Sektion Braunschweig
zweispaltig
Aus dem Mitteilungsblatt 3/2002
Skigruppe

Hin zu den 7 Bergen

Vier Kirchen, fünf Museen, sieben Berge, ein großes Moor und 900 km An-, Rund- und Rückfahrt: Das war der Inhalt des Vier-Tage-Rhön-Paketes, das Peter für 16 Mitglieder der Skigruppe geschnürt hatte. Waren dadurch Terminprobleme und Stress vorprogrammiert? Nein! Selbst gelegentliche Regengüsse stellten keine Störung dar, weil sie exakt in die Perioden gelegt wurden, in denen die Gruppe sich in Museen oder Kirchen befand.

Schon die Anreise am Himmelfahrtstag führte nicht direkt ins Hotel in Sünna -am nördlichen Rand der hessischen Rhön gelegen - sondern erst in die Barockstadt Fulda, wo mit der Besichtigung des Domes das reichhaltige Kulturangebot eröffnet wurde.

Auf dem Grundriss einer karolingischen Basilika wurde die Stiftskirche in Anlehnung an die Peterskirche in Rom gestaltet und im Jahre 1712 eingeweiht. Einige Besonderheiten, z. B. auch ihre Ausrichtung nach Westen statt nach Osten, gehen auf das karolingische Gotteshaus zurück, in dem der im Jahre 754 ermordete Missionar Bonifatius beigesetzt wurde. Heute befindet sich das Bonifatiusgrab in der Westkrypta und bildet den ideellen Schwerpunkt des Bauwerks.

Gipfeltreffen
Gipfeltreffen am Öchsenberg
Foto: Kräher

Aus dem lichtdurchfluteten barocken Kirchenschiff ging es dann in die benachbarte Michaelskirche, die als größte Kostbarkeit Fuldas bezeichnet wird, ein Rundbau mit 8 Säulen über einer Krypta. Sie entstand im Jahre 820 als Friedhofskapelle des Klosters und ist eine Nachbildung der Geburtskirche in Bethlehem.

In unmittelbarer Nähe des Domes befindet sich das Schloss und die in unverfälschtem Barockstil erbaute Orangerie. Vor letzterer die Flora-Vase, eine der schönsten Gartenplastiken Deutschlands.

Beeindruckt von so viel Kultur ging es dann Richtung Hotel, nicht ohne auf dem Weg dorthin einen Abstecher zum "Point Alpha" zu machen, dem "heißesten Punkt im kalten Krieg", erwartete man doch hier im Ernstfall eine Invasion der Truppen des Warschauer Paktes. Bis zu 200 Soldaten lauschten und schauten von hier aus rund um die Uhr in den Osten. Heute ist das Camp als Museum eingerichtet und bietet dem Besucher interessante Informationen aus einer politisch brisanten Zeit.

Ja, und nun ging es tatsächlich ins herrlich gelegene Hotel und erst eine Stunde später auf eine Wanderung zum Hausberg des Hotels, den Öchsenberg. Strahlender Sonnenschein begleitete die Schar. Blau war jedoch nicht nur der Himmel, sondern auch so mancher Passant, der zu ausgiebig den Vatertag gefeiert hatte.

Am nächsten Tag war zunächst wieder Kultur angesagt: Der Ort Tann lud ein zur Besichtigung des Naturmuseums, das in so genannten Dioramen die verschiedenen Landschaftsformen der Rhön mit ihrer charakteristischen Tierwelt zeigt. Eine Sonderschau - einschließlich Kopie des Leichnams - war dem Thema "Ötzi" gewidmet.

Ein paar Schritte weiter war dann im Rhöner Museumsdorf zu sehen, wie die Bauern seit etwa 1800, u. a. in "Zweiseithof" und "Dreiseithof", lebten und arbeiteten.

Der Regen hatte aufgehört, also konnte es losgehen zu einer "Tour rund um den Habelberg". Walter war so beeindruckt von der Aussicht, die sich ihm am Habelstein bot, dass er als Beweis für seinen Besuch seine Jacke dort liegen ließ. Durch eine "Obstler-Spende" an einen aufmerksamen Begleiter konnte er sich allerdings den Rückmarsch zum Aussichtspunkt ersparen.

