Ein etwas anderes Wanderwochenende

Aus dem Tagebuch der Eheleute Kurt und Hannelore Gohmert

Das hatten wir doch schon:

Wanderwochenende auf der Torfhaushütte - im Spätherbst - und nun ein anderer Termin mit einem Angebot - wie immer - für jeden Mann und jede Frau.

Sonnabend, 19.06.99

9.00 Uhr: Treffen an der Torfhaushütte.

Wir müssen uns entscheiden: lange oder kurze Wanderung. Wir entscheiden uns für die lange Wanderung - über Sonnenkappe, Oderteich, Oderbrück, Achtermann (hier treffen wir die Kurzstreckenwanderer), das Rote Bruch, Dreieckigen Pfahl, Hopfensäcke, Abbé-Graben - (wir begrüßen unsere Spaziergänger), zurück zur Torfhaushütte.

Kaffeetrinken, Abendbrot und gemütliches Beisammensein in fröhlicher Runde.

Sonntag, 20.06.99

2.30 Uhr: der Wecker klingelt. Noch verschlafen Katzenwäsche, anziehen. Ruhe, die anderen schlafen noch!

3,00 Uhr: Treffen vor der Hütte - leise Stimmen - Taschenlampen blitzen auf.

3.05 Uhr: 14 müde, aber erwartungsfrohe Wanderer brechen auf. Dunkelheit und Stille umgibt uns. Nur wenige Zurufe: Vorsicht! Wurzel! Links gehen! Immer wieder das Aufblitzen von Taschenlampen....

Bizarre abgestorbene Fichten im Dämmerlicht - Kuckucksruf an der Grenze von Niedersachsen zu Sachsen-Anhalt; Eckersprung - kurze Rast. Es ist 4.00 Uhr.

Anstieg auf dem ehemaligen Kolonnenweg zur Brockenbahn. Haltestelle Goethe-Weg. Über allen Gipfeln ist Ruh . . . nein, erwachendes Vogelgezwitscher begleitet uns. Wir treffen auf die Brockenstraße. Wenige Meter vor unserem Ziel ein glutroter Ball zwischen den Krüppelfichten, die Sonne im Morgendunst. Unser Schritt wird schneller.

5.00 Uhr: Wir sind oben! Wir genießen den Anblick der aufgehenden Sonne. Der kalte Westwind stört uns wenig.Wir suchen Schutz am Brockenbahnhof und feiern unser gemeinsames Erlebnis, als wäre es eine Erstbesteigung.

Wir gehen zum Gipfel des Brockens, 1142 m. Metallene, kreisförmig angeordnete Platten mit Kilometerangaben weisen zu bekannten Orten. Unser Blick geht hinüber zur Schalke, zum Ravensberg, zum Stöberhai und natürlich zum Torfhaus - alles so ganz anders im frühen Morgenlicht.

Wir nehmen diese Eindrücke mit auf unseren Weg zurück. Die höher steigenden Sonne wärmt uns. - Wollgras blüht auf den Mooren - Kuckucksruf am Eckersprung - zurück zum Torfhaus. Es ist 7.45 Uhr. Wir freuen uns auf unser Frühstück. Kaffee und Tee wecken die Lebensgeister und freudig begrüßen wir Jochen, der unsere Sonntagswanderer führen wird.

Also dieses ist ein Geheimtip: Sonnenaufgang auf dem Brocken! Wir wollten es niemandem verraten; aber wie sagte schon Martin Luther:

Wes das Herz voll ist,
des geht der Mund über.

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V., 15. August 1999