942 einstellen müssen.

Bereits im Jahre 1991, also unmittelbar nach der Wende, wurde deshalb der Ausbau der Wasserstraße Hannover-Magdeburg-Berlin beschlossen und das Vorhaben als "Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr. 17" in die Planung aufgenommen.

Skizze

Neben einem Ausbau des Kanals - Breite, Tiefe und Begradigung - in einigen Teilstrecken sieht das Projekt vor allem folgende Neubauten vor:

  • Sparschleuse Rothensee parallel zum Schiffshebewerk Rothensee
  • Kanalbrücke über die Elbe
  • Doppelsparschleuse Hohenwarthe für die Überwindung des Höhenunterschiedes zwischen MLK und Elbe-Havel-Kanal

Termin für die Fertigstellung ist das Jahr 2003.
Am 25.05.02 besuchten 32 Mitglieder der Skigruppe, nachdem sie beim vorherigen Gruppenabend wichtige Informationen zur Vorbereitung der Besichtigung erhalten hatten, das Schiffshebewerk und die drei Neubauten und staunten nicht schlecht über das, was hier auf 137 ha Gelände entstanden ist oder aber noch seiner Vollendung entgegen sieht.

Brücke
Blick auf Strom- und Vorlandbrücke
Foto: Enke

Die Sparschleuse Rothensee wurde bereits im Jahre 2001 in Betrieb genommen und zeigt in eindrucksvoller Weise, welch große Rolle der Umweltgedanke bei der Projektierung spielte. Die Symbiose aus Technik und Natur ähnelt sehr stark einer Freizeitanlage.

Die Kanalbrücke - 918 m lang, wovon 690 m auf die Vorlandbrücke und 228 m auf die eigentliche Strombrücke entfallen - ist so weit fertiggestellt, dass sie Ende August dieses Jahres für 100 Tage geflutet werden kann, um die berechneten Setzungen und Durchbiegungen nachmessen zu können.

Die Doppelsparschleuse Hohenwarthe soll erst im Jahre 2003 dem Verkehr übergeben werden. Entsprechend weit zurück ist der Baufortschritt im Vergleich zu den beiden schon genannten Bauwerken. Um so deutlicher aber ist hier noch zu sehen, welche Unmengen von Erde bewegt werden müssen, um dieses Vorhaben zu realisieren.

Die Mitglieder der Skigruppe waren beeindruckt von dem, was sie unter fachkundiger Führung zu sehen bekamen und bewiesen mit ihrem Interesse und ihren manchmal sehr ins Detail gehenden Fragen, dass sie sich nicht nur in der Loipe und auf Hängen zu Hause fühlen.

Allen Lesern sei empfohlen, sich - wenn noch nicht geschehen - bei Gelegenheit das Wasserstraßenkreuz Magdeburg einmal anzusehen. Es ist wirklich ein lohnendes Ausflugsziel!
Hermann Fischer

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V., 25. August 2002