Weiter ging es zur Wasserkuppe, wo die Besichtigung des Segelfliegermuseums anstand. Für einen Zeitgenossen der Düsenjäger- und Raketen-Ära ist es schon imposant, zu sehen, wie die Fliegerei aus bescheidenen Anfängen heraus durch den Pioniergeist des Menschen mit immer neuen Bestleistungen aufwartete.

Fliegerdenkmal
Gewitter am Fliegerdenkmal
Foto: Kräher

Nach einer Tasse Kaffee im Museums-Restaurant wurde trotz dräuender Gewitterwolken noch dem Fliegerdenkmal die gebührende Reverenz erwiesen, bevor es dann wieder zurück nach Sünna ging.

Der Samstag begann mit Natur und zwar "Natur pur". Das "Schwarze Moor", ein Hochmoor von 60 ha Fläche, lud zu einer Erkundung auf einem Holzbohlenweg ein. Von den 1000 mm Niederschlag im Jahr entfielen allerdings 3 mm auf diesen Tag, was aber der Stimmung der mit passender Regenkleidung ausgerüsteten Gruppe keinen Abbruch tat. Die sehr ausführlichen Info-Tafeln wurden auch mit nasser Brille aufmerksam studiert.

Nächstes Ziel war Fladungen und dort das Rhön-Museum, das im viergeschossigen Renaissance-Bau des ehemaligen Zehntschlosses eingerichtet ist und neben Wohnkultur und Volkskunst in der Rhön sehr anschaulich die Entwicklung des Möbelstücks Truhe von der Gotik bis zur Gegenwart zeigt.

Weiter ging es nach Ostheim v. d. Rhön. Nach einer Reduzierung der Lebensmittel im Rucksack galt das Interesse der um 1450 erbauten Kirchenburg St. Michael, die mit einer doppelten Ringmauer und ca. 70 unterkellerten Schutz- und Lagergebäuden in früherer Zeit der Bevölkerung Schutz vor Feinden gewährte. Ostheim ist stolz auf diese größte erhaltene Kirchenburganlage Deutschlands.

Zurück zur Natur: Auf dem Naturlehrpfad Gangolfsberg zeugen Basaltblöcke und Basaltblockfelder, vor allem aber der zu Prismen erstarrte Basalt in der "Prismenwand" eindrucksvoll vom Vulkanismus, der einst die Rhön geformt hatte.

Kaffee und Kuchen wurden auf die Schnelle im Schweinfurter Haus eingenommen, galt es doch, dem Kreuzberg in der Bayerischen Rhön noch einen Besuch abzustatten und dort das berühmte Klosterbier zu kosten und die Klosterkirche zu besichtigen.

Beim - wie immer gemeinsam zelebrierten - Abendessen dankte Helmut H. im Namen aller Beteiligten den Organisatoren Ruth und Peter für diese ausgezeichnet vorbereitete Reise durch das Gebiet der Kelten und überreichte einige Proben des köstlichsten Nass, das Franken zu bieten hat.

Mit gepackten und verstauten Koffern fuhr die Gruppe am Sonntag zur Steinwand, wo gerade an steilen Felsen eine Abnahmeprüfung der Bergrettung stattfand. Die Alpinisten aus der Skigruppe konnten nur mit Mühe zum nächsten Ziel gelockt werden.

Das war die "Perle der Rhön", die Milseburg, die größte und bedeutendste Ringwallanlage in der Rhön, immerhin 835 m hoch. Bevor der Regen unangenehm wurde, kehrten die nunmehr zu Rhön-Profis avancierten Wanderer im "Wirtshaus zum Riesen Mils" ein und ließen sich dort u. a. den köstlichen "Zwiwwelploatz" munden, bevor es dann auf der A7 wieder heimwärts ging.

Hermann Fischer

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V., 25. August 2002