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Kletterkonzeption Niedersachsen

Aus der Rolle des Naturschutzreferenten ist zu berichten, dass wir beim Sektionentag in Lauenstein die Kletterkonzeption vorgestellt haben. Sie wird nach den Sommerferien auch in gedruckter Form vorliegen und sowohl für die Überzeugungsarbeit nach aussen als auch für die Information innerhalb der Vereine zur Verfügung stehen. Nachfolgend ein Überblick über Zielsetzung und Inhalt der Kletterkonzeption Niedersachsen, aus der Einleitung des Gutachtens:

Die gestiegene Sensibilität für Fragen des Naturschutzes hat auch für die Ausübung von Sport in der Natur eine Diskussion ausgelöst. Sowohl Naturschutz als auch Sport sind gesellschaftlich als unbestrittene Werte anerkannt, in Niedersachsen sogar beide als in der Verfassung benannte Staatsziele. Dies macht in Konfliktfällen nötig, nach für beide Seiten gleichermaßen tragbaren Kompromissen zu suchen.

In der Vergangenheit wurden die Konflikte zwischen Ausübung des Klettersportes und Naturschutz jeweils an einem aktuellen Beispiel diskutiert und entschieden, ohne dabei die tatsächlichen Verflechtungen und Konsequenzen für andere Gebiete und Sachbereiche angemessen einzubeziehen. Die Verschärfung der Naturschutzgesetzgebung in Form des Biotopschutzparagraphen (Niedersächsisches Naturschutzgesetz § 28a) und der europäischen Naturschutzrichtlinie Fauna Flora Habitate und Natura 2000 machen jedoch nötig, wegen der rechtlichen Auswirkungen auf alle Felsen eine landesweite Konzeption zur umweltverträglichen Ausübung des Klettersportes zu erstellen. Diese Aufgabe ist vom Landesverband Bergsteigen Niedersachsen im Deutschen Alpenverein e.V. federführend in Zusammenarbeit mit den anderen Klettererverbänden erfüllt worden. Das Ergebnis wird hiermit vorgelegt.

Darin wurden zur Frage des Klettersports in Niedersachsen sowohl eine Bestandsaufnahme der Naturfelsen und ihrer natürlichen Ausstattung und klettersportlichen Nutzung sowie anderer Klettermöglichkeiten als auch eine Bestandsaufnahme der Spielformen des Klettersportes und der demographischen Struktur seiner Anhänger sowie eine Raumplanung für die künftige Entwicklung erstellt.

Die Fülle der bisher nicht zusammenhängend verfügbaren Information wurde genutzt, um einen ausgewogenen Vorschlag zur Kompromißfindung zwischen Klettern und Naturschutz in Niedersachsen zu erarbeiten. Eckpunkte waren dabei:

  • Tatsächliche Erhaltung des natürlichen Felsinventars in einem teils völlig intakten, teils naturnahen Zustand (mit Beachtung des Verschlechterungsverbotes),
  • Erhalten des Klettersportes in Niedersachsen als einer Form besonders intensiver Naturerfahrung (in einer auf Dauer lebens- und entwicklungsfähigen Form),
  • Entwickeln von vor Ort sachlich und fachlich plausiblen Lösungen, die nach ihrem Umfang und ihrer Beschaffenheit eine hohe Akzeptanz von verabredeten Regelungen erwarten lassen.

Die Konzeption ist gegliedert in einen bundesweit erstellten Teil I zu den wichtigsten grundlegenden Fakten zu Zielen, Regeln, Motivationen und Wirkungen des Klettersportes allgemein, einen Teil II mit Fakten und Perspektiven zum Klettersport in Niedersachsen und einen Teil III zur Raumplanung, u.a. mit detaillierter Darstellung konkreter Vorschläge zur naturschonenden klettersportlichen Nutzung für die auch künftig zum Klettern benötigten Felsgebiete in Niedersachsen.

Die Kletterkonzeption fügt sich ein in die Leitlinien des Landessportbundes Niedersachsen zu Sport und Umwelt. Sie ist entsprechend der politisch gewünschten Beteiligung seiner Mitglieder an den Entscheidungen zur Umsetzung der Naturschutzgesetze die Antwort der Klettersportler auf dieses Beteiligungsangebot:

Für die anstehende verbindliche Definition der für den Klettersport wichtigen Gebiete und Bereiche sowie die Findung realistischer Kompromißlinien und konkreter Pflegekonzepte soll die hier vorgelegte Kletterkonzeption die Grundlage bieten.

Die vorgeschlagenen Regelungen berücksichtigen - ganz im Sinne der Agenda 21 - sowohl die ökologischen als auch die sozialen Gegebenheiten und Notwendigkeiten und enthalten damit eine hohe Chance für breite Akzeptanz.

Wir haben die Kletterkonzeption bereits verwendet bei der Anmeldung unserer Vorstellungen zur Ausweisung von neuen FFH-Gebieten, d.h. neuen Schutzgebieten nach der europäischen Naturschutzrichtlinie Fana Flora Habitate. Solche Gebiete sollen auch im Süntel, am Ith, am Hainberg und im Südharz eingerichtet werden.

Aber auch davon abgesehen ist die Konzeption ein landesweites Projekt zur Umsetzung des Biotopschutzparagraphen, nach dem alle natürlichen Felsen des Landes Niedersachsen vor Verschlechterung ihrer Qualität als Standorte von Lebensgemeinschaften bewahrt werden sollen. Wir wollen das auch ohne diese gesetzliche Verpflichtung selbst, weil wir die Felsen als jeweils einmalige Naturobjekte schätzen und lieben. Insofern treffen sich hier die gesetzliche Verpflichtung und unser eigenes Wollen. Wir sagen in der Konzeption aber auch ganz klar, dass wir auch weiterhin an diesen Felsen klettern wollen.

Sobald die von uns vorgelegten, aus naturschutzfachlichen und sportfachlichen Kartierungen und Abwägungen hervorgegangenen Konzeptionen mit den Behörden und Eigentümern auf ihre Plausibilität überprüft worden sind, dann werden sie von uns auch beträchtliche Arbeiten verlangen. Dazu brauche ich Euer aller Hilfe. Und damit werde ich voraussichtlich im Herbst wieder auf euch zukommen!

Mit allen guten Wünschen für die sommerlichen Unternehmungen
Richard Goedeke


Naturschutreferent
Dr. Richard Goedeke (umweltreferat@davbs.de)

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V., 15. August 1999