Sektion Braunschweig
zweispaltig
Aus dem Mitteilungsblatt 2/1999
Skigruppe

Auf Skitour in den Ötztalern


Eigentlich sollten die Ötztaler Alpen so etwas wie eine zweite Heimat der Braunschweiger Alpinisten sein; sind jene doch das Erschließungsgebiet der Braunschweiger Hütte. Aber in den Hüttenbüchern sucht man vergebens nach Braunschweiger Mitgliedern. Unsere letzte Eintragung von 1997 war das einzige Bekannte, was wir im Buch der Langtalereckhütte fanden.

Die Hüttenbauer von 1883 wußten schon, warum sie unseren Stützpunkt an die Nordseite der vergletscherten Berge zwischen Tirol und heutigem Italien errichteten. Es bieten sich gerade im Winter herrliche Touren an, viele Gipfel sind mit Ski zu erreichen. Die Durchquerung der Ötztaler gehört inzwischen zu den Klassikern der großen Skirouten. Leider wird dieses Vorhaben heutzutage wieder etwas erschwert, da einige Hütten nur noch den Winterraum anbieten, darunter auch unsere Hütte.

Wir, Helmut und ich, waren die Tour schon 1988 gegangen, hatten aber das südöstliche Teilstück damals weggelassen. Das haben wir jetzt nachgeholt. Es handelt sich um das Gebiet um Langtalereckhütte und Hochwildehaus, beide von der Sektion Karlsruhe betreut. Die erstere ist von Obergurgel leicht erreichbar und läd auf Grund ihrer günstigen Lage und angenehmen Gastlichkeit zu einem längeren Aufenthalt ein.

Wir spurten von hier zum Eiskögele, zum Mittleren Seelenkogel und zur Hochwilde, die mit 3.461 m das Langtal am südlichen Ende beherrscht und abschließt. Der Gipfel ist über schmalem ausgesetztem Grat zu erklettern, teils an Felsen mit Drahtseilsicherung, teils über Schnee in den Fußstapfen der Vorgänger. Ein Riesenerlebnis ist der Übergang an der Hochwilde vom Langtal ins Gurgler Tal. Das viel breitere flachabfallende Gletschertal öffnet sich vor einem und fordert zum fröhlichen Schwingen hinüber zum Annakogel heraus. Herrlicher Pulverschnee machte diese Abfahrt zum Genuß, zumal die kleinen Spalten nach den reichen Schneefällen alle geschlossen waren.

Die Querung hinüber zum Hochwildehaus gehört zu den äußerst wenigen Hüttenzielen, die ohne schweißtreibenden letzten Anstieg zu erreichen sind. Hier herrscht einsame Ruhe, da der marode Materiallift von der Langtaler Hütte herauf zur Hüttenschließung zwingt. Alles ist verrammelt bis auf den geräumigen Winterraum in der kleinen Nebenhütte. Blick auf SW-Flanke Hochwilde (Foto: Brigitte Bock) Ein Einzelgänger hat schon den Ofen angefeuert, um sich für den Weiterweg mit Wasser zu versorgen. Wir bleiben und bekommen noch Gesellschaft von drei jungen draufgängerischen Tirolern.

Die am Morgen aufgehende Sonne entschädigt uns für die fröstelige Nacht und das karge Abend- und Frühstücksmahl. Wir beenden unsere kleine Ötztaler Runde mit einem Aufstieg zur Falschunggspitze, deren Nordabhang eine herrliche Abfahrt bietet und über den flachen Gurgler Gletscher weiterführt bis zur steil abfallenden Schlucht, in die sich die Gletscherzunge zwängt. Hat man diese mit zitternden Knien gemeistert, liegt vor einem noch der knapp 200 m hohe Anstieg zur Langtalereckhütte, wo man endlich auf der Terrasse mit einem großen Radler den Durst löschen kann.

Wer dann keine Lust mehr zur Skitour hat, der kann sich wie wir anschließend auf den Gurgler oder Söldner Pisten ohne kraftraubende Anstiege ausschließlich der Abwärtsbewegung hingeben.

Brigitte Bock

Deutscher Alpenverein Sektion Braunschweig e.V., 7. Mai 1999