Sektion Braunschweig
zweispaltig
Aus dem Mitteilungsblatt 3/2001
Skigruppe

Frühlingsfahrt in die Altmark

Nach bester Vorbereitung riefen Margrit und Karlheinz und 21 Fahrradfans folgten gerne nach Tangermünde/Elbe. Auf der PKW-Anreise sorgte Salzwedel für ersten Stop und notwendige Stärkung.

Selbst am Himmelfahrtstag ließ es sich Oskar Henning, der Inhaber der Firma "Echter Schernikow Baumkuchen Salzwedel", nicht nehmen, in seiner Backstube die aufwändige und mühevolle Herstellung seines echten Baumkuchens am offenen Feuer eines Steinofens zu zeigen. Auf seine launigen Hinweise zum fachgerechten Aufschneiden und Servieren eines Baumkuchens folgte die ersehnte Verkostung, für alle Gaumenkitzel und Stärkung für die anschließende Stadtführung durch Salzwedel.

Leute
Vor dem Start!
Foto: Tersteegen

Von zu vielen Geschichtsereignissen und -zahlen erschlagen, erholten wir uns bei Wanderung und Kaffeetrinken am Arendsee, der Perle der Altmark. Einen ersten Blick auf die Elbe ermöglichte uns der Elbdeich des bekannten Storchendorfes Wahrenberg. In der Elbaue finden die Weißstörche ideale Lebensbedingungen und Dorfbewohner als liebevolle Gastgeber.

Am späten Nachmittag erreichten wir unser Ziel, die alte Kaiser- und Hansestadt Tangermünde. Mit unserem Hotel "Alte Brauerei" inmitten der Altstadt mit großem Hinterhofparkplatz sowie guter Unterbringung und Verpflegung hatte Karlheinz einen guten Griff getan. In nur wenigen Minuten konnten wir Burg und Elbufer, Rathaus und Innenstadt sowie lauschige Biergärten erreichen.

Für Freitag war unsere erste Radtour angesetzt, und das bei Traumwetter. Auf steilem Elbdeichaufstieg und sehr schmalem Radweg über die Elbbrücke - ein Test für die Fahrfähigkeit aller Teilnehmer? - gelangten wir in die Elbaue und genossen den Blick auf die turmreiche Stadtsilhouette von Tangermünde. Das Pflaster der alten Fischbecker Fährstraße erinnerte uns an mittelalterlichen Straßenbau. Karin war auch mit einem Ast in den Speichen des Vorderrades nicht zu stoppen, sie erreichte Kloster Jerichow auf kürzerem Elbdeichweg.

Alle anderen folgten der "Klosterroute" für Radwanderer und mühten sich auf z.T. rustikalen Radwegen kleinerer Dörfer zum Kloster Jerichow. Eine längere Besichtungspause vermittelte uns hier faszinierende Einblicke in die Geschichte des ehemaligen Prämonstrantenklosters und seine Bedeutung für das Jerichower Land: seit 1144 Landerschließung, Bewirtschaftung und Missionierung. Gleichzeitig gilt das Kloster als Wiege des norddeutschen Backsteinbaues. Der durch den roten Backstein feierlich wirkende Innenraum der Klosterkirche wird von mächtigen Rundpfeilern getragen. In der Krypta beeindrucken reich gestaltete Kapitelle mit Pflanzen- und Tiermotiven oder Dämonendarstellungen. In einerAusstellung erlebten wir die althergebrachte Backsteinherstellung, ein liebevoll gepflegtes Heimatmuseum erinnerte an Handwerks- und Küchengeräte sowie Kleidungsstücke aus vergangenen Jahrhunderten.

Weiter radelten wir zur Elbfähre Ferchland. Dabei sorgten für Stimmung ein unbedachter Ausreißer sowie dichte Mückenschwärme bei der Mittagsrast in der Elbaue. Karin glättete die Wogen mit ihrem Hubertustropfen. Nach Überquerung der Elbe wartete die Naturschutzstation Buch auf uns. Während für uns der Kaffee gekocht und der Kuchen aufgeschnitten wurde, hatten wir genügend Zeit, uns über die schützenswerte Natur zu informieren., eindrucksvoll die live- Übertragung aus einem Storchennest. Der westliche Elbdeich führte uns zurück nach Tangermünde.

Ohne Rücksicht auf den Muskelkater einiger erweiterte Karlheinz die Samstagstour in die nördliche Elbtalaue um einen historischen Leckerbissen: Schönhausen, das Dorf mit dem Patronat der Familie Bismarck. Hier wurde Otto von Bismarck geboren und getauft. Als Deichhauptmann begann seine politische Karriere. Das Museum mit Dokumenten über das Werden, Wirken und Nachwirken des ersten deutschen Reichskanzlers gehörte zum Pflichtprogramm. Danach begeisterte uns die engagierte Kirchenführerin mit launigen Details über die Familie von Bismarck und die Schwierigkeiten vor dem Mauerfall.

Am Klietzer See entlang und über die Elbfähre erreichten wir Arneburg. Der harte Anstieg zum Steilufer der Elbe bescherte allen Kaffee und Kuchen mit herrlichem Blick auf die Elbe. Auf dem Rückweg nach Tangermünde waren etliche Moränenhügel aus der letzten Eiszeit zu überwinden.

Sonntagsruhe für die Fahrräder, auf uns wartete eine sehr gut informierende und launige Stadtführerin. Durch Rossfurt und Elbtor, entlang der mächtigen Stadtmauer führte unser Weg zum Neustädter Tor. Dieses Tor gehört zu den schönsten mittelalterlichen Toranlagen im norddeutschen Raum und bildet mit dem Rathaus und der Stephanskirche die besonderen Schmuckstücke mittelalterlichen Backsteinbaues. Der Festsaal und das Trauzimmer im Rathaus sowie die schmuckvollen Fachwerkhäuser in der Kirchstraße ließen den Wohlstand der tangermünder Bürger ahnen. Vor einer Konfirmation konnten wir noch die Schererorgel in der Stephanskirche bewundern. Sie gehört zu den wertvollsten historischen Orgeln Europas.

Mit viel Zustimmung, Beifall und Dank endete die Stadtführung und die Frühlingsfahrt im Burggarten mit letztem Blick auf die Elbe.

Besonderer Dank gilt den Organisatoren Margrit und Karlheinz. Sie haben es verstanden, Natur, Kultur und Geschichte der Altmark auf ideale Weise zu verknüpfen, und das bei idealem Wetter und ohne Reifenpanne.

Peter Kräher

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V., 12. August 2001